Hach, was für ein Tag, an dem ich der Post fast alles verzeihe.
Erst ziehen sie mich aus der Dusche, dann stehen direkt drei Leute vor der Tür, mit Anzulernender nebst Kind, ich im Bademantel mit Turban. Dann sagt man mir, ich müsse 22,- Euro Einfuhrabgaben bezahlen, obwohl mir die Discogs schon belastet hatte, als Vorabzollservice. Kartenzahlung wird abgelehnt, mein Hunderter auch, weil man kein Wechselgeld mitführen dürfe. Moment... Man bietet keine Kartenzahlung an, kann aber auch kein Geld wechseln? Was ist da los? Ich rufe meinen Neffen an, der im Haus wohnt, der leiht mir 25,- Euro. Auch die kann man nicht wechseln... dann halt zusätzlich zum doppelt bezahlten Einfuhrentgelt auch noch 3,- Euro unfreiwilliges Trinkgeld. Ich muss mal nachfragen, was da los ist.
Aber egal. Egal welche Unbill mir die gelbe Wonne zugefügt, ich mag mich dessen erfreuen, was gebracht wurde. Ein Paket aus Kanada beendet hier und heute meine 27 Jahre währende Odyssee auf der Suche nach dem durch eigene Dummheit verlorenen, da weggetauschten, Kleinodiums, das Kernstück meiner Sammlung war und nun auch wieder ist. 1993 gekauft, 1996 gegen die "Overnight Sensation" von Motörhead eingetauscht, weil ich inzwischen auch den Digipak-Rerelease hatte und in meiner grenzenlosen Beschränktheit meinte, dass eine einzige Version eines Albums ausreichend sei, und die Neuauflage naturgemäß die bessere sein müsste. Bereits Tage später habe ich es bereut. Über ein Vierteljahrhundert lang. Zum Trost habe ich mir sogar einen gebrannten Ersatz gebastelt, der gar nicht schlecht aussah, aber wann immer ich ein Album der Band aus dem Regal zog, schmerzte das Sammlerherz ob der begangenen Dummheit.
Nun endet diese Reise mit einem Erfolg. Der nun beschaffte Ersatz ist wirklich exakt identisch mit dem verlorenen Schatz. Sogar die Druckstellen am Artwork und die Farbflecken des unsauberen Aufrucks der CD sind identisch mit der Version, die ich in den frühen Neunzigern erworben hatte. Bis ins Detail, und ich kann mich an jedes Detail erinnern. Das Ding ist eine Rarität und heute sehr teuer gehandelt, aber mir ging es nie um den Marktwert der CD, oder darum, eine besondere Rarität zu besitzen, sondern allein darum, diese Scharte in der Sammlerbiographie auszuwetzen, wegen ein paar Kröten etwas freiwillig weggeben zu haben, was mir schon damals lieb und teuer war, und nicht erkannt zu haben, wie schwierig es sein kann, eine alte, seltene Pressung wieder zu bekommen.


alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38