Perlen der Redaktion: Jakob Ehmkes Highlights 2025
04.01.2026 | 17:09Auch wenn meine musikalische Ausbeute 2025 auf den ersten Blick nicht so üppig erscheint, war es ein guter Jahrgang, nach dem Motto: Qualität vor Quantität.
Wenn jahrelange Lieblingsbands ein Album veröffentlichen, dann wiegt das schwerer, finde ich. Und so ist es geschehen mit "Parasomnia" von DREAM THEATER. Bereits die angekündigte Rückkehr von Mike Portnoy im Herbst 2023 ließ mich frohlocken, die erste Single 'Night Terror' war mein meistgehörter Song 2024. So ist es keine Überraschung, dass das im Februar 2025 veröffentlichte Album meine Liste anführt. Es ist, als ob Portnoy nicht über ein Jahrzent weggewesen wäre, man knüpft scheinbar mühelos an das letzte gemeinsame Album aus dem Jahr 2009 an und präsentiert sich relativ heavy und düster. Auch wenn ich jedes Fill-In von Herrn Portnoy mittlerweile mitspielen kann und auch James LaBrie fabelhaft singt und Jordan Rudess sehr geschmackvolle Keys beisteurt, ist es vor allem John Petrucci, der mit seinen Riffs und Soli seinen xten Frühling zelebriert. Auch das Open-Air-Konzert in Hamburg dieses Jahr war ein absolutes Highlight, ebenso wie das just erschienene Live-Album "Quarantième - Live A Paris". 2025 war auf jeden Fall das DREAM THEATER-Rundum-Wohlfühlprogramm.
Wir bleiben im Prog, werden aber extremer und virtuoser - klar, es geht um "The Blue Nowhere" von BETWEEN THE BURIED AND ME, eine weitere Band, die ich seit Jahren sehr schätze. Auch wenn ich das Review vom Kollegen Backes ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen kann, muss ich konstatieren, dass ich noch kein Album der Band gehört habe, das mir den Einstieg so schwer machte, denn 'Things We Tell Ourselves In The Dark', 'God Terror' und mit Abstrichen auch 'Absent Thereafter' tönen tatsächlich etwas unterkühlt. Aber "The Blue Nowhere" legt jetzt erst richtig los, 'Door #3', 'Psychomanteum' und 'Slow Paranoia' sind so mindblowing, dass man sich fragt, wie es die Herren schaffen, auch auf Album Nummer 11 immer noch so frisch zu klingen. Die Überraschung kommt aber noch dicker: Der Titeltrack und das folgende 'Beautifully Human' sind einfach wunderschöne Prog-Songs, so hat man BETWEEN THE BURIED AND ME noch nicht gehört. Die Headline-Tour durch unsere Breitengrade steht bereits vor der Tür.
"Parasomnia" und "The Blue Nowhere" bieten eigentlich bereits genug Musik zum Entdecken für das ganze Jahr. Aber das würde unterschlagen, dass AVATAR ein ganz famoses Album namens "Don't Go In The Forest" veröffentlicht hat. Nach ein paar Jahren der Durststrecke, beziehungsweise Alben, die etwas belanglos waren, legen die Schweden hier ein tolles Metalalbum vor, das am Puls der Zeit musiziert, dennoch wie Hölle groovt und dabei einige Hits serviert, die großartig komponiert sind und obendrein zum Mitsingen animieren wie 'Tonight We Must Be Warriors', 'In The Airwaves', 'Death And Glizz' oder 'Take This Heart And Burn'.
Das wäre also das Treppchen, bestückt mit Bands, die ich schon jahrelang, wenn nicht gar Jahrzehnte lang höre. Das ist bei den ARCHITECTS etwas anders, denn bis auf das Debüt "Nightmares" habe ich die Engländer einfach mal gekonnt ignoriert, nur um mir offenbar mit "The Sky, The Earth And All Between" zu beweisen, was für einen Fehler ich damit gemacht habe. Bereits das Eröffnungs-Triple 'Elegy', 'Whiplash' und 'Blackhole' lässt mich die Wände hochlaufen.
Nun wird es musikalisch wieder reichlich extremer, CRYPTOPSY is in the house! Ich höre die Kanadier seit über 20 Jahren (ich weiß, da war ich spät dran) und ich kenne wenige Bands, die so eine spannende, interessante und vor allem in den früheren Jahren einflussfreiche Diskografie haben. Nicht alle Experimente sind im Laufe der Jahre gelungen, aber das aktuelle Album "An Insatiable Violence" macht wieder richtig Laune! Auch wenn man nicht an den eigenen Klassikern kratzt, hört man hier eine Band, die es nochmal wissen will.
BORN OF OSIRIS ist auch nicht neu im Geschäft, die Amis sind seit 2003 aktiv und haben nunmehr sieben Alben im Gepäck, konnten jedoch hierzulande, anders als im Heimatland, noch nicht den Durchbruch schaffen. Qualitativ kann man das meines Erachtens nicht nachvollziehen, so wird auch auf "Through Shadows" astreiner Progressive Metalcore kredenzt mit Stakkato-Salven und feinen Soli. Wahrscheinlich ist der Markt für diese Musik ist in Deutschland einfach zu marginal.
Nun wieder zu etwas komplett anderem, dem von VOGELFREY selbst gekürzten "Mittelalter Dance Metal" auf "Make Mittelalter Great Again". In vielerlei Hinsicht ist es ein mutiges Album der Hamburger, denn so synth-lastig hatte man sich noch nicht gezeigt. Aber der Mut wurde nicht nur mit einem Charteinstieg belohnt, auch die Songs lassen sich hören, da Nummern wie der Titeltrack, 'Alle sagen das', 'Trollwut' oder 'Gott Mensch' nicht nur rocken, sondern auch textlich bandtypisch bissig und selbstironisch sind.
Auf der anderen Seite des Metal-Universums hat IGORRR mit "Amen" ein herrlich abgefucktes Stück Musik erschaffen, düster, mit starkem Industrial-Sound nebst Klassik- an Breakcore-Elementen. Unsere Gruppentherapie beschäftigte sich ausführlich mit dem Gehörten. Dass mittlerweile 3/4 von SYSTEM OF A DOWN solo agiert, ist kein Geheimnis, doch das neue, bereits dritte Album des Gitarristen DARON MALAKIAN mit seinen SCARS ON BROADWAY-Jungs kam doch sehr überraschend. Wer SOAD mag, wird das Album lieben, ganz einfach.
Die Urväter des Deathcore WHITECHAPEL haben mit "Hymns In Dissonance" ein ganz übel gutes Album an den Start gebracht, das sich auf seine Wurzeln besinnt und sicherlich kein schönes Stück Musik ist. Aber genau darin liegt der Reiz. Wäre der Sound nicht so übersteuert, wäre das Album sicherlich höher in meiner Liste.
Mit viel Sonne im Gepäck hingegen startete im Winter 2025 der Flieger des THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA. "Give Us The Moon" ist ein weiterer herrlicher Nostalgie-Trip in den Sound der 80er, Ohrwürmer garantiert.
Auch früh im Jahr zeigte THE HALO EFFECT auf "March Of The Unheard", wie man Melodic Death Metal anno 2025 spielt, das gleiche gilt für die Könige der Melancholie KATATONIA mit ihrem Dark Metal auf "Nightmares As Extensions Of The Waking State", wenn auch nicht ganz so intensiv wie auf den letzten Alben.
PANZERBALLETT stellte mit "Übercode Oeuvre" das Gehirn auf Kopf; lest gerne mal, falls noch nicht geschehen, mein Interview mit Mastermind Jan Zehrfeld. Ähnlich aber doch ganz anders überfordernd kommt CAR BOMB auf ihrer EP "Tiles Whisper Dreams" daher. Nächstes Mal bitte wieder ein Album!
Mit Ausblick auf 2026 freue ich mich auf das neue Album von THE HIRSCH EFFEKT ("Der Brauch") sowie die neuen Werke der Thrash-Urgesteine KREATOR ("Krushers Of The World") und MEGADETH ("Megadeth), aber auch auf das neue Tech-Death-Gewitter von ARCHSPIRE ("Too Fast To Die").
Hier nochmal meine Top 15 aus 2025 in tabellarischer Form. Ein Klick auf den Albumnamen führt zur jeweiligen Rezension:
|
Rang |
Band | Album |
| 01. | DREAM THEATER | Parasomnia |
| 02. | BETWEEN THE BURIED AND ME | The Blue Nowhere |
| 03. | AVATAR | Don't Go In The Forest |
| 04. | ARCHITECTS | The Sky, The Earth & All Between |
| 05. | CRYPTOPSY | An Insatiable Violence |
| 06. | BORN OF OSIRIS | Through Shadows |
| 07. | VOGELFREY | Make Mittelalter Great Again |
| 08. | IGORRR | Amen |
| 09. | DARON MALAKIAN AND SCARS ON BROADWAY | Addicted To The Violence |
| 10. | WHITECHAPEL | Hymns In Dissonance |
| 11. | THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA | Give Us The Moon |
| 12. | THE HALO EFFECT | March Of The Unheard |
| 13. | KATATONIA | Nightmares As Extensions Of The Waking State |
| 14. | PANZERBALLETT | Übercode Oeuvre |
| 15. | CAR BOMB | Tiles Whisper Dreams |
- Redakteur:
- Jakob Ehmke





