KWOON - Odyssey
Mehr über Kwoon
- Genre:
- Rock / Postrock
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- Supersonic Records / BMG Ariola
- Release:
- 21.02.2025
- Leviathan
- King Of Sea
- White Angels
- Life
- Blackstar
- Last Paradise
- Jayne
- Wolves
- Youth
- Fisherman
- Nestadio
- Keep On Dreaming
Das ganz große Gefühlskino in Notenform!
Gleich mal vorab: dieses Album schwankt bei mir zwischen vier und acht Punkten. Das liegt aber nicht daran, dass die Musik nicht gut wäre. Es liegt daran, dass "Odyssey" ein Album für gewisse Stunden ist, dann funktioniert es gut, wenn der Hörer sich darauf einlässt, dann ist es wunderschön. Wenn nicht, fliegt der Silberling schnell und im hohen Bogen aus dem Player. Wie kann das sein?
Die französische Band KWOON ist in der Schnittmenge aus sanftem Rock, Postrock und bombastischen Breitwandsound unterwegs. Das funktioniert hervorragend. Sänger Sandy Lavallart und seine Mannen schwelgen in melancholischen Stücken, romantisch und von zehrender Sehnsucht erfüllt, auch gerne mal am Rande des Kitsch entlang komponiert. Ich kenne die drei Alben, die vor "Odyssey" kamen, nicht, aber ich zweifele an, dass die Band zuvor bereits ein Album geschaffen hat, dass so sehr auf der Melancholie-Klaviatur gespielt hat, wie sie es aktuell tun.
Dabei ist die Stärke des Albums auch seine Schwäche. Jeder Song, angefangen bei dem instrumentalen Opener 'Leviathan' bis zu einem der postrockigsten Stücke namens 'Keep On Dreaming', transportiert die gleichen Gefühlregungen, das Werk klingt wie aus einem Guss. An einem Winterabend vor dem Kamin ist das sicher eindrucksvoll, entspannend und ein Genuss. Wenn man aber nicht in der Stimmung ist, 55 Minuten zu seufzen, wirkt "Odyssey" anstrengend und ein Zwischenspiel wie 'Blackstar' sogar nervend. Ausbrüche gibt es keine, mal etwas mehr Akustikgitarre in 'Fisherman', ein wenig mehr Elektronik in 'Wolves' oder 'Keep On Dreaming' oder verschieden plakativ eingesetzte Streicher. "Odyssey" funktioniert vor allem als Gesamtwerk, das aber in maximaler Opulenz die bombastische Spitze erklimmt, eine Zuckertorte, über der Lage um Lage süßer Klebrigkeit geschichtet wurde.
KWOON ist ein tolles Album gelungen - für die richtige Situation. Seine Monodimensionalität macht es stark, aber eben auch nicht allgemeinverträglich. Das sollte man wissen, wenn man zugreift und sich diese Mischung aus den ruhigen Passagen von ALCEST, elektroreduzierten ARCHIVE und Hans-Zimmer-Bombast ins Regal stellt. Man muss sich Zeit nehmen zum Genießen und auf KWOON einlassen. Sonst fliegt die CD nämlich... aber das sagte ich bereits. Und natürlich gibt es die hohe Note für die Kunst, die uns die Franzosen kredenzen. Dass ich das nicht dauernd konsumieren kann, ist den Musikern kaum zur Last zu legen.
Youth
https://www.youtube.com/watch?v=DICdkKmy2Ug
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Frank Jaeger