Nein, das ist nicht der Name meines schlicht als "Winterwichteln 2010" betitelten Samplers, aber er sollte es sein. Tatsächlich hat sich mein Wichtel meinen nur zu 98% ernst gemeinten Kommentar zum Thema Power und Heavy Metal sehr zu Herzen genommen und fast durchgehend Black Metal auf die CDs gepackt. Ich will sicher nicht undankbar erscheinen, aber über ein bisschen mehr Abwechslung hätte ich mich auch gefreut. Ein wenig Prog oder Thrash oder Pop oder sogar Hip Hop hätte die Sache sicherlich aufgelockert.
Man mag es kaum glauben, aber ich bin ein nur halb so furchtbarer Mensch, wie es hier manchmal den Anschein hat. Tatsächlich sitze ich nicht nur grübelnd im Dunkeln mit dauerhaft heruntergezogenen Mundwinkeln und höre Black Metal 24/7 und auch gehe ich nicht kopfüber schlafen, während ich dabei noch meine Nagelarmstulpen trage. Ich habe nämlich keine Nagelarmstulpen. Auch hat der Reinigungsdienst mein mit Ziegenblut auf den Boden gezeichnetes Pentagram wieder entfernen können. Wäre auch schade um den Teppich. Leider haben sie den nervigen Kaffeefleck vor der Küche übersehen.
Wie dem auch sei, zurück zum Thema Abwechslung. Variety is the spice of life, wie der Angelsachse sagt. Deswegen steht auch auf meiner kleinen Liste von Dingen, die ich unbedingt noch im Leben tun muss gleich an dritter Stelle "Sex mit 'ner heißen Schwarzen". Gleich unter Punkt 2 "Sex mit 'ner heißen Asiatin [abgehakt]" und Punkt 1 "90% der Weltbevölkerung auslöschen bis auf die heißen Asia- und Schokobräute [in Arbeit]". Wenn's interessiert, die Punkte 4 und 5 sind "Ein besseres Verhältnis zu meinem Vater aufbauen" und "An meinen psychischen Problemen arbeiten".
Das ging schon wieder in eine Richtung, in die ich gar nicht wollte... jedenfalls reagiere ich nicht wie die böse Hexe des Westens auf einen oder zwei nichtschwarzmetallische oder gar traditionelle Songs in so einem Sampler und tatsächlich habe ich davon schon einige überlebt, m'kay. Anyway, fangen wir mal an:
1. Düsternis macht sich breit, mantrisch-wiederholend, gar hypnotisch schlagen die Trommeln, werden schneller, schneller und -bämm- rockiges Riff und fies gekrächztes Deutschtum auf hoher See. GEÏST laufen aus auf ihrer 'Galeere', hinaus dem Hafen. Wohin geht die Reise, Cypher D. Rex? Ins Ungewisse natürlich. Es gibt kein Ziel - einzig die Verdammnis, der eisige Tod oder Davie Jones Locker erwarten uns. Die Reise um der Reise Willen ohne Aussicht auf Wiederkehr. Natürlich ein starker und abwechslungsreich geschriebener Song.
"Und um uns nur das Meer, ohne Ende, ohne Grund:
Brennende Galeere auf dem Spiegel alter Welten."
Wenn AHAB Nautikal Funeral Doom spielen, so zock(t)en GEÏST das schwarzmetallische Gegenstück.
2. Trym, Ihsahn, Samoth, ihr hier? Hey, wie geht's euch? Lang nichts mehr von euch gehört. Aber das ist okay, denn mein Wichtel hat ja 'Nonus Aequilibrium' auf die CD gepackt. Mir fällt gerade auf, von wem CODE inspiriert worden waren. Die letzten beiden EMPEROR waren ja doch um einiges technischer und abgedrehter als es der BM damals erlaubte.
3. Das habe ich ja schon Jahre nicht mehr gehört. Mondanbetungsrituale auf gotischen Friedhöfen, eine Messe gehalten von Reverend Kehlkopfkarzinom himself, Dani Filth. Die "Cruelty and the Beast" gehörte mit zu den ersten BM-Platten, die ich gehört hatte. Wann war das, so 1998? Heutzutage kaum zu glauben, aber CRADLE OF FILTH waren mal gar nicht schlecht. Auch schon lange her. 'Beneath the Howling Moon' gibt's Orgien mit sexy Vampirinnen.
4. Zu EISREGEN hätte ich wieder so einen Schwank aus meiner notgeilen Jugend zu erzählen, weil ich damals entweder ziemlich auf Gotinnen fixiert war oder durch meinen Musikgeschmack ganz einfach in deren sozialem Umfeld abhing. Möglicherweise auch eine Kombination von beidem. Aber ich verzichte mal auf die schmutzigen Details. Damals gab es jedenfalls häufig eisigen Regen zu hören und auch das war sicherlich darunter. Müsste von einer der indizierten Scheiben stammen. Ach, das gilt ja mittlerweile für fast alle, also wäre das sogar eine sichere Wette.
5. Headbanging heavy fun from the northern north of the icy north of the grim and icy north winds. Of the north. Abbath hat auch ein recht beschränktes Vokabular. Die MANOWAR des Black Metal (minus the boooring) walzen mit 'Tyrants' aus meinen Lautsprechern, hoch zu Ross, mit Rüstungen aus Stahl. Auf Feldzug, um Mittele-ähm Asga-nein, Scheibenwe-auch nicht... um Blashyrkh zu erobern. Warum müssen diese generischen Fantasyländer so komplizierte Namen haben? Und das auch noch um 5 Uhr morgens. Meine Nachbarn sind hoffentlich IMMORTAL-Fans. Ausgehend von den Geräuschen, die sie häufig abends von sich lassen, könnten sie möglicherweise in einer Metal-Band spielen. Er grunzt rhythmisch und sie schreit im Sopran "Jaaah! Jaaaaaaaah! JAAAHAAAAA!". Das müssen wohl Bandproben sein.
6. Von Norwegen nach Schweden, vom epischen Midtempo hin zu melodischen ICE-Zügen. Aaah, traumhaftes Solo. Und die Riffs. DISSECTION geben auf 'Unhallowed' ihr Bestes. Wirklich, Wichtel, meinst Du, ich höre nur solche Sachen oder war der Sampler bereits vor der Zulosung fertig und Du wolltest damit einfach nur Frank oder Frozen einen Herzinfarkt bescheren?

7. Hätte mir Peter nicht gestern die neue AGRYPNIE in die Hand gedrückt, so hätte ich heute raten müssen. Klingt natürlich schon irgendwo vertraut, aber ob ich auch so ohne weiteres auf die Band um den Unhold gekommen wäre? Dank meiner Neugier weiß ich nun, dass es sich hier um 'Brücke aus Glas' von der neuen Scheibe mit dem dämlichen numerischen Namen handelt. "[69]0815" oder so ähnlich. Gutes Stück. Die Kritik der Redaktion am Gesang kann ich aber nun nicht mehr nachvollziehen, denn er ist um einiges gemäßigter und weicher abgemischt als auf den Vorgängeralben. BM-Standard-Gekrächze, das seine Arbeit ohne großes Aufsehen macht.
8. Überraschung, ich erkenne etwas nicht! Obwohl es sehr vertraut klingt. Allseits bekannte Zutaten wie Tremolopicking, Blastbeats und fieses, außerordentlich unverständliches Kreischen. Kommt mir aber sehr bekannt vor, dieser Song. Norwegen oder Schweden, Ende der 90er. Würde mich nicht wundern, wenn das was Bekanntes ist und bei mir nur einfach die Schublade nicht aufgehen will.
9. Ein älteres Stück von DARK FORTRESS. Entweder von "Eidolon" oder "Séance". Gut gemachte Hausmannkost mit ordentlich viel Speck und Kartoffeln. Macht satt und verzichtet auf Extravaganzen.
10. Das hier beginnt ein bisschen wie ARCTURUS mit seinen zirkusartigen Keys und dem technisch angehauchten Start-Stopp-Riffing. Dann wird's grooviger und knallt um einiges geradliniger aus den Boxen. Auch gute alte skandinavische Schule. Text könnte sogar Norwegisch oder Schwedisch sein, aber ehrlich gesagt würde es auch nicht auffallen, wenn's Kisuaheli wäre. Der klare Gesang gegen Ende und die sehr eigenwilligen Keyboards lassen mich an BORKNAGAR denken. So richtig zuordnen kann ich das nicht. Klingt nicht übel.
11. Everbody's psycho darling Kvarforth lädt zum Tanz. Der groovige Post-Punk-BM mit dem besoffenen alten Seebären, der TOM WAITS zu vergewaltigen scheint, bohrt tief in den Knochen. Das spanisch inspirierte Akustikgeplänkel gegen Ende ist ziemlich cool, war mir vorher nicht so stark aufgefallen. Also lasst uns verleugnen den morgigen Tag zu den Klängen von 'Neka morgondagen'.
Später mehr. Und nun Kaffee machen. Kaffeeeeeee! Nektar der Börsenmakler! Das einzige schwarze Gold aus Arabien, welches man den Turbanträgern wegnehmen und nach Südamerika outsourcen kann, um es von verarmten Mestizos und versklavten Afro-Brasilianern pflücken zu lassen. Und mit dem Gedanken an sich bückende und verschwitzte heiße Afro-Brasilianerinnen schlage ich einen Bogen zu einem der obigen Absätze und gehe jetzt Wasser aufsetzen. G'day, ladies and gentlemen.

Nur, wer könnte das gewesen sein? Ich tippe auf Chavo, Frozen oder Konstorten.
