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Party.San 2018 - Schlotheim

08.09.2018 | 10:37

09.08.2018, Flugplatz Obermehler

Das Party.San Metal Open Air – präsentiert von POWERMETAL.de. Orkan-Salven samt Geländeräumung, VENOM mit satter Pyro-Show und WATAIN mit ordentlich Feuer.



Punkt Zwölf wird zum Appell geblasen. Flugabwehrkanone "Esmiralda" feuert Salut und pünklich auf die Minute eröffnet RAZORAPE aus Malmö den letzten Festivaltag auf der Hauptbühne. Die Band selbst zählt seit Jahren zu den Besuchern des Party.San. Schließlich gründeten die Herren selbst eine Band, die mittlerweile schon vier Studioalben veröffentlicht hat. Der Sound des Trios kann sich hören lassen. Death Metal trifft auf Groovegrind, viehische Growls auf Quieken, aber auch viel Tempo - das sind die Inhaltsstoffe, auf die RAZORRAPE setzt. Im Circlepit tobt der Spaßmob und sprintet, als gäbe es Kilometergeld. So haben wir das gern! Mit Stücken wie 'Slammed And Bodypack' werden jedenfalls keine Gefangenen genommen (Phrasendresch-Modus aus). RAZORRAPE werden ihrer Rolle als Anheizer von meiner Warte aus mehr als gerecht.
[Martin Loga]

GRAVEYARD aus Spanien gibt bereits das zweite Gastspiel auf dem PSOA. Von der Zeltbühne anno 2016 hat man es heuer auf die Hauptbühne geschafft. Eine kräftige Brise weht über das Festivalgelände, als die Truppe die Bühnenbretter entert. Gleichzeitig ist es sonnig. Perfektes Festivalwetter also. GRAVEYARD zelebriert klassischen Death Metal der alten Schule, punktgenau gespielt und motiviert dargeboten. Besonders die temporeichen Blasts gefallen. Das kraftvoll gezockte 'And The Shadow Came' von der aktuellen EP "Back To The Mausoleum" bleibt noch am ehesten in den Ohren hängen. Leider will das Publikum die tadelloses Performance nicht so recht mit Applaus goutieren. Die Reaktion der Bangerschaft ist als durchaus mittelprächtig zu bezeichnen. Insgesamt ein aus meiner Sicht gutklassiger Auftritt.
[Martin Loga]

Gut gelaunt findet sich Tuomas Saukkonen mit seiner Band WOLFHEART auf der Bühne ein. Er scheint seinen diesjährigen Besuch auf dem Party.San zu genießen und macht sich einen Spaß daraus, bei diversen Songs den falschen Festivalnamen als Anrede zu benutzen. Auch der Drummer sprüht vor Energie sowie guter Laune und heizt von Zeit zu Zeit das Publikum an. Der Sound war schon mal besser abgemischt, aber die Künstler wirken sympathisch und natürlich. Und das macht einiges wieder wett. Es sind mittlerweile sechs Jahre vergangen, seit Tuomas seine anderen Bands zu Gunsten von WOLFHEART aufgelöst hat. In dieser Zeit produzierte die Combo bereits drei Alben und das vierte wird nun für den 28. September angekündigt. Mit 'Breakwater' wird hier eine erste Kostprobe des Albums "Constellation Of The Black Light" gegeben: Ein schneller Song mit den WOLFHEART typischen Elementen, der Chorus sticht mit dezenten Cleanvocals heraus. Es ist zwar nicht so episch wie die letzte Singleauskopplung 'Boneyard', welche diesen Sommer hier endlich mal ungekürzt dargeboten wird – weiß aber durchaus zu überzeugen.
[Stefan Brätsch]

Auf die Österreicher HARAKIRI FOR THE SKY durfte man im Vorfeld nach der starken aktuellen Langrille "Arson" besonders gespannt sein. Von mir persönlich zunächst als potenzieller Tentstage-Headliner getippt, darf das live auf fünf Musiker aufgestockte Duo bei seinem Party.San-Debüt gleich mal auf der Hauptbühne ran. Die Saitenfraktion lässt zu drückenden bis eingängigen Songs wie 'Heroin Waltz' oder 'Calling The Rain' ebenso unentwegt die Haare fliegen wie zu dem im Original von FÄULNIS-Sänger Seuche unterstützten 'Jathor'. Aber warum wird der Herr eigentlich nicht zu einem Gastauftritt auf die Bühne gebeten, er ist schließlich anwesend? Auch darüber hinaus erfolgende Ansagen oder Interaktion mit dem Publikum: gleich Null. Was bei den Wiener und Salzburger Post-Blackies aber wahrscheinlich weniger in elitärer Arroganz denn in künstlerischer Zurückhaltung begründet liegen dürfte. So obliegt die einzige Bühnenperformance Sänger "J.J.": Herr Wahntraum keifert inbrünstig in sein Mikrofon, fällt mal mitten auf der Bühne, dann vor dem Schlagzeug auf die Knie und macht im Liegen weiter. Insgesamt eine in musikalischer Hinsicht intensive Show, die in dunkler Atmosphäre bei gedimmten Scheinwerfern aber sicherlich besser zünden dürfte.
[Carsten Praeg]

Weiter geht es mit den bekannten Gesichtern von CARPATHIAN FOREST. Die Norweger um Frontmann Nattefrost überrollen das Publikum und bringen etwas Schwärze am Nachmittag auf das Infield. Die Stimme von Nattefrost klingt ungewohnt schrill und auch sonst sieht er nicht gerade aus wie das blühende Leben. Doch was erwartet man von einer Band, die durch ihre "scheiß auf alles"-Einstellung bekannt ist? Die Leute feiern Songs wie 'Rock 'n' Roll Gloryhole' oder das TURBONEGRO-Cover 'All My Friends Are Dead'. Sogar 'A Forest' von der ''Black Shining Leather'' ist im Gepäck. Die perfekte musikalische Untermalung für jeden, der sich betrinken will und dabei nicht lächeln darf!
[Felix Bischoff]

Bei den Ahornblättern EXCITER geht es deutlich traditioneller zu. Das Trio macht einen spielfreudigen und agilen Eindruck. 'Violence And Force' sowie 'Victims Of Sacrifice' zünden vom Fleck weg. Es ist Gitarrist John Ricci, der die Bühnenshow mit seinem etwas überdrehten Posing dominiert. Der 62-jährige flitzt über die Bühne, sinkt auf die Knie, drischt grobmotorisch auf seine Sechssaitige ein und erzeugt mit seiner Klampfe zahlreiche Rückkopplungen mit den Verstärkern. Zwischen jedem Song Geschredder, manchmal fast zu viel des Guten. Dank temporeicher Klassiker wie 'Cry Of The Banshee' und dem aus vielen Kehlen mitgeshouteten 'Heavy Metal Maniac' schafft es die Band, die Party.Sanen durchaus mitzureißen. Die Show endet mit 'Long Live The Loud', bei dem Dan Beehler die Stimme aber fast zu versagen droht. Dass der Gute gegen Ende des Auftritts tonmäßig daneben krächzt - geschenkt! Dem Publikum hat der Auftritt gefallen und so werden die Kanadier mit ordentlich Applaus verabschiedet. Sauber!
[Martin Loga]

Mit SADISTIC INTENT steht eine der Dienstältesten Death Metal-Bands auf der Bühne. Die Herrschaften aus Los Angeles sind seit 1987 im Geschäft und jagen unerbittlich und gekonnt souverän ihre garstigen Musikbrocken in die Menge. Die ist dafür recht dankbar und so wird in den vorderen Reihen nicht nur geschunkelt. Neben 'Impending Doom' gibt es auch 'Morbid Faith' auf die Ohren. Zum Luft holen bleibt nicht viel Zeit. Ganz klar, die Jungs hier verstehen ihr Handwerk und obwohl das Ganze ein wenig zu routiniert wirkt, ist die Stimmung bei den Fans bestens. Die freuen sich vielmehr, dass sie die Band auf der Bühne sehen können und bedanken sich am Ende mit viel Beifall.
[Swen Reuter]

Das Vergnügen, PESTILENCE live zu erleben, hatte der Rezensent dieser Zeilen bisher noch nie. Dieses Jahr sollte es endlich soweit sein. Der optische Eindruck, den Bandchef Patrick Mameli (Gesang und Gitarre) hinterlässt, ist ungewöhnlich: Die Mähne ist blond gefärbt und der Schädel seitlich komplett rasiert. Das Haarwerk mündet in Irokesen-Manier in einen Pferdeschwanz. Patrick Mameli präsentiert PESTILENCE mit seiner multinational besetzten Band als spielerisch perfekt harmonierende Einheit. Schon beim Opener 'Non Physical Existent' (einem der Highlights der neuen Scheibe "Hadeon") deutet sich für mich an, dass dieser Auftritt nur stark werden kann. Patrick Mameli shoutet aggressiv und ist hochmotiviert. Die Doppelbelastung zwischen anspruchsvollen Leadgitarren-Parts und aggressivem Gesang meistert er mit Bravour. Seine Mitmusiker sind absolute Könner, die mit ihm Klassiker wie 'Dehydrated', 'Land Of Tears' oder die leicht progressive angehauchte Göttergabe 'The Secrecies Of Horror' zelebrieren. Dazu ein transparenter, schneidender Sound aus der PA - was will man mehr? Das Publikum ist einigermaßen aus dem Häuschen. Partrick Mameli fordert: "Auf dem letzten Stück will ich Euch krank sehen...". 'Out Of The Body' setzt den Schlussstrich unter einen sehr starken Auftritt von PESTILENCE! Bitte öfter zum Party.San einladen!
[Martin Loga]

Von der Sache her ist es für TRIBULATION aus Schweden noch viel zu hell. Schließlich sind sie doch die Kreaturen, die erst herausgekrochen kommen, wenn es dunkel wird. Aber heute müssen sie schon vor 18 Uhr ran. Los geht es als Intro mit einem französischen Chanson. Toller musikalischer Gegenpart zu dem, was im Anschluss folgt. Die Melange aus Gothic- und Black Metal-Elementen kommt bei den Zuschauern hervorragend an. Schließlich ist die Band nicht das erste Mal hier. Gitarrist Jonathan Hulten lebt in Leggins auch heute wieder seine feminine Seite aus. Gepaart mit seinem Stofftuch wirkt das wie jungfräulicher Schwebezauber. Allerdings verschwindet er nach dem ersten Song für eine Weile, taucht aber irgendwann wieder auf. 'Lady Death' oder 'Lament' vom aktuellen Album "Down Below" kommen sehr gut bei den Fans an. Tolle Show!
[Swen Reuter]

Eine fiese Mischung aus Death Metal und Grindcore gefällig? Dann auf zu BRUJERÍA! Die mit Tüchern maskierten Musiker legen eine flotte Sohle aufs Parkett und schreien sich gemeinsam die Seele aus dem Leib. 'Marcha De Odio' wird unter anderen den Besuchern um die Ohren gehauen. Ob sie nun wirklich so kriminell sind oder waren, dies sei einmal dahin gestellt. Macht aber auf jeden Fall Spaß. Am Ende gibt es 'Marijuana' für alle. Zumindest musikalisch. Keine Ahnung, ob das jetzt spontan oder geplant war. Während auf der Bühne bereits abgebaut wird, erklingt die Musik des Songs 'Macarena' und es wird über das Marijuana gesungen. Eine lustige Einlage, bei der die vorderen Reihen lauthals mitsingen.
[Swen Reuter]

Nachdem BRUJERIA das Set beim Change Over künstlich verlängert hat, geht es feucht fröhlich weiter: Traditionell erschallen die Panflöten von SIMON & GARFUNKELs 'El Condor Pasa', dann stürmt TANKARD die Bühne – im wahrsten Sinne des Wortes. Sänger Gerre rennt zu 'One Foot In The Grave' wie von der  Tarantel gestochen los, zeigt Plauze und wirft den weiblichen Fans in der ersten Reihe Küsschen zu. Eine Premiere: Erstmals seit über 35 Jahren Bandgeschichte gibt es bei den Frankfurter Thrashern Pyrofeuer auf der Bühne. Wohl nicht auf Wunsch der Bandmitglieder selbst, weshalb sie sich hin und wieder überrascht geben. Vorsichtshalber hat die ansonsten bierseligste Band des Landes heute vor der Show aufs Stöffche verzichtet, als eingefleischte Eintracht-Fans dürften sie andererseits Pyros durchaus gewohnt sein. Der jüngste Pokalsieg ihres Lieblingsvereins, dessen Fahne am FOH hängt, scheint die Hessen für diese Festivalsaison noch zu beflügeln. Gassenhauer wie 'A Girl Called Cerveza' oder das abschließende '(Empty) Tankard' gehen runter wie Öl – oder anschließend doch wieder wie Bier. Prost!
[Carsten Praeg]

Bei WATAIN weiß man immer, was man bekommt: Feuer, Flammen, brennende Kruzifixe und anderes Brimborium prägen den Vorhof zum gleißenden Fegefeuer. Wenn ich richtig nachgezählt habe, dann ist die Band insgesamt das fünfte Mal auf dem Party.San - unglaublich! Zu vorgerückter Stunde ist das Publikum nach drei Festivaltagen naturgemäß etwas geplättet. Doch für Zeremonienmeister Erik Danielsson ist die Reaktion des Publikums dann doch zu wenig. "You're awfully quiet tonight!", lässt er durch das Mikro wissen. Die Show selbst ist ein weiteres Mal musikalisch und visuell schlicht und ergreifend beeindruckend. Gleich vier neue Stücke ('Sacred Damnation', 'Towards the Sanctuary', 'Nuclear Alchemy' sowie 'Furor Diabolicusary') erhalten Einzug ins Set. Sie reihen sich makellos ein neben Stücken wie dem hymnenhaft-klirrenden 'Malfeitor'. Nach der letzten Nummer des Abends - meines Wissens 'The Serpent's Chalice' - endet der Auftritt von WATAIN so, wie er eingeläutet wurde: Nämlich mit einem atmosphärischen Outro, dass das Publikum in die letzte Nacht verabschiedet.
[Martin Loga]


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Redakteur:
Carsten Praeg

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