Hach, ohne last.fm lebt es sich doch angenehmer und weniger stressig. Irgendwie macht das Musikhören wieder Spaß. Ich bin frei! Back to nature! Oder zumindest back to CD...

AEBA "Nemesis, Decay of God's Grandeur"
→ Melodisch und riffig. Manchmal braucht es keine progressiven und avantgardistischen Elemente, um mitreißenden Black Metal zu spielen. War auch eine tolle Idee, die Keyboards einzumotten - mal ehrlich, spätestens nach EMPERORs Ableben hätten alle Schwarzwurzler das künstliche Gebimmel aus ihrem Sound werfen sollen. So manches Riff erinnert an Melodeath, einer der Songs enthält ein sauber von SLAYER geklautes Thrash-Break und alles in allem ist die Mucke sehr headbangtauglich. Wer seinen Gitarrensound warm und brutzelnd, seine Riffs schwermetallisch und mit Cojones mag und dagegen von labrig gegniedeltem Plastikpomp aus Italien bestenfalls eitrigen Ausschlag bekommt, wird hier gut bedient. In der Einfachheit wurden hier die Stärken der Band gebündelt und auf ein Ziel fokussiert - den dunklen Fürsten der Finsternis mit Stolz zu erfüllen. So nennt sich mein Nachbar der Elektriker, weil bei seiner schlampigen Arbeit immer meine Glühbirnen draufgehen. Andererseits hört er KNORKATOR und RAMMSTEIN und keinen Black Metal... Vielleicht meine ich ja doch einen anderen Finsterfürsten.
Anspieltipp:
'The Hunter and the Hunted One'
JUNIUS "Reports from the Threshold of Death"
→ Trifft mit seinem schlüssigen Stilmix direkt ins Herz. Progressiver als der durchschnittliche Alternative Rock, aber kein Prog. Poppig und eingängig, aber weit entfernt von Pop. Raumfüllend, einnehmend, schwermütig, schwelgend - und doch schieben sich heavy Riffwalzen ins Klangbild, wenn's darauf ankommt. Hat der Herr Kubaschk fein ausgesucht. Wo wir schwermetalltechnisch eher selten auf einen gemeinsamen Nenner kommen, erfreuen wir uns beide doch gern an solch von Raben gefürchtetem Genöle und Gejammer. Wo im Periodensystem stehen die corvidophoben Nichtmetalle?
Anspieltipp:
'A Universe Without Stars'
DØDSENGEL "Imperator"
→ Man kann sich an so viel Musik die Zähne ausbeißen. Mittlerweile würde ich doch einige vereinzelte Momente als "Staubsauger"-BM bezeichnen, aber große Teile erinnern mich viel eher an eine schwarzmetallische Version von ESOTERIC. Hier wird Atmosphäre recht groß geschrieben. Auch der abwechslungsreiche Gesang kann sich wirklich hören lassen, manchmal beschwört der Sänger glatt Attila Csihar, an anderen Stellen gibt er sogar den King Diamond. Sogar die Zwischenspiele machen Spaß, wo gibt's denn so was? Möglicherweise ist die Musik ja doch ein kleines bisschen eikischer als ursprünglich gedacht. Auf jeden Fall ist das Album im Direktvergleich mit dem trven Vorgänger "Mirium Occultum" ambitionierter - was bei zweieinhalb Stunden Spielzeit ja auch sein möchte. Sicherlich etwas untypischer für Black Metal sensu stricto, aber nichtsdestotrotz in seiner zeremoniellen Düsterritualästhetik (Zungenbrecher!) durch und durch schwarz.
Anspieltipps:
'Hymn to Pan' und
'Holy Metamorphosis'
SEKTEMTUM "Aut Caesar Aut Nihil"
→ Schwarzstahl mit herrlich krustigem Gitarrensound und einer seltsamen Melange aus französischer Avantgarde und norwegisch-simplizistischer Eingängigkeit.
Anspieltipp:
'The Average the Ordinary'
THE SOUND "Jeopardy"
→ Für alle, die mit einer Spaßdivision von Chamäleons gerne Bauhäuser mauern. Lässiger und britischer geht es kaum. Stellenweise noch etwas punkig ohne Briefträger, was die Sache angenehm auflockert. Gefällt. Trifft genau meinen nichtmetallischen Nerv.
Anspieltipp:
'I Can't Escape Myself'
HAIL SPIRIT NOIR "Pneuma"
→ Nachdem die Zukunft von CODE ungewiss bleibt, lindert das hier den Schmerz. Da ich ja bereits erfolgreich ein paar Leute hiermit angesteckt habe, braucht es wohl keine Beschreibung mehr
Für alle anderen gibt es Mastercar-ähm... den Anspieltipp:
'Let Your Devil Come Inside'
MAUDLIN OF THE WELL "Part the Second"
→ Progressive Rock? Psychedelic Rock? Post-Rock? Überhaupt Rock? Eher Hose? Keine Ahnung. Nach 3 Jahren bin ich immer noch nicht so ganz schlau daraus geworden, weil es nicht einmal annähernd wie eines der Vorgängeralben klingt und auch nur wenig Ähnlichkeit mit der Nachfolgeband KAYO DOT aufweist. Trotzdem eine interessante Erfahrung für alle Freunde experimenteller Klänge.
Anspieltipp:
'Rose Quartz Turning to Glass'
SHE KEEPS BEES "Dig On"
→ Lo-Fi Düster-Country/Blues Rock. Schnörkellos, staubtrocken, mit heiserer Rockröhre statt zart hauchender Säuselfee.
Anspieltipp:
'Vulture'
FOETUS "Hide"
→ Irre Achterbahnfahrt zwischen Filmsoundtrack, Knarz-Blues, 60s Pop, Western, Industrial und Klassik. Der neu entdeckte symphonische Bombast wird vergleichsweise sparsam, dafür umso effektiver eingesetzt - tuntige italienische Drachentöter und peinliche norwegische Orchester-Clowns könnten hiervon noch viel lernen...
Anspieltipp bei einem Album, wo quasi jeder Song zu einem anderen Genre gehört? Schwierig. Zudem spuckt Youtube eher wenig aus:
'The Ballad of Sysyphus T. Jones' erinnert noch am ehesten an den typischen post-punkigen FOETUS-Style, das sphärische
'Here Comes the Rain' ist auch ganz hübschig.