Nun, es ist ja Sonntag, versuchen wir uns mal nach längerer Zeit wieder an so einer Liste, ganz ohne Daten und Reihenfolge:

DØDSENGEL "Imperator"
→ Mal psychedelisch, mal ritualistisch, mal beeinflusst von klassischem Heavy Metal, mal von okkultem 60er Rock. Sehr abstrakt. Bei zweieinhalb Stunden Spielzeit ein schwer verdaulicher Brocken für die ganz Harten im Garten. Auf alle Fälle sehr mitreißend und interessant.

HAIL SPIRIT NOIR "Pneuma"
→ Herrlich knochentrockener Black Prog in der Schnittmenge von <CODE>, SIGH und ORANSSI PAZUZU. Klingt manchmal so, als würden die Klanggebilde vor lauter Schräge auseinander bersten und doch überblickt das Genie das Chaos. Toller Klargesang, witzig-spritziger Sound.

JUNIUS "Reports from the Threshold of Death"
→ Den etwas gewagten Vergleich mit NEUROSIS und THE SMITHS mag ich fast schon nachvollziehen können. Gesanglich befinden wir uns durchaus im britischen New Wave der 80er und einige der Songs basieren wie bei den neurotischen Amis auf stumpf-monotonen Tribal-Beats, die von schweren Riffs umgarnt werden. Wenn ich aber einen allgemeinen Vergleich wagen müsste, würde ich eher die neueren Sachen von ANATHEMA und vor allem von KATATONIA nennen wollen. Mit dem Unterschied, dass JUNIUS mir auch Spaß macht und sofort ins Ohr geht, ohne dabei penetrant zu sein.

SIGH "In Somniphobia"
→ So ziemlich das unschwärzeste Album seit "Imaginary Sonicscape", aber das ist bei diesen verrückten Japsen noch lange kein Makel. Ein bisschen zerfahrener und zerstreuter als üblich, aber immer noch toll.

CRIPPLED BLACK PHOENIX "(Mankind) The Crafty Ape"
→ Es fehlt etwas der Fokus von "I, Vigilante", ansonsten bisher ein wirklich schönes Album, an dem ich aber wie an der DØDSENGEL noch eine Weile zu knabbern haben werde. Doppel-Alben halt.

HOPE SANDOVAL & THE WARM INVENTIONS "Through the Devil Softly"
→ Betörend, bezaubernd, beruhigend und ein bisschen verrucht.

LOWLIFE "Diminuendo"
→ Ziemlich genau in der Schnittmenge von THE SMITHS und JOY DIVISION. Zauberhaft, luftig und gleichzeitig erhebend und deprimierend.

DRAGGED INTO SUNLIGHT "Hatred for Mankind"
→ Der Name ist Programm. Die pure schwermetallische Abrissbirne. Kein klares Gesäusel, kein Geschunkel, keine tuntigen Mitsingrefrains. Unverdünnter Metal, mit dem Cpt. Metal dank null Toleranz und ohne Fair Play jeglichem Weichspülradiomist den Garaus macht.

LORD MANTIS "Pervertor"
→ Passt perfekt dazu.
So macht man richtigen Metal, der auch wirklich heavy ist und nicht nur so tut als ob.

DODECAHEDRON "Dodecahedron"
→ Eiskalt und mechanisch. Die Band hat fleißig DEATHSPELL OMEGA und BLUT AUS NORD gehört und deren Klänge miteinander verbunden. Gut, wenn auch noch nicht perfekt.

GLORIA DIABOLI "Gate to Sheol"
→ Technisch und punktgenau eingeprügelt wie die Death-Metal-Alben der Landsmänner, liefern diese Kanadier hier schwer beeindruckenden Orthodoxschwarzstahl für jeden Freund der härteren Klänge.

NIGHTBRINGER "Hierophany of the Open Grave"
→ Schwer atmosphärisch und mit grandioser, eigenwilliger Gitarrenarbeit gesegnet. So macht die Huldigung der schwarzen Mächte Spaß.

MGŁA "With Hearts Toward None"
→ Aus mit noch nicht ganz nachvollziehbaren Gründen ist der Black Metal der Slawen immer noch ein ganzes Stück garstiger und giftiger als jede andere Schwarzwurzelei. Diese Polen arbeiten mit simpelsten Mitteln und verbinden diese zu gewaltiger, rifflastiger Dunkelbraukunst. Blue-Collar-Metal, der nach Höherem strebt.

EXPLOSIONS IN THE SKY "The Earth Is Not a Cold Dead Place"
→ Schnuckeliger, zuckersüßer Post-Rock-Klassiker.

DEAD SHELL OF UNIVERSE "Tamo Gde Pupoljak Vene... Tamo Je Moje Seme"
→ Enigmatisch und faszinierend.