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Wave-Gotik-Treffen 2001 - Leipzig

19.06.2001 | 03:10

01.06.2001, diverse Veranstaltungsorte

Freitag, 01.06.2001


Parkbühne

JANUS
Trotz sehr launischem und wechselhaftem Wetter am Eröffnungstag des WGTs hatte es doch einige Hundert Besucher zur Parkbühne im Clara-Zetkin-Park verschlagen, um sich dort u.A. die düsteren Klänge von JANUS zu Gemüte zu führen. Zehn Minuten vor ihrem veranschlagten Auftrittsbeginn betraten um 16.50 Uhr Sänger Rig und Soundtüftler Tobias in Begleitung einer Liveband, welche unter Anderem die Violinistin Tina Kögel und den Cellisten Martin Höfert umfasste, die Bühne. Und, oh wie schön, es zeigten sich sogar ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen, während man eifrig mit Stücken wie \"Schwarzer Witwer\" und \"Der Flüsterer Im Dunkeln\" aus dem Debüt-Album \"Vater\" oder \"Verflucht\", \"Unter Dem Eis\" und \"Hotel Eden\" von der aktuellen Scheibe \"Schlafende Hunde\" loslegte. Rig, im adretten Bankkaufmann-Dress - dunkle Bundfaltenhose und schwarzes Hemd - bewies erstaunlich gute Live-Stimmqualitäten, die ich ihm ehrlich gesagt nicht zugetraut hätte. Sein von eindringlich bis aggressiv reichender Gesang kam sauber und klar aus der PA und gefiel mir persönlich sogar besser als seine auf CD gebannten Sangeskünste. Auch die musikalische Untermalung erwies sich als weniger maschinell und elektronisch hart als beispielsweise auf \"Schlafende Hunde\", was an der Reduzierung der Computersounds und dem dafür verstärkten Einsatz der beiden Streichinstrumente gelegen haben dürfte.
Als dann zum Finale Rotschöpfchen Sonja Kraushofer von L\'AME IMMORTELLE auf die Bühne geholt wurde und gemeinsam mit Rig die Ballade \"Saitenspiel\" anstimmte, spendete das Publikum, das im Verlauf des Konzerts schon gut mitgegangen war, nochmals begeistert Applaus. Die gefordert Zugabe gab\'s jedoch nicht, wohl wegen dem eng gesteckten Zeitplan. Alles in Allem ein zufriedenstellender Auftritt von JANUS - obwohl sich ihr Programm streckenweise doch ganz schön dahingezogen hat.
(Kathy)

ELEGIA
Am Freitag den 1.6.2001 trat im Rahmen des X. Wave Gotik Treffens in Leipzig die brasilianische Gothic-Dark Wave Formation ELEGIA auf der Parkbühne auf. Entgegen der Ankündigung im Programm spielte die Band erst nach JANUS um 17.50 Uhr, nach den organisatorischen Pleiten des letzten Jahres nahm man diesen kleinen Fehler jedoch recht gelassen hin. Nachdem die Vorgängerband ELEGIA als ihre \"japanischen Freunde\" ankündigte, warteten die wenigen Zuschauer gespannt darauf, was die Band für musikalische Leckerbissen bieten würde, wurden in der Hinsicht jedoch sichtlich enttäuscht.
Die Dark Wave Band mit dem Hauptwohnsitz in Japan wird nicht selten mit THE CURE und den SISTERS OF MERCY verglichen. Auf dem Festival jedoch lieferten sie meiner Meinung nach eine sehr klägliche Show und einen noch schlimmeren Sound. Instrumental war nichts zu bemängeln, der Schlagzeuger Escobar, der Gitarrist Marcelo D\' Angelo und der Bassist Ricardo Camargo legten sich wahrlich ins Zeug, aber es gelang ihnen nicht, die groben Schnitzer des Gesangs wieder auszubügeln. Es mag an der Technik gelegen haben, aber der nur schlecht zu hörende Sänger Paulo Gotah sang mit schwachem Stimmchen und die japanische Sängerin Ursula war mit ihrer rauhen und dunklen Stimme fast gar nicht wahrzunehmen. Das Gute an diesem Auftritt war, dass sich der Frontman gut bewegen konnte und auch optisch nett anzusehen war.
Im Allgemeinen war den Zuschauern die Enttäuschung jedoch anzusehen und die Reihen lichteten sich zusehens. Auch als ELEGIA ihr einziges deutschsprachiges Lied \"Ein Suhl in der Hölle\"(gecovert von den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN) zum Besten gaben, zeigten sich die Besucher wenig beeindruckt. Obwohl sich der Song fast wie ein Sauflied anhörte, kam keine Stimmung auf, vielleicht war es dafür noch zu früh oder es war einfach nur der falsche Ort zur falschen Zeit.
In einem Bierzelt wäre der Song sicherlich gut angekommen.
(für alle Interessenten http://www.hpo.net/users/elegia/frame.html)
Nach nur einer halben Stunde verließen die Bandmitglieder die Bühne und wie zu erwarten blieben Zugaberufe vollständig aus.
(Alke Diepenbrock, www.gothicparadise.de)

WELTENBRAND
Aua aua...mit ihrem Auftritt haben sich WELTENBRAND wirklich nicht grade mit Ruhm bekleckert. Eigentlich hatte ich mich am Freitag am meisten auf das Konzert der Liechtensteiner gefreut, da mir ihre letzte Platte \"In Gottes Oder Des Teufels Namen\" mit seinen bombastischen Orchestralpassagen so gut gefallen hatte. Außerdem war ich, die ich WELTENBRAND vorher noch nie live gesehen hatte, gespannt, wie die Band ihren klassischen Sound auf der Bühne wohl umsetzen würde. Was mich als erstes schon stutzig machte, war der Sänger. Dieser blasse, schüchtern wirkende Bursche mit bravem Kurzhaarschnitt sollte Ritchie sein, der Mann mit der dunklen volltönenden Stimme? Irgendwie hatte ich mir ihn immer als großen, langhaarigen, bärtigen Hühnen vorgestellt - tja, so kann man sich irren. Mit ihm, Sängerin Simone, Bandkopf Oliver Falk hinter den Keyboards und einem Paukenspieler war dann auch die gesamte Live-Crew schon komplett, kein erhofftes Streicherensemble oder Ähnliches. Aber das ließ sich ja noch verschmerzen - nicht dagegen der schlecht ausbalancierte Sound: Während beim Eingangsstück \"The Ghost Without A Head\" Simones Gesang penetrant laut zur Geltung kam, war Ritchie, der von Anfang an reichlich unsicher wirkte, kaum zu vernehmen. Mit der Zeit harmonierten Sound und Sänger zwar besser miteinander, trotzdem kam irgendwie nicht das richtige Feeling auf. Auch das Publikum hielt sich eher zurück, und oft warf man sich belustigte Blicke zu, wenn die Dame auf der Bühne mit ihrer zu dünn klingenden Stimme den einen oder anderen Ton verfehlte. Als sich nach \"In God\'s Or The Devil\'s Name\" dann auch noch Simones Mikro-Kabel unter lautem Krachen und Knacken verabschiedete, war das Chaos perfekt.
Nach der Behebung des Problems ging es weiter, hauptsächlich kreuz und quer durch das aktuelle Album. Während den langen Instrumentalpassagen innerhalb der Songs vertrieben sich Sänger und Sängerin die \"Wartezeit\" mit kleinen Plaudereien oder unbeholfenem Hin- und Herwippen, was wohl Tanzen andeuten sollte. Als im Verlauf des Liedes \"Pinecone\" erneut eine solche sangliche Auszeit entstand, nutzte Ritchie die Gelegenheit, um die Band vorzustellen und eine kleine Ansprache ans Publikum zu halten, O-Ton: \"Wir spielen jetzt schon zum dritten Mal auf dieser Bühne, und es wird immer besser.\" Hm, ja, was wird denn immer besser? Das schienen sich auch die Zuschauer zu fragen, ernteten WELTENBRAND durch diesen Satz doch eine Menge fragender Gesichter.
Nach etwa einer Stunde verabschiedete man sich. Schade, aus ihrem Auftritt hätten die Liechtensteiner einiges mehr machen können.
(Kathy)

MILA MAR
Der letzte Auftritt des ersten Festivaltages auf der Parkbühne war MILA MAR vorbehalten und die Reihen der Open Air Location füllten sich. Bekannt wurde die Gruppe vor allem durch gemeinsame Tourneen mit YOUSSOUR N\' DOUR, SUBWAY TO SALLY, IN EXTREMO oder GOETHES ERBEN. Nach einem langen und ausgiebigen Soundcheck stellten sich die Musiker um die Vier-Oktaven Sängerin Anke Hachfeld dem wartenden Publikum.
Die Bühne war liebevoll mit einem Feuerbecken und einem schönen Mikrofonständer mit Rose gestaltet, doch den Blickfang bildeten vor allem die aufreizende Sängerin und die eher alternativ aber wesentlich passender angezogene Geigerin und Trommlerin. Im Hintergrund wurde eine stimmungsvolle Lightshow inszeniert, die die Songs des neuen Albums \"Elfensex\" untermalte. Gesungen wurden die nach Folk und Celtic klingenden Lieder hauptsächlich in Fantasiesprache, wobei die variable Stimme der Sängerin mal tief und erotisch, mal hoch und kindlich elfenhaft perfekt zur Geltung kam. Die größtenteils mystischen Songs bestachen vor allem durch ausgefeilte Rhythmik und Melodienreichtum und verbreiteten in der zwischenzeitlich eingetretenen Dämmerung auf der Parkbühne eine magische Stimmung.
Noch bis zum 06.10.2001 kann sich jeder selbst ein Bild von MILA MAR machen, denn sie sind gerade mit der \"Elfensex-Tour 2000 + 1\" unterwegs. Ein Konzertbesuch, der sich lohnen dürfte.
(Freya Diepenbrock, www.gothicparadise.de)


AGRA-Halle

BLUTENGEL
Schon am ersten Tag des Wave-Gotik-Treffens konnte sich das Publikum auf einen ganz besonderen Höhepunkt freuen: Den ersten Liveauftritt von BLUTENGEL, einem weiteren Projekt von TERMINAL CHOICE-Frontman Christian Pohl. Besonders verwöhnt von guter Stimmung und sehenswerten Bühnenshows wurden Besucher der gerade vergangenen TERMINAL CHOICE Tour nicht gerade und auch sonst ist Chris Pohl nicht für professionellen Umgang mit den Zuschauern bekannt. Umso überraschter durfte man von diesem Auftritt sein. Wie gewohnt wurde der berühmte Mikrofonständer in der Mitte der Bühne postiert; dieses Mal kam allerdings noch ein weiterer für die Sängerin dazu, der bereits auf CD eine wunderschöne und melancholische Stimme attestiert wurde. Etwas verwundert war ich, dass nicht sie, die sowohl auf CD-Covers wie bei früheren Aufnahmen eindeutig das Gesicht von BLUTENGEL ausmachte, sondern der Sänger im Mittelpunkt stand. Allerdings wurde sie durch ein Spotlight dann doch hervorgehoben. Ihre auf älteren Alben so voll klingende Stimme wurde bereits bei dem neusten Werk \"Seelenschmerz\" deutlich zurückgenommen und trat bei dem Konzert neben den elektronischen Elementen und der männlichen Stimme leider weit in den Hintergrund, was aber zum Teil auch an den technischen Voraussetzungen oder der mangelnden Liveerfahrung gelegen haben mag.
Für diese Makel entschädigte dann die wirklich gut inszenierte Bühnenshow. Zwei Tänzerinnen agierten im Hintergrund, verborgen von zwei Schattenwänden, hinter denen sie gekonnt mit Messern umgingen, sich gegenseitig zersägten und wenig später blutverschmiert hervortraten. Später wurde noch eine faszinierende Feuershow mit Feuerspucken und Pyroeffekten gezeigt und auch die gut durchdachte Lightshow konnte sich sehen lassen.
Nach ca. 45 Minuten hatten BLUTENGEL ihren ersten Liveauftritt absolviert und entgegen anscheinend alter Gewohnheiten Chris Pohls gab es sogar noch eine Zugabe, die von den Zuschauern in der fast vollständig gefüllten großen AGRA-Halle lautstark gefordert wurde.
Sicherlich gibt es vor allem am Auftreten der Sängerin noch einiges zu feilen, für einen Debut-Gig konnte sich das Konzert allerdings bestens sehen lassen und bot einen gelungenen Auftakt für das Festival in Leipzig.
(Freya Diepenbrock, www.gothicparadise.de)

Redakteur:
Kathy Schütte

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