Samstag Abend war ich bei
Roger Waters in Berlin.

Bevor es zu diesem Bild kam, bekam der Zuschauer eine Achterbahn der Gefühle präsentiert.
Die Show begann pünktlich um 20 Uhr mit einem Video auf dem LED Screen, welches eine Person an einem Strand bei Ebbe zeigte. Wer diese Person war, war nicht zu erkennen, da sie nur von hinten zu sehen war, wie sie auf das Meer blickte. Neben dem Meeres- und Windrauschen gab es auch orientalische Gesänge aus verschiedenen Richtungen zu hören, der brillianten Surround-Anlage sei Dank. Die Hallenbeleuchtung war bereist ausgeschaltet, fiel aber kaum auf, da sehr viele LED Scheinwerfer den Zuschauerraum auisleuchteten. Als "Speak to me" einsetzte, wurde der Himmel des Videos von rechts her rot und auch der Zuschauerraum wurde von rechts nach links in rotes Licht getaucht und steigerte sich in den Song "Breathe". Nach dieser stimmigen Eröffnung ging es weiter mit "One of these Days". Im Vergleich zu den Interpretationen von Gilmour, wo Guy Pratt ja den Basspart spielt, ist diese Version in Sachen Bass sehr zurückhaltend gewesen. Sie klang nahezu wie auf dem Album. Danach folgte "Time" und die Reprise von "Breathe". Bei "The Great Gig in the Sky" konnten die beiden Sängerinnen Jess Wolfe und Holly Laessig von der New Yorker Indie-Band Lucius mit wahnsinnigen Koloraturen glänzen. Nach "Welcome to the Machine" einem meiner Floyd Lieblingssongs, wurde das letzte Album von Waters mit drei Songs gewürdigt.
Es folgte, sehr ungewöhnlich an dieser Stelle, "Wish you were here". Bei Gilmour wäre der Song als Zugabe gekommen. Nach diesem Moment der seligen Feuerzeugromantik, wurde es politisch.
Der "The Wall" Dreierpack, bestehend aus "Happiest Days,,,", "Another Brick in the Wall Part 2 & 3" beendete das erste Set. Für den Chor Part standen 12 Berliner Schülerinnen im Outfit von Guantanamo Häftlingen inklusive Kapuze auf der Bühne. Während des Instrumentalteils entledigten sich de Mädchen des orangenen Overalls und es kamen T-Shirts mit der Aufschrift "Resist" zum Vorschein. Diese Shirts konnte man auch als Merchandise erwerben.
Gegen wen und was man Widerstand leisten sollte, wurde einem in der Pause klargemacht. Auf dem LED Screen wurden während der Pause Namen und Einstellungen eingeblendet: Trump, Neo-Faschismus, Antisemitismus, etc.
Der 2. Teil begann mit den Animals-Songs "Dogs" und "Pigs". Bei letzterem wurde die Trump-Kritik nochmal ordentlich verstärkt. Interessant war auch die visuelle Umsetzung. Es wurden zu Beginn Leinwände runtergelassen, die nahezu die gesamte Länge des Innenraums einnahmen. Auf denen wurde das Albumcover von "Animals" projeziert, inkl. dem fliegenden Schwein.
Es folgten "Money", den Song, der der Tour das Motto gab "Us and Them" und noch den Song "Smell the Roses" aus dem aktuellen Album. Mit "Brain Damage" und "Eclipse" war der offizielle Teil beendet. Waters stellte die Band vor, die wirklich einen sehr guten Job gemacht hat. Danach wurde er nochmal zum "Angry Old Man" und ließ sich über den WDR aus, der sich, neben den anderen ARD Rundfunkanstalten, aus der Medienpartnerschaft zurückgezogen hat. Grund dafür war eine Petition einer Frau, die Waters vorwirft, ein Antisemit zu sein, weil Waters diverse Organisationen unterstützt, die den Palästinensern nahe stehen. Diese Petition hat den WDR Intendanten Tom Buhrow dazu bewogen, die Medienpartnerschaft zu beenden. Der SWR, der BR und der RBB haben nachgezogen. Ob der NDR auch einen Rückzieher gemacht hat, weiß ich nicht.
Nach der Klarstellung von Waters, das er kein Antisemit sei, wurden die Zuschauer mit "Comfortably Numb" in die laue Sommernacht entlassen. Das letzte Bild, war die Szene aus der Eröffnung, nur beobachtete die Person nun Wasser, anstatt wie am Anfang das Watt. Und nun konnte man auch erkennen, das es sich um einen Flüchtling handelte. Ein Kind kam die Düne heraufgeklettert und setzte sich zu seiner Mutter.