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Safe At Höme – F***** Easter Feast - Grevenbroich

26.04.2020 | 10:58

10.04.2020, Balkon

Lasset die Spiele beginnen!

Es ist Freitag, ein langes, freies und musikalisches Wochenende steht vor der Tür. Der Grill wurde geputzt, Fleisch und Bier schon am Vortag geholt und mit ein klein wenig Aufregung blicke ich den kommenden Tagen entgegen. Der heutige Tag startet noch recht ruhig mit gemütlichem Frühstück, ein wenig Netflix und Angelegenheiten im Haushalt. Doch dann – gegen Nachmittag – öffnen die Tore dieses besonderen Festivals. Und wie man Dank der fotografischen Dokumentation unseres Geschehens weiter hinten gut sehen kann, ist der Andrang auf den Merchandise-Stand schon recht enorm. Aber gut, wenn es alles für 'n Appel und 'n Ei gibt, dann darf man sich auch nicht wundern. Doch wir sind vorbereitet. So startet die Gaudi auch schon mit der ersten Band.

DEMON

Eröffnen möchte ich mein Festival mit einer ganz besonderen Perle und einem eigentlich schon verschollen geglaubten Schatz. Wir schreiben das Jahr 1982: Eine gewisse Band namens DEMON hat zu diesem Zeitpunkt schon zwei Alben veröffentlicht und reitet munter auf der neuen Welle des britischen Heavy Metal. Auf ihrer "The Unexpected Guest"-Tour wird ein Gig am 9. August desselben Jahres aus dem Tiffany's, einem kleinen Rockschuppen in Newcastle, mitgeschnitten. Ganze 27 Jahre später kommt dieser durchaus rare Gig an die Öffentlichkeit, "The Unexpected Guest Tour/Live at Tiffany's 1982" ist Geschichte pur.

Mit "Night Of The Demon" und "The Unexpected Guest" im Gepäck sieht man auch heute noch eine unheimlich agile und durchaus tight spielende Band rund um Maskenmann Dave Hill. Und auch wenn der knapp 90-minütige Auftritt in Sachen Sound- und Bildqualität nicht mehr dem heutigen Standard entspricht – aber Leute, wir reden hier von einer Aufnahme von 1982! – so brennt das Feuer des ungefilterten NWoBHM-Sounds doch dank DEMON lichterloh. Und wenn Hill bei 'Sign Of A Madman' seine Dämonenmaske vom Gesicht nimmt, ist der Zauber dieses Auftritts noch längst nicht vorbei.

Songs wie 'Night Of The Demon', 'Into The Nightmare' oder die einst aktuellen 'Don't Break the Circle' und 'Have We Been Here Before?' werden in ihrer bockstarken Rohmasse in die einstige Newcastle-Nacht geworfen und auch ich werde selbst 38 Jahre nach diesem Auftritt noch in dessen Bann gezogen. Eine Geschichtsstunde der anderen Art und eine mehr als gelungene Aufwärmstunde für all die Auftritte, die in den kommenden Stunden und Tagen noch folgen werden.

Folgend steht ein wenig mehr Klamauk im Vordergrund.

ALESTORM

Ein bisschen Spaß muss bekanntlich auch sein. Und als Kapelle dieser Art haben wir uns nicht zuletzt auch aufgrund ihres überlebensgroßen Quietscheentchens auf der Bühne für die ALESTORM-Jungs entschieden. Man mag über Christopher Bowes und seine Matrosen sagen, was man will, doch ihr Bühnenspaß überträgt sich automatisch auf unser Gemüt. Um uns auch auf ihr bald erscheinendes, sechstes Album "Curse Of The Crystal Coconut" einzustimmen, wird "Live At The End Of The World" noch einmal abgestaubt und angeschaut.

Im Jahr der Veröffentlichung – also 2013 – war alles noch nicht ganz so verrückt und überdreht, wie wir es heute von der schottischen Meute kennen. Mit drei Alben auf der Habenseite ging es am 18. Januar in den HiFi-Club von Melbourne, um Australien mal zu zeigen, was man unter Scottish Pirate Metal versteht.

Der Sound ist druckvoll, die Kameraführung zwar ab und zu etwas hektisch, aber dafür durchaus lebensnah, und die Songauswahl ALESTORMs lässt auch keinerlei Wünsche offen. Mit einer prächtigen Stimmung und wahrscheinlich auch dem einen oder anderen Rum intus, kommen Erstlingsstücke wie 'Over The Seas', 'Set Sail and Conquer' und 'Captain Morgan's Revenge' genauso gut an wie 'The Sunk'n Norwegian', 'Keelhauled' und das damals noch aktuelle Titelstück 'Back Through Time'.

Die fünf Spaßbacken von der Insel verwandeln den HiFi-Club in ein Tollhaus und verwöhnen die feierwütigen Australier mit Piraten-Schunkel-Hits erster Güte. Weder Augen noch Kehlen bleiben trocken, es wird getanzt, gelacht, rumgeblödelt und selbstverständlich weitergetrunken. Ja, auch solch eine Band hat ihre Daseinsberechtigung auf einem Festival, egal, ob es sich um offizielle handelt oder man spontan eben selbst eines veranstaltet.

Doch im weiteren Verlauf wird es deftiger.

TESTAMENT

In Sachen Thrash habe ich mich mit der Auswahl recht schwergetan, gibt es doch etliche Zeugnisse sehr gelungener Auftritte solcher Bands wie SLAYER, KREATOR, SODOM, DEATH ANGEL oder ANTHRAX. Und so kam neben "Still Reigning", "Dying Alive", "Lords Of Depravity", "Sonic German Beatdown" und "Kings Among Scotland" auch "Dark Roots Of Thrash" in die engere Entscheidungsrunde. Die Wahl fiel eher durch Zufall auf die Jungs von TESTAMENT, die mit dem genannten Bollwerk 2013 aber für Furore sorgten.

Am 15. Februar 2013 entfachten Billy und Co. im Paramount Theatre in Huntington ein absolutes Feuerwerk, das am Ende des gleichen Jahres auch als Rundum-sorglos-Paket für alle Thrasher via Nuclear Blast erschien. "Dark Roots Of Earth", das damals noch aktuelle Album, hatte schon ein paar Monate auf dem Buckel und so ging das Bay-Area-Urgestein auch auf Beutezug.

"Dark Roots Of Thrash" ist eine audiovisuelle Urgewalt geworden, das nicht nur durch eine bestens abgestimmte Setliste, sondern vor allem eine dynamische Kameraführung sowie einen druckvollen Sound brilliert. Klassiker in Hülle und Fülle hier ('Burnt Offerings', 'Practice What You Preach', 'Over The Wall'), brandaktuelle Heißeisen dort ('Rise Up', 'Native Blood', 'True American Hate'), Moshpits kreisen munter ihre Runden, TESTAMENT selbst ist perfekt aufeinander eingespielt und Billy singt, shoutet und grölt wie ein junger Gott.

Dazu kommen Eric Peterson, Alex Skolnick, Greg Christian und Schießbudenlegende Gene Hoglan, die an ihren jeweiligen Instrumenten souverän und cool wie eine Hundeschnauze die 18 Stücke perfekt vertonen. Und wie macht sich der Rundling Ostern 2020? Nun, über die Jahre hat er nichts an Kraft und Gewalt verloren, da werden die Ostereier zu Wurfgeschossen. Wenn es also nach wie vor etwas deftiger sein darf, macht man ohnehin mit den eingangs erwähnten Veröffentlichungen der übrigen Bands nichts verkehrt, doch da die "The Bay Strikes Back"-Tour noch immer im Ohr klingelt, darf TESTAMENT auch an Ostern antanzen.

Es ist Zeit für den ersten Headliner, die Aufregung steigt.

DIO

Und selbstverständlich darf auch der kleine Mann mit der großen Stimme nicht fehlen. Hierbei gehen wir stolze 34 Jahre zurück in die Vergangenheit, in die magische Zeit der 1980er Jahre, als DIO damals zur "Sacred Heart"-Messe bat. Passenderweise und für uns im Hier und Jetzt auch glücklicherweise wurde der einstige Gig im The Spectrum in Philadelphia am 17. Juni 1986 mitgefilmt. Viele audiovisuellen Zeugnisse von damals zeigten unheimlich tolle Live-Shows mit Pyros, Lichteffekten und spektakulären Einsätzen von Lasern. Hach, ja, die 80er.

Paart man diese perfekt dosierten Showelemente mit einer unvergleichbaren Stimme, einem unfassbaren Charisma und einem gigantischen, elektronisch animierten Drachen über der Bühne, dann darf man sich auf ein Showereignis der besonderen Art freuen. Ronnie stellt hierbei nicht nur seinen neuen Gitarristen Craig Goldy, der sich perfekt ins Bandgefüge einfindet, vor, sondern auch sämtliches Hit-Arsenal der ersten drei DIO-Alben inklusive dem ein oder anderen BLACK SABBATH- sowie RAINBOW-Schmankerl. Oh, ja, es lag Magie in der Luft. Wer eine mehr als gelungene Kostprobe davon haben möchte, greift eben zu "Finding The Sacred Heart".

Vom ersten ('Draco Ignis') bis zum finalen ('We Rock') Ton wird man von der Musik, der Ausstrahlung, der Hingabe und der Stimme Dios in den Bann gezogen. 'Don't Talk To Strangers', das 'The Last In Line/Children Of The Sea/Holy Diver'-Medley und 'Heaven And Hell' glänzen ebenso wie die verschiedenen Soli gegen Mitte des Sets oder das fabelhafte 'Rainbow In The Dark'. Ein tolles und großartiges Rundum-Sorglos-Paket. Hinzu kommen ein warmer, aber wuchtiger Sound sowie eine hohe Bildqualität – man kann sagen, was man will, aber in Anbetracht, dass der Auftritt fast dreieinhalb Dekaden auf dem Buckel hat, kann man vor "Finding The Sacred Heart" nur den Hut ziehen. Macht es wie wir und gönnt euch diese DIO-Vollbedienung auf großer Leinwand.

Und so geht der erste Tag auch schon schneller vorüber als gedacht. Doch mit enormer Vorfreude auf die kommenden beiden Tage geht es nun ins Bett. Man will schließlich fit sein für die Gaben, die noch kommen werden.

HIER geht es zu Tag 2!

Redakteur:
Marcel Rapp

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