LONG DISTANCE CALLING - The Phantom Void
Mehr über Long Distance Calling
- Genre:
- Progressive Metal / PRogressive Rock / Instrumental
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- EarMusic / Edel
- Release:
- 10.04.2026
- Mare
- The Spiral
- A Secret Place
- Nocturnal
- Phantom Void
- Shattered
- Sinister Companion
Gewohnt hohe Qualität zum Bandjubiläum.
Kaum zu glauben, dass es LONG DISTANCE CALLING bereits seit 20 Jahren gibt. Natürlich darf passend zum Jubiläum neben dem Livealbum "Live At Lichtburg" auch neue Musik nicht fehlen. "The Phantom Void" heißt der insgesamt neunte Studio-Longplayer der Westfalen.
Anders als auf den vorherigen beiden Alben "How Do We Want Live?" und "Eraser", die sich mit künstlicher Intelligenz bzw. dem Aussterben von Tierarten befassen, besitzt "The Phantom Void" kein gesellschaftspolitisches Thema als Überbau. Die Platte ist eher cineastisch gedacht und an Geister- und Horrorgeschichten orientiert, wie auch die als Kurzfilm zusammengehörenden drei Vorab-Singles zeigen.
Dementsprechend baut 'Mare' als eine Art langes Intro eine enorme Spannung auf, die schließlich in 'The Spiral' unerwartet aufgelöst wird. Statt instrumentaler Wucht erklingt irritierendes, leicht wirres Gitarrenspiel. Dieses geht mit der Zeit in einen tollen Groove über, der von härteren flirrenden Gitarren getragen wird. Obwohl die Erwartung nach dem spannungsgeladenen Intro eine andere war, fallen die Zuhörer durch 'The Spiral' direkt in die großartige Welt von LONG DISTANCE CALLING.
Nach einem kleinen Drumeinstieg und verträumter Melodieführung bildet das anschließende 'A Secret Place' durch einen Spoken-Word-Anteil zunächst einen Kontrast zum vorherigen Track. Doch letztlich wird dasselbe Muster wie bei 'The Spiral' bedient: Mit flirrenden Gitarren wird der Härtegrad angezogen. Es ist schon ungewöhnlich, dass die progressive Gruppe zweimal hinterinander dasselbe Stilmittel nutzt. Glücklicherweise schlägt 'Nocturnal' von Beginn an eine andere Richtung ein. Post Metal trifft auf typische LONG-DISTANCE-CALLING-Melodieführung, die von Double-Bass-Drum-Einschüben vorangetrieben wird. Wie aus dem Nichts tauchen Synthieklänge auf, die im ruhigen Part ein geisterhaftes Ambiente verstreuen. An dieser Stelle wechseln sich Post-Rock- und Shoegaze-Klänge ab, bevor der Post Metal wieder die Führung übernimmt.
Der Titeltrack 'Phantom Void' strahlt zunächst abermals Ruhe aus. Doch diese ist trügerisch. Der Song treibt das Spiel der bisherigen Tracks von laut und leise, von kraftvoll und sanftmüig sowie von Vollgas und Stillstand auf die Spitze. Trotz aller Komplexität lässt LONG DISTANCE CALLING dieses Wechselbad locker und leicht wirken. Das gesamte musikalische Können der Band wird an dieser Stelle komprimiert hörbar.
Freunde der härteren Töne werden sich über 'Shattered' freuen. Es ist das drückendste und atmosphärisch unangenehmste Lied der Platte. Von Anfang an liegt eine Anspannung in der Luft, die sich musikalisch entlädt. Dies geschieht so lange, bis der Song dank starkem Schlagzeugspiel einem hinten raus die letzte Luft zum Atmen nimmt. Zum Ausklang lässt es 'Sinister Companion' ruhiger angehen und "The Phantom Void" auf unspekatakuläre Art und Weise auslaufen.
LONG DISTANCE CALLING schafft es auf "The Phantom Void" jeden Ton so zusetzen, dass eine interessante und beeindruckende Reise entsteht. Während der Voränger "Eraser" sehr direkt komponiert war, ist die neue Platte eher ausladender und verspielter geworden. Die ganze Bandbreite einer Kinoleinwand wird durch den cineastischen Ansatz bespielt. LONG DISTANCE CALLING ist nach wie vor eine der ganz großen Instrumentalbands.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Dominik Feldmann


