von Eike » Sonntag 2. Mai 2010, 00:43
Ich habe mich mal durch die beiden MySpace-Seiten gehört, und stelle fest: Das klingt stellenweise wirklich ganz nett.
Wobei ich den abgeleckt-aufgeräumten Bombast mitunter schon etwas zu bunt und süßlich, ja bisweilen fast schon hibbelig fröhlich finde (z. B. bei 'Stasis'). Das passt irgendwie nicht zum bedeungsschwanger intonierten Sprechgesang. Überhaupt finde ich das insgesamt etwas glatt inszeniert. Das wirkt dann eher wie Theater auf mich, weniger wie tatsächlich durchlebte Gefühle, und dementsprechend nicht so tiefgehend. Dieser Filmabspannmusikeinschlag eben, ich verbinde das eher mit Ende gut, alles gut.
'Laceration' baut dennoch eine gewisse Atmosphäre auf, das behagt mir dann schon eher. Dürfte aber ruhig noch etwas psychotischer klingen. Den ruhigeren Ansatz von 'Charis' finde ich auch gut, aber die säuselnden Streicherharmonien sind mir da schon fast wieder zu süßlich in ihrer ergebenen Melancholie-Seligkeit. 'Au trefonds des tenebres' gefällt mir trotz der leicht klischee-elfenhaft ätherischen Sängerin recht gut, 'Melpomene' finde ich in dieser Tonlage mit am ausgewogensten, das latent abgründige 'A Staggering Moon' gar noch besser, und 'The Newborn Sailor' würde ich wohl als ganz fantastisch beurteilen, wenn ich sowas nicht schon fast deckungsgleich, dabei aber noch deutlich besser bereits bei DEAD CAN DANCE gehört hätte.
Das liest sich jetzt vielleicht negativer als es gemeint ist. Doch irgendwie hat ELEND was. Ich würde diese Musik gerne gut finden und könnte mir auch vorstellen, dass sie an einem anderen Tag vielleicht eher an mich geht. Allerdings allein auf diese schwebenden Sounds gestützt sicherlich nicht auf Albumlänge. Das kitschige 'Worn Out With Dreams' habe ich geskippt. Ich mag es nicht so dick und butterweich aufgetragen. Welches ist denn das düsterste, beschädigst klingende, unglamouröseste ELEND-Album, falls es so etwas gibt? Ich glaube, mit dem sollte ich anfangen, wenn es überhaupt etwas werden soll. Eines, auf dem ein Stück wie 'A Staggering Moon' den tröstlichen aber letztlich trügerischen Hoffnungsschimmer darstellt, würde ich mir wünschen; eines, das unterschwellig richtung Hysterie tendiert, so wie 'Je reassemblais tes membres', aber halt nicht ganz so gekünstelt-distanziert und melodramatisch überhöht, sondern auf eine unmittelbarere Weise noch tiefer in Mark und Bein gehend. Gibt`s das, oder habe ich da gänzlich übertriebene/falsche Erwartungen?
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)