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ORCHID, TROUBLED HORSE und FREE FALLING - Hamburg

03.06.2013 | 20:22

26.05.2013, Markthalle

Doom over Hamburg

Es ist Samstagabend in Hamburg, Doom City. In der Markthalle bittet ORCHID zum Tanze. Die amerikanischen Sabbath-Verehrer, die mit ihrem superben neuen Album "Mouths Of Madness" sogar in den hiesigen Charts auf Platz 18 geschlurft sind, werden durch den krankheitsbedingten Ausfall der ursprünglichen Headliner WITCHCRAFT zur letzten Band des Abends. Damit der schmerzliche Verlust der Schweden in der Abendbeschallung nicht zu herb ausfällt, spielen nun einfach TROUBLED HORSE als Eröffnungskapelle vor FREE FALL. Ein stimmiger Ersatz, sind doch bei den Pferden Mitglieder der ausfallenden Band aktiv.

Ich betrete die heiligen Hallen gegen 20:30 Uhr und bekomme noch diverse Songs der ersten Band mit. TROUBLED HORSE rocken vor einer ordentlich gefüllten Halle amtlich das Haus. Insgeheim hatte ich sogar noch eine vollere Halle erwartet, aber eventuell tummelt sich ein Teil der potentiellen Besucher auf dem Rock Hard Festival, auf welchem der heutige Headliner am nächsten Tag spielen wird. Spekulation. Die Stimmung in der Halle ist super, was darauf schließen lässt, dass das Quartett aus Örebro gut ankommt. Ich werde auch sofort von der kraftvollen Musik der Jungs erfasst und komme somit gar nicht auf den Gedanken, meine Kollegen zu suchen. Vor allem Sänger Martin Heppich ist ein echter Entertainer, der die Anwesenden immer wieder anfeuert und einbezieht. Der bärtige Frontmann, der mit nacktem Oberkörper verschwitzt auf der Bühne herumwirbelt, lässt es sich bei der ausschweifenden letzten Nummer dann auch nicht nehmen, fröhlich im Publikum herum zu wandern, was die Stimmung zumindest in den ersten Reihen noch einmal aufheizt. Ein sehr gelungener Auftakt.

Eigentlich hätte ich danach FREE FALL anschauen sollen und auch wollen, aber wie es an so einem Abend so ist, verlabert man sich im Vorraum und die Zeit vergeht unbemerkt wie im Fluge. Das Resultat: Ich habe die Band nicht gesehen. Entschuldigung. Diejenigen, die ich nachher zum Auftritt befragt habe, sprechen allesamt von einem eigenwilligen, aber guten Konzert.

Pünktlich zum neuen Headliner ORCHID bin ich wieder in der Halle.  Das sympathische Quartett aus San Francisco fegt sofort mit dem knackigen 'Son Of Misery' sämtlichen Staub aus der Halle. Unwillkürlich fällt der druckvolle und für die Markthalle transparente Klang auf. Die Menge wird schnell zu einer rhythmisch wabernden Menschenmasse und Sänger Theo Mindell posiert gewohnt lasziv am Mikroständer. Weiter im Takt geht es mit dem schlürfenden Wunderwerk 'No One Makes A Sound', bei welchem die Halle dann endgültig Kopf steht. Zumindest für ein Doom Konzert. Überall sieht man aufgerissene Münder, verträumt schwelgende Bärte und ekstatisch geschwungene Luftgitarren. Wohlfühlen auf altmodisch. ORCHID weiß, wie man eine Setlist klug zusammenstellt und so folgen gleich noch zwei Nummern vom sensationellen ersten Longplayer, bevor mit dem Titelsong das aktuelle Werk erstmals in Aktion tritt. Ändert dies irgendwas an der Reaktion des Publikums? Natürlich nicht, denn das Album dürfte so ziemlich jeder Anwesende bereits jetzt rückwärts mitsingen können. Klampfer Mark Thomas Baker wandelt mit schlafwandlerischer Leichtigkeit auf Iommis' Pfaden und zelebriert einen Doomorgasmus nach dem anderen. Fett klingen seine Riffs, melodisch und gefühlvoll die Solopassagen. Sein viersaitiger Tanzbruder auf der anderen Seite der Bühne pumpt dazu permanent wohlig brummende Bassfolgen auf's Parkett und verhindert so, dass während der Solospots auch nur der Gedanke an ein Soundloch aufkommt. Seine einzigartige Fußarbeit ist dabei immer noch ein absoluter Augenschmaus. Weiter in gemächlichen Takten geht es mit 'Black Funeral', welches abgefeiert wird wie ein uralter Klassiker, bevor mit 'Silent One' die nächste neuere Nummer von der Leine gelassen wird. Die warme Beleuchtung untermalt das wohlige Ambiente der Veranstaltung ausgezeichnet und so dürfen auch die 'Eastern Woman' und der 'Wizard Of War' die Atmosphäre voll auskosten. Als mit 'He Who Walks Alone' die letzte Nummer angekündigt wird, schauen wir uns alle verwirrt an? Das soll schon alles gewesen sein? Die gute Stunde ist wie ein Fingerschnipp vergangen. Mit 'Saviours Of The Blind' knüppeln die Jungs zwar noch einen absoluten Volltreffer in die Felle, aber danach werden wir in die verregnete Nacht entlassen. Bitte bald wieder kommen.

Setlist: Son Of Misery; No One Makes A Sound; Eyes Behind The Wall; Capricorn; Mouths Of Madness; Black Funeral; Silent One; Eastern Woman; Wizard Of War; He Who Walks Alone; Saviours Of The Blind

Redakteur:
Holger Andrae

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