20.
PORTISHEAD "Dummy" Trip Hop
Die vielleicht "luxuriöseste" PORTISHEAD-Scheibe ist "Dummy". Man kann sich einfach fallen lassen in ihre dahingetupften Beats und sanften Samples. Und doch ist da etwas, das durch den samtenen Klang hier und da piekst, ein untergründiges Rumoren, etwas das hinauswill und drängt. Beth Gibbons Stimme ist wieder einmal über jegliche Zweifel erhaben, nuanciert und gefühlvoll und das Kopfkino zum Laufen bringend in Verbindung mit diesen luxuriösen Beats: Nehmen wir doch zum Einstieg mal '
Mysterons' und '
Wandering Star'. Allerfeinster Trip Hop! (Bristol, Bristol über alles, über alles in der Welt.)
19.
COWBOY JUNKIES "Open" Folk-Rock / Psychedelic Rock
"Open" - die
vielgerühmte. Ich muss das hier nicht alles wiederholen... Lauscht einfach mal '
Dragging Hooks (River Song Trilogy: Part III)' ('Dark Hole Again' finde ich leider nicht) und '
I'm So Open'. "Open" ist das wohl untypischste Werk der COWBOY JUNKIES. Gut (mindestens das) sind aber alle Alben, die mir bisher von ihnen unterkamen. Manch einem mag es vielleicht helfen, dass ich hier darauf hinweise, dass es sich bei den COWBOY JUNKIES um Kanadier handelt...
18.
LOS LOBOS "Kiko" Roots Rock
Recht untypisch für die Band LOS LOBOS dürfte ihr Album "Kiko" sein. Jedenfalls ist es äußerst abwechslungsreich. Leichter Rock mit verspielten Folkeinflüssen ('
Dream In Blue') geht über in schwereren und angebluesten mit dezenter Blechbläserunterstützung ('Wake Up Dolores'), gefolgt von der reduzierten, verschleppt groovenden Ballade 'Angels With Dirty Faces' ( leider finde ich dazu kein Klangbeispiel

) und dem veritablen Bluesrocker 'That Train Don't Stop Here', bei welchem allerdings auch wieder gewisse Folkuntertöne mitschwingen. Der vielleicht schönste und eigenartigste Song des Albums ist das titelgebende Stück '
Kiko And The Lavender Moon', mit seiner nächtlichen Atmosphäre und den wunderschön eingearbeiteten Akkordeonpassagen von David Hidalgo. Nach dem stärker folkloristisch eingefärbten '
Saint Behind The Glass' und dem teilakustisch rockenden 'Reva's House' folgt eine weitere schöne Ballade namens '
When The Circus Comes To Town'. Über nahezu allen Songs schwebt diese wunderschöne Stimme, die alles besänftigt und doch voller Melancholie ist. In ähnlicher Stimmung ist das Instrumentalstück 'Arizona Skies' gehalten, bevor mit '
Short Side Of Nothing' ein recht simpler, schwofiger Song folgt, den man einfach mal in die Erwachsenen-Rotation sämtlicher Pop-Radios einschmuggeln sollte, um auf LOS LOBOS aufmerksam zu machen. Auch die folkloristisch untermalte Ballade 'Two Janes' könnte krankenden Radioprogrammen nur gut tun. Vielleicht passt das nicht unbedingt ins zeitgenössische Terrain, das die Dritten zu beackern haben. Aber man müsste ja auch die Hörer der Vierten nicht immer nur auf dem Abstellgleis für diversen Schlagerschnulzscheiß, miserabel eingedeutschte Oldies oder das tausendste Album von James Last verrotten lassen. Aber das sind bloß utopische Weltverbesserungsphantasien. Weiter mit "Kiko": Relativ simpel, aber stimmungsvoll ist das leicht psychedelisch vor sich hin tröpfelnde 'Wicked Rain', wieder rockiger der leichtfüßige Groover 'Whiskey Trail'. Einen klavierbegleiteten Blues gibt es mit 'Just A Man' zu hören. 'Peace' erinnert mich etwas an das erste LENNY KRAVITZ-Album. Und dann klingt "Kiko" mit dem spanischen 'Rio De Tenampa' schwungvoll-schwofig aus. Herrlich!
17.
GOLDFRAPP "Felt Mountain" Dream Pop / Schrägie Pop
Noch ein luxuriöses Musikwerk: "Felt Mountain" ist ein absolutes Ausnahmealbum. GOLDFRAPP lässt sich schwerlich als One Hit Wonder bezeichnen, und doch kommt kein anderes GOLDFRAPP-Album an diesen Erstling heran. "Black Cherry" und "Supernature" waren irgendwie Dance, "Seventh Tree" war irgendwie Folk, beide Stile irgendwie unrein und anders und nicht uninteressant, aber eben längst nicht so gut wie "Felt Mountain", das in jeder Hinsicht anders war. Es klingt wie ein Soundtrack zu einem niemals gedrehten Film, einem Film der Stummfilm-Ära, aber in Farbe, völlig anachronistisch, völlig zeitlos, paralleluniversal. '
Paper Bag' und '
Utopia' dürften am zugänglichsten sein, die übrigen Stücke entdeckt man am besten im Albumkontext. Was mir aber nach wie vor immer noch nicht ganz klar ist: Haben wir es hier mit einem gefühlten Berg oder mit einem Berg aus Filz zu tun? Schräg!
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Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)