Taubertal Festival 2025 - Rothenburg ob der Tauber

28.08.2025 | 13:51

07.08.2025, Taubertal

Auf dem diesjährigen Taubertal-Open-Air spielen Bands wie I PREVAIL, PAPA ROACH und YUNGBLUD.

Samstag:

Auf der großen "Taubertal-Stage" geht es heute los mit BETONTOD. Die Deutsch-Punkrocker aus Nordrhein-Westfalen feiern im Dezember diesen Jahres ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Eine nachgestellte Straßenblockade, inklusive eines auf dem Dach liegenden Polizeiautos, verrät schon die politische Positionierung der Band. Wobei sie natürlich nicht zur Gewalt gegen die Staatsmacht aufrufen aber sich klar gegen Rechts positionieren. Mit ihrer Musik kann BETONTOD das nachmittägliche Publikum offensichtlich überzeugen. Jedenfalls schafft die Band es, die Menge zum Circlepit zu animieren. Viele singen auch begeistert die eingängigen Texte mit. Auf jeden Fall ein gelungener Start in den Festival-Tag durch die auch "Wacken"-erfahrenen Urgesteine. 

(Tobias Müller)

Die erste Band, die ich mir heute anschauen möchte, ist REVNOIR. Die aus Frankreich kommende Metal-Band habe ich erst bei meiner Vorbereitung auf das Taubertal Festival entdeckt, sie hat mich aber sofort überzeugt.

REVNOIR vereint epische Melodien, harte Screams und Gesangsparts, die teilweise in Sprechgesang übergehen. Wir bekommen einen Teil des Soundchecks mit und bereits da kommen die vier Jungs schon sympathisch rüber. Auf der Bühne sind zwei Gitarristen, ein Sänger und ein Schlagzeuger. Einer der Gitarristen spielt später noch Piano, was der Band aber fehlt ist ein Bassist. Das fällt aber kaum auf, denn der Drummer gleicht das ganze eigentlich aus. 

Leider lässt die Anzahl an Zuschauern etwas zu wünschen übrig, die Leute die aber da sind, sind es zu hundert Prozent. Trotz des kleinen Publikums ist der Moshpit ziemlich groß. Der Song 'New World' ist der wohl emotionalste, den die Band heute spielt, und beginnt mit ruhigem Piano. Der Sänger Maxime hat sehr cleane Vocals und erinnert mich vom stimmlichen Niveau fast etwas an Noah Sebastian von BAD OMENS. Live kann die Band absolut mit den Studio-Versionen mithalten und ist rundum spannend anzusehen. Am Ende der Show kann ich sogar noch ein Plektrum ergattern. Mit ihrer Performance hat REVNOIR auf jeden Fall einen neuen Fan dazu gewonnen.

Langjährige Festival-Erfahrung nicht nur, aber auch im Taubertal, hat MADSEN. Als wir von REVNOIR zur Hauptbühne zurückkehren, haben die drei Brüder Madsen, gemeinsam mit Lisa Nicklisch (Keyboard, Gesang) und Martin "Mücke" Krüssel (Gitare) schon begonnen und die Zuschauer mit ihrem Klassiker 'Sirenen' bereits voll im Griff. Bemerkenswert ist die besonders positive Stimmung. Die Band hat offensichtlich Spaß und schafft es, das eins zu eins auf das Publikum zu übertragen. Und wörtlich lässt sich zumindest der Schlagzeuger Sascha Madsen wiederum von der Menge tragen und singt dabei. Mit einem Circlepit nur für Frauen zeigen die deutschen Indie-Rocker nicht nur Flagge gegen Sexismus, sondern mit ihrem Song 'Faust hoch' auch gegen Nazis. Wer MADSEN noch nie live gesehen hat, sollte die Gelegenheit auf jeden Fall mal nutzen. 

(Tobias Müller) 

Aber wir wollen weiter zu HEISSKALT aus Baden-Württemberg, zurück auf die deutlich kleinere "Sounds-For-Nature-Stage". Der Andrang ist sehr groß. Stilistisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Post-Hardcore und Deutsch-Punk und legt auch gleich los wie die Feuerwehr.

Gleich beim ersten Song 'Bürgerliche Herkunft' kann keiner mehr stillhalten und eingefleischte Fans grölen auch gleich mit. Fette Gitarren und viel Bewegung auf der Bühne lassen den Sound der Band live nochmal härter klingen als auf Spotify.

Immer wieder heizt Frontmann Mathias Bloech das Publikum an und lässt sich dann auch mal von der Menge tragen, während er singt. Irgendwann sieht man ihn dann sogar mitten im Moshpit. Spätestens mit dem WIR SIND HELDEN-Cover 'Denkmal' fangen sie auch noch den letzten Zuschauer. Zum Schluss geben sie noch 'Hallo' zum Besten, der, Song dem sie ihren Durchbruch zu verdanken haben. haben.

Die nächste Band stand schon länger auf meiner Möchte-ich-unbedingt-hören-Liste. TEAM SCHEISSE aus Bremen hat erst 2020 ihr Debüt veröffentlicht. Auch sie spielt auf der kleineren Bühne, füllt aber den ganzen Platz.

Ich stehe schon beim Soundcheck ganz vorne und komme aus dem Lachen nicht heraus. Manche Zuschauer checken erst gar nicht, dass da schon die Band selbst auf der Bühne steht und beinahe wie eine Comedy-Truppe auftritt. 

Als der Soundcheck beendet ist fragt einer aus der Band, wann sie denn jetzt anfangen können. "In zehn Minuten, ah gut, dann ciao, wir sind TEAM SCHEISSE, bis zum nächsten Mal!" Darauf ruft die Menge frenetisch: "Zugabe!...".

Nach zehn Minuten kommt die Band wieder auf die Bühne und meint sie spielen ab jetzt nur noch Zugaben. Das zieht sich als Running-Gag durch den Abend. Am Anfang gibt es noch eine sympathische Awareness-Ansage von Sänger Timo Warkus. 

Die Stimmung ist super, als die Deutsch-Punkrocker ihre witzigen, aber doch meistens tiefgründigen Songs wie beispielsweise 'Altbauwohnung' oder 'Raucherpausenvibes' zum Besten geben. Bei ihrem Hit 'Schmetterling' spült der Circlepit dann zwei Fans mit Schmetterlingkostüm vor die Bühne, was zusätzlich für gute Laune sorgt. 

Zwischendurch interagiert die Gitarristin Mello Kanone immer wieder mit einer crowdsurfenden aufblasbaren Schwimmente. Irgendwann landet die Ente auf der Bühne und Mello schrammelt auf ihr liegend ein Gitarrensolo, bevor sie sie wieder in die Menge wirft.

Auch TEAM SCHEISSE hat mit 'Vorratskammer' ein WIR SIND HELDEN Cover im Repertoire. Sehr zu meiner Freude spielt die Band kurz vor Schluss noch meinen Lieblingssong 'Cop Killer' von BODY COUNT. Dieser Auftritt ist auf jeden Fall eines meiner Highlights auf dem Taubertal-Festival! Später treffen wir die Band sogar noch auf dem Festival-Gelände und dürfen noch ein Foto machen.

Da KONTRA K heute als Headliner spielt und ich auch etwas neugierig bin, gehe ich etwas vor Show-Ende von TEAM SCHEISSE. Angekommen bei der "Taubertal-Stage" muss ich dann aber relativ lang warten, denn die Show verzögert sich.

Ich gehe davon aus, dass es ein technisches Problem gibt. Obwohl ich mich nicht wirklich mit dem Künstler beschäftigt habe, kenne ich schon am Anfang zumindest Teile von Songs. Das Publikum, welches sich durchs ganze Tal ausbreitet, feiert, sogar so sehr, dass es gleich ein Lob von Seiten des Künstlers bekommt. Ich sehe den Auftritt nicht ganz, aber sogar ich, die mit Mainstream-Deutschrap nichts anfangen kann, bin überrascht. KONTRA K reißt die Massen mit und die Pyrotechnik und Lichteffekte verleihen dem Ganzen nochmal Nachdruck. Wäre ich nicht im Auftrag von Powermetal.de hier, hätte ich mir die Show auch ganz angeschaut.

So begeben wir uns zur "Sounds-For-Nature-Stage", denn dort spielt THORMESIS, eine Black Metal Band aus Rothenburg. Hier befindet sich wohl jeder, der nichts mit KONTRA K anfangen kann, denn der Platz ist erstaunlich voll.

Ich finde es mega cool, dass der Veranstalter auch lokale Bands unterstützt und ihnen einen Platz auf dem Festival gibt. Die Band ist zwar schon seit 2006 im Geschäft, trotzdem allerdings recht unbekannt. Ich versuche ein Paar Fotos zu machen, das Licht ist allerdings ziemlich spärlich, was auch heißt, dass man die Band-Mitglieder zwar hört, aber nicht wirklich gut sieht. 

Grundsätzlich muss ich sagen, finde ich persönlich, dass THORMESIS eine solide Show abliefert. Mein Fachgebiet ist Black Metal allerdings nicht, denn normalerweise bewege ich mich eher im Bereich Nu-Metal und Metalcore. So finde ich die angekündigte "Ballade" ziemlich gut.

Was uns erst etwa in der Mitte der Show auffällt, ist, dass die Band sowohl Deutsche als auch Englische Texte performt. Spannend ist das auf jeden Fall und ebenso ein guter Abschluss für diesen ereignisreichen Tag.

(Lea Müller)

Text: Lea Müller / Tobias Müller

Photo Credit: Lea Müller

Hier geht es zum Sonntag.

Redakteur:
Lea Müller

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