side banner 175

Party.San Metal Open Air - Schlotheim

01.09.2022 | 22:26

11.08.2022, Flugplatz Obermehler

Beim Neustart brettert das Extremfestival mit Urgesteinen wie CANNIBAL CORPSE, MAYHEM und DISMEMBER gefühlt mehr denn je vorwärts – präsentiert von POWERMETAL.de.

Endlich, endlich! Endlich ist das "Party.San Metal Open Air" nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wieder zurück! Unser Lieblingsfestival hat sich mit seinem neuen Ableger "Herbstoffensive", der trotz Pandemie zweimal stattfinden konnte, anscheinend bestens durch die Zeit gebracht und strotzt geradezu vor Selbstbewusstsein. Endlich wieder den heißen Schlotheimer Asphalt schnuppern, Bands wie ASPHYX, KATATONIA oder BENEDICTION frönen und einen Whiskey im hauseigenen Zeltstand genießen. Was haben wir den täglichen Aufwachschuss von Bühnenkanone Esmiralda vermisst! Nicht zu vergessen die von POWERMETAL.de präsentierte zweite Bühne, deren Bands wie immer zur Autogrammstunde an unserem Stand direkt neben der Hauptbühne vorbeischauen und deshalb ihre eigene Seite bekommen. Unser alljährlicher Festivalfilm wird natürlich auch schnellstmöglich folgen. Also ohne weitere Umschweife rein ins urige Party.San-Vergnügen!
[Carsten Praeg]

Einen Auftakt nach Maß liefern die Schweden BIRDFLESH. Die drei maskierten Herren offerieren heute feinsten Oldschool-Grind, der die Boxen auf der Bühne testet und die sensiblen Gehörgänge durchpustet. Es rumpelt und scheppert und genau so muss das sein. Als echte Grindcore-Band spielt BIRDFLESH in den 45 Minuten Stagetime mehrere Dutzend Songs der 30-jährigen Bandgeschichte. 'Almost Aggressive' und 'Alive Autopsy' stechen besonders brutal heraus, wobei auch 'Flying Rat' und 'Flying Penis' zu gefallen wissen. Ich bin äußerst dankbar, dass keines der beiden letztgenannten mitgebracht wurde. Trotz zwischenzeitlicher technischer Probleme bleibt Zeit, den einen oder anderen Gassenhauer einfach zweimal zu spielen, insbesondere wenn die Songlänge die 10-Sekunden-Marke unterschreitet. Vom inzwischen recht gut gefüllten Platz vor der Bühne gibt es vielleicht noch etwas verhaltene Reaktionen, aber der erste kleine Circlepit setzt sich dann doch in Bewegung. Für eine Grindcore-Show ist es jedoch noch etwas wenig Irrsinn (vielleicht will man das Kamerateam vom MDR nicht verschrecken) oder es sind noch nicht alle Gummitiere und Kostüme ausgepackt. So bleibt nach der Dreiviertelstunde nur zu sagen: Ein gelungener Auftakt, der nicht nur Freude auf mehr macht, sondern auch als optimales Warm-up dient.
[Chris Gaum]

Direkt im Anschluss betreten die Baden-Württemberger REVEL IN FLESH die heiligen Bretter des PSOA. Die Jungs um Ralf "Haubersson" Hauber sind nach der langen Pause dabei anscheinend genauso heiß auf Festivals wie das Publikum: Sie starten gleich mal circa zehn Minuten früher als eigentlich in der Running Order vorgesehen. Dementsprechend leer ist es bei den ersten Tönen auch vor der Bühne, schon beim zweiten Song sieht das aber völlig anders aus. Haubersson gibt sich alle Mühe, die Fans zu animieren und nutzt dafür die ganze ihm auf der Main Stage zur Verfügung stehende Fläche. Als er das Publikum zum Mitgehen auffordert, gibt’s zum Dank auch die ersten Pommesgabeln. In den ersten zwei Reihen ist beim Old-School-Schwedentod von REVEL IN FLESH ordentlich was los, insgesamt ist die Stimmung aber ein wenig verhaltener als vorher bei BIRDFLESH. Hauberssons Mitstreiter zeigen sich spielfreudig, aber auch eine ganze Ecke statischer als der sympathische Frontmann. Der Sound ist durchgehend solide und die Instrumente wirken alle größtenteils harmonisch abgemischt. Bei 'Fortress Of Gloom' wird dann das Eis noch mal ein wenig mehr gebrochen und die Fans gehen trotz der sengenden Mittagshitze ganz ordentlich mit. Nach einer guten dreiviertel Stunde ist REVEL IN FLESH dann am Ende des Sets, auf dem Weg dahin haben wir unter anderem noch 'Deathkult Legions' und 'Deathblow' zu hören bekommen. Insgesamt mit BIRDFLESH ein sehr würdiger Auftakt auf der Mainstage und es darf sich auf ein paar wunderbare Tage Festival bei bestem Wetter und Musik gefreut werden.

Die erste geballte Ladung Black Metal auf der Main Stage bekommen wir von den Portugiesen GAEREA serviert. Die ganze Band erscheint dabei komplett in schwarzer Montur, inklusive der ikonographischen Strumpfmasken, für die die Band bekannt ist. Bei den stetigen Wechseln der Besetzung und den eigentlich aktuell nur zwei aktiven Mitgliedern ist es entsprechend schwer zu sagen, wer da heute hinter dem Mikrofon steht. Der Unterhaltung tut das allerdings keinen Abbruch, insbesondere der Sänger der Portugiesen legt sich ordentlich ins Zeug: Er tanzt, springt und tritt insgesamt äußerst energiegeladen auf. Die Soundkulisse bessert sich im Laufe des Sets zunehmend, leider bleibt die Snare Drum aber insgesamt durchgehend zu laut und penetrant. Vermutlich ist das auch einer der Gründe, warum zu Beginn – trotz des hohen Engagements der Band – relativ wenig im Publikum passiert und eher Kopfnicken als Headbangen zu sehen ist. Mit steigender Tonqualität ändert sich dies aber und die Meute kommt doch noch in Bewegung. Nicht zuletzt zieht das pfeilschnelle Blasting des Drummers den ein oder anderen vor die Bühne. Respekt an die Person an der Schießbude, hier wird sich wirklich amtlich durch das Set geballert. Am Schluss gibt’s noch ein Outro vom Band und GAEREA kommt noch einmal zurück, um sich bei den Fans zu bedanken. Leider trübt zusammenfassend der anfangs anstrengende Sound die eigentlich energiegeladene Show von GAEREA. Sehr schade, denn die Jungs bringen modernen und handwerklich sehr gut gemachten Black Metal auf die Bühne, von dem sich der ein oder andere im Publikum sicher mehr gewünscht hätte.
[Hagen Kempf]

HIGH SPIRITS, die Exoten im diesjährigen Party.San-Billing, setzen am heutigen Nachmittag optisch auf Corporate Identity. In weiße Hosen (!) und schwarze Oberteile gewandet, sorgt die One-Man-Show um Frontmann Chris Black – ergänzt um langjährige Live-Session-Mitglieder – mit ihrem klassischen, softeren Metal-Sound für eine Breitseite in Sachen Spielfreude und guter Laune. Das Publikum hat durchaus Bock auf diese Performance und honoriert Stücke wie 'Full Power', 'Another Night In The City', 'Wanted Dead' und 'Torture' (beide vom 2009er Demo) mit ordentlich Applaus. Nach dem abschließenden 'Thank You' steht fest: HIGH SPIRITS schafft es auch beim zweiten Auftritt auf dem Party.San, das Publikum durchaus mitzureißen.
[Martin Loga]

Als nächstes dürfen dann die Osnabrücker SECRETS OF THE MOON ran. Die Rahmenbedingungen sind dabei für den düsteren Black Metal mit teilweise Doom- und Dark-Rock-Einflüssen nicht unbedingt optimal: Es herrscht immer noch abartige Hitze auf dem Asphalt vor der Mainstage. Außerdem hat der Nachmittag im Sommer es so an sich, dass es eben auch ziemlich hell ist. So richtig passt das leider nicht zu der an manchen Stellen regelrecht hypnotischen Show der Jungs um Sänger Daevas, die immer auch ein wenig an eine Zeremonie erinnert. Das ist schade, denn eigentlich hat SECRETS OF THE MOON für die kurze Zeit eine hervorragende Liste an Hits mitgebracht: Wir hören zu Beginn des Sets 'Seven Bells', bevor es eine ordentliche Portion Raserei mit 'Miasma' um die Ohren gibt. Der Sound ist akzeptabel, zu Beginn sind allerdings die Gitarren etwas zu undeutlich abgemischt. Der Gesang wiederum kommt glasklar rüber, hier wurde gute Arbeit am Mischpult geleistet. Langsam kommt dann auch das Publikum in Fahrt, insgesamt ist die Stimmung aber – auch der Musik geschuldet – eher zurückhaltend. Trotzdem tauchen immer mehr Menschen auf, deren Interesse dann wohl doch geweckt wurde. Es gibt auch ein paar Pyros, die irgendwie verdächtig nahe am Mikrofonständer von Daevas auslösen. Anscheinend wird es ihm dann auch zu heiß, denn mitten im Song wechselt er an einen der anderen Mikroständer, die eigentlich für seine Kollegen gedacht sind. Als Rauswerfer hören wir nach einer emotionalen Ansprache (gewidmet der ehemaligen Bassistin LSK, die leider viel zu früh von uns gegangen ist) das unglaublich atmosphärische 'Queen Among Rats', das schon immer ein Highlight auf SOTM-Shows war. Danach ist die Messe auch schon wieder vorbei. Daevas erinnert uns noch einmal daran, dass SECRETS OF THE MOON dieses Jahr ihre Abschiedstour geben – sehr schade, wie ich finde. Sonst hätte ich an dieser Stelle nämlich geschrieben: Tolle Show, nächstes Jahr aber bitte wieder um 1:00 Uhr nachts, damit die Atmosphäre stimmt. Das werden wir wohl aber in nächster Zukunft nicht mehr erleben.
[Hagen Kempf]

EXHORDER spielt heute nach 2018 zum zweiten Mal auf dem Flugplatz Obermehler. Shouter Kyle Thomas (der weiterhin auch bei der Doom-Legende TROUBLE hinter dem Mikro steht) hat seit einiger Zeit die zweite Gitarre bei EXHORDER übernommen. Und diese Doppelbelastung meistert er mehr als respektabel, wobei natürlich sein Aktionsradius auf der Bühne dadurch eingeschränkt ist. Meist ist er für die Rhythmus-Gitarre zuständig, ab und an steuert er aber auch die Leads bei. Sein Komplize an der Sechssaitigen ist kein geringerer als Produzenten-Guru Waldemar Sorychta (u.a. früheres GRIP INC.-Mitglied), der sich dazu bereit erklärt hat, EXHORDER auf der Tour zu begleiten, da vor kurzem Marzi Montazeri seinen Posten als Gitarrist der Band an den Nagel gehängt hat. Mit knackigen Thrashern der Güteklasse 'Legions Of Death' und 'Slaughter In The Vatican' werden keine Gefangenen gemacht. Die Fan-Reaktionen werden im Verlauf des Gigs immer stärker und ab 'Death In Vain' tut sich ein fetter Circle-Pit auf, der immer größere Ausmaße annimmt. Zum Abschluss wird noch der Klassiker 'Desecration' aufgetischt und fertig ist die Laube. So und in dieser Intensität: unbedingt wiederkommen!
[Martin Loga]

Seit fast zehn Jahren stellt sich mir bereits die Frage, wann DER WEG EINER FREIHEIT endlich mal auf dem Party.San spielt? Natürlich hatten die Veranstalter schon länger ein Auge auf die Würzburger geworfen, der einzige Haken: Würde der "Studenten-Black-Metal", wie ihn Mastermind Nikita selbst augenzwinkernd beschreibt, nach Schlotheim passen oder eine ähnliche Fan-Diskussion auslösen wie einst etwa HEAVEN SHALL BURN? Nun, es passt im positiven Sinne wie die Faust aufs Auge. Schlagzeuglehrer Tobi prügelt präzise auf seine Schießbude ein, während Nikita inbrünstig ins Mikro keift und seiner Gitarre die klirrendsten Töne entlockt. Mit dem neueren 'Morgen' brettert das Quartett los, gefolgt vom Bandklassiker 'Lichtmensch'. Nach anfänglichem, zurückhaltendem Staunen im Publikum recken sich schnell haufenweise Teufelshörnchen in die Luft. Zwischen den Blastattacken ist immer wieder Platz für ruhigere Klänge und da sich so fast jeder Song über mindestens acht Minuten erstreckt, passen gerade mal fünf Titel in die Setlist. Viel zu früh ist dann mit 'Aufbruch' Schicht im Schacht. Selbst auf dem puristischen PSOA kann Schwarzmetall auch ganz ohne Corpsepaint und Nietengürtel bestens funktionieren.
[Carsten Praeg]

Sehr gefreut hatte ich mich bereits im Vorfeld auf ALCEST, tatsächlich habe ich es bisher noch nicht geschafft, die Franzosen um Sänger und Mastermind Stéphane "Neige" Paut live zu sehen. Zur besten Zeit stehen die Jungs nun auf der Bühne und eröffnen direkt mit 'Les Jardins De Minuit (The Midnight Gardens)', dem Opener des aktuellen Langspielers "Spiritual Instincts". Der Song repräsentiert das aktuelle Schaffen von ALCEST recht gut, wir bekommen ein Lehrstück in Sachen Black Gaze serviert. Der Sound ist von Anfang an sehr gut, wird im Laufe des Sets aber noch eine Winzigkeit klarer. Der inzwischen untergegangenen Sonne geschuldet, können sich die Lichttechniker endlich richtig austoben und bieten uns während der gesamten Show eine atmosphärische und würdige optische Untermalung. Das Timing der Lichteffekte ist fast immer perfekt auf die Musik abgestimmt und schon von Beginn an sieht man überall tanzende und kopfschüttelnde Menschen. Winterhalters Drums sind hervorragend abgemischt, die vielen Details in seinem Spiel sind sehr gut herauszuhören. Die Stimmung bleibt während des gesamten Sets gut, ALCEST hat die Setlist dafür aber auch entsprechend geschickt zusammengestellt. Sowohl Post-Black-Metal-inspirierte Stücke als auch eher dem Post Rock zugerechnetes Material wird den geneigten Fans dargeboten. Die Meute nimmt es dankend entgegen, es wird im Takt geklatscht, die Pommesgabel ist überall zu sehen und es fliegen ordentlich Haare durch die Luft. Highlight ist dann 'Kodama' vom gleichnamigen Album, bei dem wirklich alle Qualitäten von ALCEST eindrucksvoll in einem Song demonstriert werden. Viel zu schnell ist die Show der Franzosen vorbei, insgesamt eine beachtliche Demonstration des Könnens von ALCEST.
[Hagen Kempf]

Nach den ruhigen Klängen der vorherigen Band geht es nun mit einem Kontrastprogramm weiter. MAYHEM spielt auf der Hauptbühne und seit dem letzten Auftritt hier vor sieben Jahren sind immerhin zwei neue Platten erschienen. Mit einer kleinen Verspätung geht es schließlich los und sofort rumpelt roher Black Metal über Schlotheim. Eine gesunde Mischung von Songs der letzten drei Alben ballert, während Frontmann Attila im Hexenkostüm über die Bühne wandelt. Während er das letzte Mal von einer Kanzel aus das Publikum anschrie, findet sich dieses Jahr etwas weniger Pathos auf der Bühne wieder. Als Ausgleich dazu gestikuliert er wie ein Wilder zu den Songs. Böse Zungen behaupten, er versuche da oben Holz zu schnitzen. Nach einem kurzen Interludium kommt die Truppe mit Kapuzenumhängen uniformiert zurück auf die Bühne und feuert dem Publikum wortwörtlich 'Freezing Moon' um die Ohren. Die Ankündigung der Party.San-Veranstalter à la "Feuer frei" kommt hier nicht zu kurz. Nach allerlei Klassikern der Bandgeschichte und einem weiteren Zwischenspiel haben die Norweger ihre Kapuzenumhänge abgelegt und führen ihre infernalische Zeremonie fort. Spätestens bei 'Deathcrush' rotiert der letzte Kopf mit und die feierwütige Meute wird in die Neunziger katapultiert. Attila findet einen Schädelknochen und schwingt ihn in seiner eigenen, kauzigen, unheimlichen Art über die Bühne. Wer später anfängt, darf auch früher aufhören und so geht nach 'Pure Fucking Armageddon' ein professioneller Auftritt der Black-Metal-Urgesteine zu Ende.
[Felix Bischoff]

Zum Abschluss des ersten Festivaltags dürfen die US-Todesblei-Routiniers CANNIBAL CORPSE im Folgenden einige Schädel spalten. Mit Gitarrist Erik Rutan als Counterpart von Rob Barret an der zweiten Gitarre kann hier im Prinzip nichts schiefgehen. Und das tut es auch nicht. CANNIBAL CORPSE beeindruckt die Party.Sanen mit messerscharfen Gitarrenwänden und einer musikalischen Intensität, die ich beim letzten PSOA-Auftritt der Band 2015 so nicht verspürt habe. Die Setlist ist mit Klassikern wie 'Fucked With A Knife', 'I Cum Blood' und dem mächtigen 'Devoured By Vermin' gespickt. Zwischendrin streut man die Groove-Dampfwalze 'Evisceration Plague', 'Unleashing The Bloodthirsty' sowie 'The Wretched Spawn' ein. Und bei aller präziser musikalischer Zerstörungswut bringt George Corpsegrinder beispielsweise den einen oder anderen Scherz unter. Nachdem er einige 0,5er-Flaschen Wasser vorne ins Publikum hineinwirft und diese zunächst etwas ungelenk nicht aufgefangen werden, probiert er es erneut. Dieses Mal klappt es, was dem Corpsegrinder eine gespielt euphorische Reaktion abnötig: "Gut gemacht. Und weißt du, was du gewonnen hast?". Es folgt ein derb gegrunztes "Noothiiing!", was für Erheiterung beim Publikum sorgt. 'Hammer Smashed Face' sorgt wie üblich für die euphorischsten Reaktionen. Als CANNIBAL CORPSE das Set mit dem Klassiker 'A Skull Full Of Maggots' beendet, werden die Amis mit viel Applaus in die Nacht entlassen. Fazit: sehenswert!
[Martin Loga]


Hier geht's zur nächsten Seite >>


Und hier geht' zur Fotogalerie >>

Redakteur:
Carsten Praeg

Login

Neu registrieren