KREATOR - Krushers Of The World
Mehr über Kreator
- Genre:
- Heavy Metal / Thrash Metal
- ∅-Note:
- 7.00
- Label:
- Nuclear Blast
- Release:
- 16.01.2026
- Seven Serpents
- Satanic Anarchy
- Krushers Of The World
- Tränenpalast
- Barbarian
- Blood Of Our Blood
- Combatants
- Deathscream
- Psychotic Imperator
- Loyal To The Grave
Wo bitte geht es zum Mainstream?
Ich fühle mich erinnert. Es ist sechsundzwanzig Jahre her, dass ich ein KREATOR-Album in den Schacht geschoben habe und dachte, "Huch, was ist das denn?". Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an "Endorama", das vermeintlich hässliche Entlein in der KREATOR-Diskographie, das sich jedoch nach einigen Jahren als starkes, wenn auch vollständig aus der Art geschlagenes Werk der Band entpuppte. Was hatte Mille getan? Nun, einfach etwas Anderes. Und 2026 ist es wieder so weit!
Es ist allerdings nicht so extrem wie damals. Trotzdem, ich bin sicher, die Überraschung werden viele Fans teilen, denn KREATOR geht so melodisch zu Werke wie, ja, wie seit "Endorama" nicht mehr. Fans der Ruhrpott-Thrasher werden, besonders am Anfang von "Krushers Of The World", sehr stark sein müssen. Dabei geht es nach einem verheißungsvollen Intro mit einem Speedteil los, aber sobald es in Richtung Refrain geht, erkennt man, dass sowohl das Riffing als auch die Gesangsmelodie eigentlich gar nicht richtig Thrash ist, sondern im klassischen Heavy Metal bis Power Metal wildert. Spätestens nach dem ersten Refrain hört man es dann deutlich, Mille hat seine sanfte Seite entdeckt! Oder ist es seine kommerzielle?
Wobei natürlich "weich" bei unserem Essener Metalhead immer noch Kanten bedeutet, aber eben keine Thrashspitzen mehr. Wer denkt, nun, da hat er mal einen melodischen Song an den Anfang gestellt, sieht sich bei den drei folgenden Stücken widerlegt: KREATOR hat den Thrash weitgehend verlassen! 'Satanic Anarchy' geht in eine Richtung, die altuell sehr populär ist, aber normalerweise kaum Überschneidungen mit KREATOR hat, der Titelsong unterstreicht das noch und 'Tränenpalast' setzt die Kirsche auf die Metal-Torte. Da hilft auch der Gastauftritt von Britta Görtz nichts, das wirkt eher wie eine Anbiederung an den Mainstream, ist die Dame doch aktuell ziemlich angesagt. KREATOR schlägt in die Kerbe, die WARKINGS, HAMMER KING und ähnliche Bands vorbereitet haben. Dass man jedes Lied schon beim ersten Hören nach einer Minute mitsummen und ab dem zweiten Refrain mitsingen kann, unterstreicht das Ganze.
Nach über siebzehn Minuten erklingt dann in 'Barbarian' erstmals ein lupenreines Thrash-Riffgewitter mit hoher Geschwindigkeit, dem aber wieder ein poppiger Refrain gegenübergestellt wird. Es wird spätestens hier klar, dass Mille und seine Bande das neue Jahr mit einer neuen Ausrichtung beginnen wollen, hin zur Melodie, weg von den typischen Stahlbolzen. Dabei wird die alte Metall-Rüstung zwar nicht abgelegt, jedoch in verschiedenen Anteilen mit bunter Melodie-Seide verhangen wie auch in 'Blood Of Our Blood' und 'Combatants'. Gegen Ende folgen dann mit 'Deathscream' und 'Psychotic Imperator', bei dem ich im Chor immer versucht bin, "Hordes Of Chaos" zu singen, zwei härtere Stücke, die beweisen, dass der alte Stil nicht abgelegt wurde, sondern unterschwellig immer noch brodelt.
Allerdings meint KREATOR diesen Schritt in Richtung Massenkompatibilität und Zeitgeist absolut ernst. 'Loyal To The Grave' würde wirklich perfekt zu oben genannten Kapellen passen, ist im KREATOR-Kontext schon ziemlich grässlich und ist ein Riesenschritt von einem Albumendkracher 'The Ancient Plague', epischen 'Until Our Paths Cross Again' und 'Death Becomes My Light' und selbst dem letzten "epic ender" 'Dying Planet'. Ich warte beim Zuhören darauf, dass die Band ankündigt, auf der nächsten Tour in Kostümen auf der Bühne zu stehen. Was weiß ich, Arminius und seine Barbarentruppe oder so. Damit wäre dann die Metamorphose vollzogen, der aktuell angesagte Stil kopiert und die Anbiederung an den Mainstream vollendet. Der nächste Schritt danach? Ganz klar, Vorband von SABATON.
Ich gehe sicherlich zu hart mit Mille ins Gericht. Vielleicht ist es auch einfach Alterssanftmut seinerseits, aber "Krushers Of The World" ist selbst zu Songs der Marke 'Become Immortal', 'Conquer And Destroy' oder 'Crush The Tyrants' noch ein Riesenschritt weg vom Markenzeichen der Band. Nicht vollständig unverhofft nach "Hate Über Alles", aber trotzdem radikal genug, um mich zu überraschen.
Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, zu meinen, die Scheibe wäre schlecht, bitte auf die Note schauen, denn das wäre schlicht falsch. KREATOR hat eine wirklich gute Metal-Scheibe produziert, nur gegenüber "Gods Of Violence" oder gar älteren Krachern wie 'Enemy Of God' hat man die thrashige Härte gegen klassischen Metal getauscht. Das ist tatsächlich nicht nur an ein paar Stellen zu hören, sondern zieht sich komplett durch das ganze Album. Ob das eine gute Idee ist oder nicht, wird die Zeit zeigen, ich trauere derweil den gewohnten Trademarks meiner alten Thrashhelden hinterher, die sie so einzigartig gemacht haben. Den Rest entscheidet die Metal-Crowd da draußen und ich würde mich nicht wundern, wenn sich "Krushers Of The World" kommerziell als ein Riesenschritt für KREATOR erweisen würde.
- Note:
- 7.00
- Redakteur:
- Frank Jaeger


