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Bretthart Open Air 2003 - Limbach

06.07.2003 | 12:03

20.06.2003, Festwiese

Freitag, 20.06.2003


THE STARFUCKERS

Einen wahrhaft schrillen Einstieg in den auflockernden Freitag Mittag bescherten die Karlsruher THE STARFUCKERS. Im Auftrag "alle zu besamen" enterten die vier schrägen Gestalten mit rotzigem Rock'n'Roll die geräumige Bretthart-Bühne und zogen, trotz gerade mal einer Handvoll Zuschauer, ordentlich vom Leder. Eindeutiger Mittelpunkt des Auftritts: Der im engen rosa (!!) Jogginganzug herumspringende Sänger Buddy Lotion, dessen Repertoire neben Hampelei und Unter-die-Gürtellinie-Sprüchen ebenso Striptease-Einlagen umfasste. Somit gab's zur leicht derben Saufparty-Mucke gleich die passende Psycho-Show mitgeliefert, und die Songs vom vielsagenden Debüt-Album "Greatest Tits" verbreiteten gute Feierlaune. Fans von STIKKI FYKK oder KNORKATOR - sollten sie denn da gewesen sein - dürften sich fast wie zu Hause gefühlt haben.
Nicht genug der Sternenrammler auch nach dem Konzert, so lud Frontirrer Lotion per Megaphon lautstark zur anschließenden Autogrammstunde am häuslichen POWERMETAL.de-Stand ein, löbliches Engagement. Summa summarum ein durchaus spaßiger Auftakt ins Festivalgeschehen, als Opener wie auch Entertainer haben sich THE STARFUCKERS anständig bewährt.
[Kathy]


END OF GREEN

Diese Band bereitet doch immer wieder Kopfzerbrechen: Noch vor wenigen Wochen lösten END OF GREEN bei mir schläfrige Momente während ihrer Release-Party in der Stuttgarter Röhre aus - und jetzt? Wesentlich aktiver, spielfreudiger und knackiger gaben die Düsterrocker um "Gothic Girl" Huber (er scheint dieses T-Shirt sehr zu mögen...) eine weitaus bessere Figur ab. Und das, obwohl sich grob geschätzt grade mal 1/3 des Röhrenpublikums auf der Wiese vor der Bühne tummelte. Konzerte von END OF GREEN kann man scheinbar nur hassen oder lieben. Der Bretthart-Gig gehörte definitiv zur zweiten Kategorie, und trotz Streiks der PA schon beim ersten Song zogen die Göppinger gelassen und professionell ihren Set durch - egal ob 'Dying In Moments', 'Torment Sundown' oder 'Motor', die melancholisch-rockigen Vibes fanden samt und sonders großen Anklang bei den Zuschauern und besonders 'Death In Veins' sorgte für die endgültige Gänsehautstimmung. Einzig unpassend: Der Auftrittszeitpunkt, strahlender Sonnenschein nachmittags um fünf macht sich nicht unbedingt gut als Untermalung für gotisch gefärbten Gitarrenmucke. Trotzdem ein gelungenes Konzert mit viel Feeling, bitte zukünftig immer in dieser Form!
[Kathy]


LANFEAR

Die Lokalmatadoren von LANFEAR hatten es schwer, denn zum Einen war der Sound nicht optimal auf ihren Auftritt abgestimmt, zum Anderen waren die bisher spärlich vor der Bühne versammelten Metaller noch nicht so richtig in Festivallaune und sahen sich eher gemütlich das Geschehen auf der Bühne an. Und wo wir schon dabei sind, die Bühnenshow der Band könnte noch wirklich noch so Einiges an Feinarbeit vertragen.
Andererseits ist es für die Band sicherlich nicht einfach, ihre komplexen, progressiven Songs darzubieten und gleichzeitig wie wild durch die Gegend zu springen, damit stehen LANFEAR in ihrem Subgenre ja beileibe nicht alleine da.
Für die anspruchsvolleren Gemüter bot die Truppe jedoch genau das Richtige: Keine Ex-und-hopp-Musik, sondern durchdachte Arrangements, die sich von progressivem Melodic Metal bis hin zu Black Metal-Einflüssen gestalteten.
Insgesamt verblieb ein durchwachsener Auftritt, der allerdings sicherlich weiteres Steigerungspotential offenbarte.
[Georg]


POSTMORTEM

Kontrastprogramm mit Eintritt der Abendstunden: POSTMORTEM aus der schönen Hauptstadt Berlin fegten mit ihrem roh-brutalen Death Metal sämtliche Erinnerungen an rockige Rotznasen, dunkle Depri-Riffs und komplexes Klampfenspiel hinfort. Knüppeln auf Teufel komm raus hieß die Devise, was anfangs nach den vorangegangenen Bands einem Schlag mit dem Holzhammer gleichkam. Mit der Zeit gewöhnte sich das geneigte Ohr jedoch recht gut an das Gebolze, zumal sich Songs wie 'Blood For Blood' oder 'Fight The Club' ordentlich in die Gedärme fraßen, dazu zeigte sich die Truppe trotz weiterhin reduzierter Besucherzahl vor der Bühne in guter Spiellaune und anfeuerungsfreudig ("Seid ihr Männer oder Mäuse?!" - Zitat Sänger Putz Malone).
Nach gut einer halben Stunde war das Todesgewitter wieder vorübergezogen; insgesamt eine nett-heftige Leistung von POSTMORTEM, aber leider nicht prägnant genug, um sich über einen längeren Zeitraum im Gedächtnis halten zu können.
[Kathy]


XANDRIA

Irgendwie bekommt man sie dieser Tage häufiger zu Gesicht, die Bielefelder Gothic Metaller um ihre lüsterne Lisa am Mikrofon. Und wie schon auf diversen absolvierten Konzerten zuvor boten XANDRIA - obwohl noch relativ neu im musikalischen Zirkus - einen soliden Bretthart-Auftritt, der auch gleich mehr Zuhörer und -seher auf den Plan lockte. Gutriffende Gitarren, melodiöse Zwischenparts, dazu die im gotischen Gewand angetretene Lisa mit ihrer charismatischen Sangesstimme, alles passte wie aus einem Guss zusammen und bot in der untergehenden Abendsonne eine schöne Show für Auge und Ohr. Gerade 'Ginger' und das Titelstück der aktuellen Debüt-CD 'Kill The Sun' schufen verträumte Momente, die bis auf ein wenig mehr Stageacting seitens der Musiker nichts zu wünschen übrig ließen. Doch nicht nur bekanntes Material wurde geboten, mit 'Keep My Secret' stellten die Nordrhein-Westphalen ebenfalls ein brandneues Stück vor, was Spekulationen auf einen nächstjährigen Nachfolger von "Kill The Sun" schürte.
Alles in Allem ein gelungener 60minütiger Gig angefüllt mit schönen Songs und sympathischer Publikums-Interaktion, wohlverdiente Pluspunkte für XANDRIA.
[Kathy]


DORO

Veni, Vidi, Vici. Die Metal-Queen brach mit ihrer jungen Truppe auf, um das Bretthart Open Air zu rocken. Doro Pesch, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert, offenbarte ein weiteres Mal ihre herausragende Stellung in der deutschen Metallandschaft: Kraftvoll und energiegeladen ging die Truppe ihren Weg und mit Songs wie zum Bleistift 'Hellraiser', 'Fight', 'Für Immer' oder 'All We Are' kann man als Band eh kaum etwas falsch machen.
Sagte ich kaum? Ja, denn das überflüssige und langweilige, nicht enden wollende Drumsolo hätte man sich gerne schenken können. Doch das war auch der einzige Wermutstropfen an einem hervorragendem Konzertabend, der aus der Fanperspektive - genauso wie die Autogrammstunde am POWERMETAL.de Stand - am Besten nie zu Ende gegangen wäre.
So waren denn auch nach dem Zugabenteil weiterhin die Gesänge zu hören, so dass sich DORO gar ein zweites Mal auf die Bühne zurückrufen ließ und zwei ursprünglich nicht auf der Setlist stehende Songs darbot.

Hell
Always
True As Steel
Burning T.
Fight
Hellraiser
Love Me In Black
Für Immer
Fall 4 Me
East In West
Drum Solo
Egypt
Burn It Up
Earthshaker Rock
All We Are

[Georg]


RAWHEAD REXX

Eine wahrlich undankbare Aufgabe hatten die Co-Headliner von RAWHEAD REXX zu übernehmen. Durch die Verzögerungen zu Beginn des Tages konnten sie erst weit nach Mitternacht die Bühne betreten und folglich war das Metallervölkchen vor der Bühne merklich zusammengeschrumpft. Doch die Mannen zogen ihren Gig trotz dieser unglücklichen Umstände superprofessionell durch und beeindruckten die anwesenden Gäste mit ihrem kraftvollen, schnellen Power Metal in Verbindung mit engagiertem Stageacting.
Dabei legte die Band das Augenmerk vor Allem auf Songs ihres "Diary In Black"-Zweitlings, von welchem neun der elf gespielten Tracks stammten. Die wenigen vor der Bühne verbliebenen Gäste nahmen die Show jedenfalls begeistert an und es dürfte der Band aufgrund der überzeugenden Darbietung leicht gefallen sein, neue Freunde zu finden.

Return Of The Dragon
Diary in Black
Evil In Man
Town Of Sculls
Sons Of May
The Machine
Metal War
Saint And Sinner
Brothers in Arms
Six Feet From The Edge
Scream

[Georg]


ADORNED BROOD

War der Spielplan für RAWHEAD REXX schon undankbar, so war er für ADORNED BROOD schlichtweg eine mittlere Katastrophe. Ursprünglich hätten die Folk-Black-Metaller bereits nach den STARFUCKERS ihre melodischen Schwarzkompositionen an den Mann bzw. die Frau bringen sollen, eine Umstrukturierung der Running Order bugsierte den sympathischen Fünfer jedoch ans hinterste Ende des Festival-Freitags. Dass Spielen um 2 Uhr in der Nacht keine Aufgabe ist, um die man sich reißt, brauche ich nicht zu betonen, zu der späten Stunde gesellte sich jedoch zu allem Überfluss eine wahre Eiseskälte, die viele Besucher lieber in die Zelte oder andere wärmere Orte als zum Auftritt der Schwarzfolker trieb. Traurig solch eine klasse Band vor grade mal 15 Personen agieren zu sehen. Trotzdem zogen Frontgespann Frost und Ingeborg Anna zusammen mit ihren restlichen Mannen unbeirrt ihren Gig durch, trugen vorzugsweise Stücke ihres aktuellen Albums "Erdenkraft" ('Welcome Our Friends', 'Totenmarsch', 'Erdenkraft', 'Lebenslied') und des Vorgängers "Asgard" ('Die Wiederkehr', 'Pride Was My Desire') vor und hatten mit dem genialen 'Lauf mein Engel' (was für ein geil gekreischtes "Lauf!"...) gar auch eine neue Nummer am Start. Die wenigen Hartgesottenen, die den niedrigen Temperaturen zum Trotz nahe der Bühne geblieben waren, zollten ob so viel Engagements gebührend Anerkennung und dürften die greifbare Enttäuschung von ADORNED BROOD zumindest etwas gelindert haben.
Durchgefroren verließ das Quintett nach etwa 45 Minuten Spielzeit das Szenario und beendete damit um kurz vor 3 Uhr den ersten Tag des Bretthart Open Airs. Großer Respekt gebührt im Nachhinein Gitarrist Andreas, der trotz gefühlten Minusgraden das komplette Konzert mit freiem Oberkörper durchhielt, that's Metal!
[Kathy]

Redakteur:
Kathy Schütte

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