IOTUNN - Waves Over Copenhell
Mehr über Iotunn
- Genre:
- Progressive Metal
- Label:
- Metal Blade Records
- Release:
- 09.01.2026
- Waves Below
- The Tower of Cosmic Nihility
- Access All Worlds
- Mistland
- Voyage of the Garganey I
Ein Testament ihrer gewaltigen Musikalität. Live vom "Copenhell"-Festival.
Ich werde einfach nicht müde zu betonen, das IOTUNN aktuell einfach eine der interessantesten "neuen" Bands der letzte Jahre ist. Das Debüt "Access All Worlds" hat mich vor einigen Jahren völlig in die Stratosphäre geschossen und war so ein Dauerbrenner, der seitdem auch nichts, aber auch gar nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Nachfolger "Kinship" von 2024 ist dann nichts weiter als eine weitere Machtdemonstration der unglaublichen Musikalität der Gräs-Brüder gewesen, die keinerlei Wünsche offen gelassen hat. Oder doch? Fehlt da nicht noch etwas im Arsenal der Band? Und als hätte man es beschworen, steht mit "Waves Over Copenhell" Anfang 2026 das erste Livealbum ins Haus.
Dabei handelt es sich um den Gig von IOTUNN auf dem titelgebenden "Copenhell"-Festival von 2023. Da ich die Band ein paar Monate später auf dem "Summer Breeze"-Festival mit der identischen Setlist sehen konnte, erweist sich "Waves Over Copenhell" als eine neue, gleichzeitig aber auch wunderbare Rückschau an genau diese Show. Dazu beitragend ist auch, dass der Sound herrlich "raw" und ungeschliffen daherkommt. Ich verstehe da oft den Hintergrund, ein perfektes Produkt auf die Fans loszulassen, das geht aber meist zu Ungunsten der Live-Energie, von der wir alle doch irgendwie bedingungslos zehren wollen.
Diese Tretmine umschifft IOTUNN schon mal galant. Die Aufnahme transportiert mich direkt zurück in die erste Reihe der Show und ich sehe Jón Aldará mit seinem Umhang und dem mit der übergroßen Taschenlampe bestückten Mikrofon. Los geht es mit dem anderen titelgebenden Song, 'Waves Below' mit seinen schlappen zwölf Minuten, was aber auch direkt ordentlich Spaß macht. Es ist eh irre, wie jedes Bandmitglied hier performt. Egal, wenn sich Jesper und Jens Nicolai die wildesten Gitarrenabfahrten um die Hörmuscheln schießen, Bjørn Wind Andersen hinter der Schießbude das Blech bearbeitet oder Eskil Rask nicht minder technisch zu Werke geht: Das macht einfach Bock, trotz der Komplexität der gebotenen Songs.
Aber immer wieder ist es ein Highlight, wie Jón Aldará gesanglich einfach nur abliefert. Seien es die rauen Passagen von 'Waves Below', die Growls bei 'The Tower of Cosmic Nihility' oder der unfassbar hymnische Titeltrack des Debüts 'Access All Worlds', live gibt es hier kaum Abstriche. Highlight der ganzen Show ist das anno dazumal noch frische 'Mistland', was einfach alles auf den Punkt bringt, was IOTUNN ausmacht und dessen emotionaler Sog mich absolut jedes Mal begeistert. Es passiert in den neun Minuten so viel, dass man es unmöglich verarbeiten kann. Der Ausklang mit 'Voyage of the Gargegney I' beschließt dann den viel zu kurzen Auftritt. Eine "Kritik", die man auch auf dieses erste Livealbum anwenden kann. Ich hätte gerne mehr!
Wer IOTUNN bislang auf Platte gemocht hat, kann mit "Waves Over Copenhell" einen Abstecher zu den Livequalitäten der Jungs aus Dänemark beziehungsweise den Färöer-Inseln unternehmen. Er findet hier ein echtes Livedokument einer der besten Bands, die noch lange nicht die Bekanntheit hat, die sie verdient.
- Redakteur:
- Kevin Hunger


