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THRESHOLD, DAMNATION ANGELS, DAY SIX - München

03.12.2017 | 12:31

02.12.2017, Hansa 39

Die beste Band der Welt live!

Klar, das ist mal ein provokatives Statement, aber mir ist bei der Vorbereitung auf das Konzert und dem damit verbundenen Durchhören der Diskographie aufgefallen, dass THRESHOLD die Band sein dürfte, der ich über alle ihre Studioalben hinweg die höchste Durchschnittspunktzahl geben würde. Okay, zusammen mit SUBSIGNAL, aber die Jungs haben weniger Alben auf der Habenseite. Und ja, vor RUSH.

Die Mischung aus Prog, Metal und unglaublichen Melodien, die THRESHOLD bereits seit zwei einhalb Jahrzehnten aus dem Hut zaubert, ist einfach unnachahmlich. Dazu hat auch beigetragen, dass die Briten mit drei absoluten Ausnahmesängern gesegnet waren und sind, aber dazu später mehr. Jedenfalls ist die Ausgangslage für den heutigen Gig klar. Alles andere als ein Kantersieg wäre eine faustdicke Überraschung.

Doch da stellt sich sogleich die Frage: Wieso tritt die Band eigentlich nach elf brillanten Alben in einem kleinen Club wie dem Hansa 39 in München auf und nicht im Zenith? Leute, in der Musikwelt läuft etwas schrecklich falsch! Zwar ist der Club schon ein wenig gefüllt, als ich überpünktlich eintreffe, nachdem ich wie immer mit der Parkplatzsituation im Feierwerk gekämpft habe, aber für eine Badnd wie THRESHOLD, die überdies noch zwei  passende Vorbands dabei hat, ist es absolut nicht angemessen.

Den Anfang machen die Niederländer DAY SIX, die mir bisher unbekannt sind, obwohl sie schon einmal 2011 mit THRESHOLD unterwegs waren. Zwei Alben kann DAY SIX bisher vorweisen, und nach der heutigen Vorstellung scheinen diese ein gutes Futter für Progressive Metal Fans zu sein. Die Vier aus Nordbrabant sind engagiert bei der Sache, aber im Mittelpunkt steht deutlich Sänger und Gitarrist Robbie van Stiphout, der auf der kleinen Bühne auch die Show weitgehend allein bestreitet. Dabei hüpft er und post er äußerst witzig und sympathisch, sodass sich viele der Anwesenden von seinem Enthusiasmus anstecken lassen. Leider ist der Gesang etwas zu leise, aber der Sound insgesamt ist gut. DAY SIX schafft es problemlos, das Publikum auf einen Abend voller kraftvoller Metal-Musik einzustellen und erntet mehr als nur wohlwollendes Kopfnicken für ihren Auftrit von 35 Minuten. Zwei Alben in fünfzehn Jahren sind zwar eine magere Ausbeute, aber ein Reinhören in die Musik der Burschen ist eine Empfehlung wert: Youtube.

Nach nur einer verhältnsmäßig kurzen Pause darf die zweite Vorgruppe, die Briten DAMNATION ANGELS, die Bühnenbretter entern. Auch bei diesen steht der Sänger Ignacio Rodríguez im Mittelpunkt, aber das könnte in diesem Fall auch eher der drangvollen Enge auf der Bühne geschuldet sein. Für Show bleibt einfach kaum Platz, also darf man die Bands heute weniger danach beurteilen, welche Action sie live auf die Bretter bringen, als nach der Musik, die aus den Boxen dröhnt. Und die gefällt mir ausgesprochen gut. War DAY SIX etwas progressiver als THRESHOLD, ist DAMNATION ANGELS mehr Power Metal. Bei uns war die letzte Scheibe "The Valian Fire" ja nur mittelmäßig angekommen (siehe Soundcheck 03/2015), aber damals war ich nicht im SC-Team und darf konstatieren, dass der Erstkontakt einen deutlich besseren Eindruck macht, als ich erwartet habe. Das Ganze ist auch bei weitem nicht so symphonisch, wie ich gedacht hatte, allerdings kann ich den Vergleich mit KAMELOT nachvollziehen, was ich aber ausdrücklich als Lob aufgefasst haben möchte. Die Band agiert druckvoll und überzeugend und schafft es, in den zur Verfügung stehenden vierzig Minuten das Publikum zu noch lauterem Applaus zu animieren als DAY SIX.

Dann kommt der Hauptact, auf den hier alle warten. Es ist Samstag und sogar ein paar Kinder sind da, aber ich bin auch bei weitem nicht der Älteste im Saal. Als die ersten Töne des Openers 'Slipstream' ertönen, ist das alles egal. Mittlerweile ist es auch ziemlich voll geworden, ich schätze, dass etwa 300 Musikfans den Weg ins Feierwerk gefunden haben, deren Stimmung ausgezeichnet ist. THRESHOLD kann heute Abend nichts falsch machen. Der neue, alte Sänger Glynn Morgan steht wegen der Platzverhältnisse im Mittelpunkt, begibt sich aber rücksichtsvoll und vorsichtig in den Hintergrund, wenn Bandleader und Gitarrist Karl Groom und Bassist Steve Anderson die Soloparts bestreiten. Gelegentlich spielt Morgan auch die zweite Gitarre, die seit dem Weggang Pete Mortens vakant ist, aber auch nicht immer einen essentiell notwendigen Part spielt.

Das Hauptaugenmerk des Abends liegt natürlich auf dem aktuellen Doppel-Decker "The Legends Of The Shires", das mit über achtzig Minuten genug Material bietet, um den Auftritt nahezu allein zu gestalten. Sechs Lieder wurden in die Setliste aufgenommen, knapp die Hälfte des Abends gehört dem neuen Werk, das trotz der Tatsache, dass es erst im September veröffentlicht worden ist, große Begeisterungsstürme auslöst. Muss man haben. Meint auch Glynn Morgan, der das Publikum fragt, wer das Album bereits besitzt, und danach, wer noch nicht. Letzteren gibt er lachend die Anweisung, "The Legends Of The Shires" nach dem Konzert am Merchandise-Stand zu kaufen. Das Ganze ist so erfrischend symathisch und locker, dass nicht nur die Musik mitreißt, sondern auch die Protagonisten zu euphorischen Reaktionen veranlassen. Alle lachen und haben sichtlich Spaß, während das Publikum die Band durch positive Reaktionen anstachelt. Jeder Song wird beklatscht und mitbesungen, egal wie viele Töne von den Hobby-Barden im Saal getroffen werden, Hauptsache, jeder hat Spaß. Zwei ältere Songs, namentlich 'Long Way Home' und 'Innocent', ernten tatsächlich genauso lauten Applaus wie der neue Hit 'Stars And Satellites'.

Glynn Morgan kann alles singen, egal ob von den Scheiben, die er selbst eingesungen hat, oder von den Phasen mit Damian Wilson oder Andrew McDermott, auch wenn er sich gerade bei 'Sunseeker' schon ein wenig anzustrengen scheint. Auch das ist eine sehr seltsame Konstellation, da sich das Sängerkarussell bei den Briten zwar mehrfach gedreht hat, aber insgesamt dennoch nur drei Frontmänner am Mikro standen: Damian Wilson, Glynn Morgan, Damian Wilson, Andrew McDermott, Damian Wilson, Glynn Morgarn. Das ist wohl einzigartig.

Dem verstorbenen Ex-Frontmann Mac gedenkt Glynn vor dem langen 'Pilot In The Sky of Dreams'. Ich muss zugeben, dass mich erst Macs Aussteigen und dann sein Tod schon sehr schockiert hatte. Umso beachtlicher ist es, dass THRESHOLD tatsächlich zu keiner Phase des Bestehens nicht einen absoluten Ausnahmesänger in den Reihen hatte. Das eigentliche Set endet mit 'Mission Profile', einem Song, von dem Keyboarder Richard West im Interview mit POWERMETAL.de gesagt hat, dass sie ihn werden spielen müssen.

Natürlich gibt es noch einen Zugabenblock, zu dem sich die Band nicht lange bitten lässt und der aus zwei weiteren Songs des aktuellen Albums besteht. Eine außergewöhnliche Wahl, aber es funktioniert, weil das Album "The Legends Of The Shires" einfach brillant ist und heute und hier viele absolute THRESHOLD-Fans anwesend sind, die jeden Ton der Notenhelden dankbar aufsaugen. Nach Abschluss gibt es nur grinsende Gesichter, auch wenn natürlich Dutzende unsterblicher Klassiker gefehlt haben, aber die hören wir alle nächstes Mal. In hoffentlich einer viel größeren Halle. Und vorher würde ich THRESHOLD gerne auf allen möglichen Festivals im Billing sehen, damit möglichst viele Menschen auf diese beste Band der Welt aufmerksam werden. Das kann doch wohl nicht wahr sein.

Übrigens, die Tour läuft noch. Wer dabei sein möchte, kann einen dieser Gigs besuchen:

03.12. CH Pratteln - Z7
05.12. D Stuttgart - Club Cann
06.12. D Hannover - Musikzentrum
07.12. B Kortrijk - De Kreun
08.12. D Essen - Turock
09.12. NL Zoetermeer - Boerderij

Redakteur:
Frank Jaeger

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