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Keep It True X - Lauda-Königshofen

06.05.2008 | 08:07

04.04.2008, Tauberfrankenhalle

Einen äußerst undankbaren Platz im Billing haben die Italliener BATTLE RAM, müssen sie doch vor einer ausgedünnten Meute, in der viele noch den ersten Kaffee in der Hand halten, für Stimmung sorgen. Und das nach der Vollbedienung des Vortages, wo selbst die ärgsten Skeptiker der zweiten Harry-Conklin-Truppe die Halle aufgrund der mehr als überzeugenden Leistung von TITAN FORCE ziemlich spät verlassen hatten. So bleiben dann auch die Crowd vor der Bühne überschaubar und die Reaktionen anfangs recht verhalten. Und obwohl der epische, melodische Metal für einige das richtige Rezept ist, um endgültig aufzuwachen, ist trotz einer ANGEL WITCH-Coverversion für BATTLE RAM zumeist nur Höflichkeitsapplaus zu ernten.
[Frank Jäger]

Was nun zu noch recht früher Stunde auf die Keep-It-True-Festivalgänger hereinprasseln sollte, das war nichts anderes als ein unglaublicher Thrash-Orkan par excellence. FUELED BY FIRE, eine der ganz großen Thrash-Hoffnungen, nahmen die Tauberfrankenhalle im Sturm! Man stelle sich eine explosive Mischung aus EXODUS, ganz frühen METALLICA (als sie noch Musik spielten, die Eier hatte) und einer Prise SLAYER vor. Von der ersten Sekunde an macht die Band mit unglaublicher Tightness sowie knallharten Riffs und Soli, die jeden Headbanger in den Wahnsinn treiben, Druck ohne Ende. FUELED BY FIRE verkörpern das, was guten Thrash Metal der alten Schule ausmacht: Groove, coole Melodien, wuchtige Riffs und eine musikalische Aggression, die einem kräftigen Schlag in die Fresse gleicht. 'Thrash Is Back' ist nicht nur ein loses Statement, nein, es ist Realität. Knallharte Riffs und Speed treffen hier auf Melodien, die unter anderem alten MAIDEN Tribut zollen.

Große Teile des KIT-Publikums zeigen sich schwer beeindruckt ob der Intensität und spielerischen Raffinesse der FUELED BY FIRE-Performance. Bereits ab dem zweiten Stück schlagen der Band wahrhaft Wellen der Begeisterung entgegen, und man sieht allerorts kreisende Matten und in die Höhe gereckte Fäuste. Sänger Rick shoutet gar wie der junge Paul Baloff, und er macht auch an der Lead-Gitarre eine ausgezeichnete Figur. Die Songs strotzen nur so vor Energie, und mit 'Attomic Attack' und der lautstark eingeforderten Zugabe 'Plunging Into Darkness' geben FUELED BY FIRE sogar noch zwei bisher unveröffentlichte Songs zum Besten, die auf dem Nachfolgealbum zu "Fueled By Fire" zu finden sein werden. Lautstarker Applaus ist den Herren sicher. Was für ein Brett! Für mich persönlich DIE Überraschung des zehnten Keep-It-True-Festivals!
[Martin Loga]

Intro - The Arrival
Chaotic Punishment
Thrash Is Back
Dreams Of Terror
Striking Death
Massive Execution
Attomic Attack
Put To Death
Command Of The Beast
Spread The Fire
----
Plunging Into Darkness

Nach dem Gewitter von FUELED BY FIRE bieten DEMON EYES das absolute Kontrastprogramm. Die Franzosen, deren Ruhm vor allem auf dem 1984 veröffentlichten Debüt-Werk "Rites Of Chaos" und dem nachfolgenden "Garde A Vue"-Werk von 1987 aufbaut, waren schon damals aber nur eine Band der zweiten Riege und nicht ganz auf Augenhöhe mit SORTILEGE, KILLERS, ADX oder H-BOMB, da manchmal doch die ganz großen Riffs und Songs fehlten. Sie klingen anno 2008 aufgrund der Tatsache, dass sie seit fast zwanzig Jahren nichts Neues mehr veröffentlicht haben, stark nach der Anfangsphase des Metal und der New Wave of British Heavy Metal. Soll heißen: Wem in der letzten Stunde die Melodie gefehlt hatte, wird jetzt entschädigt. Allerdings mit etwas Verspätung. Zum Soundcheck zockt die Band ein bisschen 'Seek And Destroy' von METALLICA, und als es Zeit ist, die Bühne zu entern, und das Intro beginnt, stellt Gitarrist Thierry Masson fest, dass er ja noch gar nicht umgezogen ist. So dauert es einige Minuten, bis es wirklich losgeht, was dazu führt, dass DEMON EYES ihren Auftritt um zwei Songs kürzen müssen. Die Keep-It-True-Jungs sind da – völlig berechtigt – unerbittlich. Und mal ehrlich: Der Auftritt wäre auch ohne Ledermantel nicht schlechter gewesen, Thierry.

Optisches Highlight und Zentrum des Geschehens ist sowieso Sänger Philippe Masson, der mit schwarzem Ledermantel und Sonnenbrille theatralisch auf der Bühne rumpost, dass es vor Klischees nur so strotzt. Das findet man entweder extrem true und unterhaltsam oder ziemlich doof. Im Publikum hält sich das wohl die Waage, jedenfalls ist die Menge vor der Bühne etwas kleiner als zuvor, da das Thrash-Publikum gegangen ist und die Franzosen zu den unbekannteren Acts des Tages gehören. Dafür werden die vorne verbliebenen Fans jedoch mit einer überzeugenden Leistung und einer beachtlichen Action auf der Bühne belohnt, da alle Axtschwinger ständig in Bewegung sind - gerade so, als ob sie versuchten, neben ihrem Sänger auch mal den einen oder anderen Blick auf sich zu ziehen. Auch METALLICAs bereits erwähnter Song findet sich dann noch einmal komplett im Set wieder, und spätestens als mit dem TRUST-Song 'Antisocial', den auch ANTHRAX mal gecovert haben, der letzte Song des Auftritts mit der freundlichen Unterstützung von ARÈS-Gastsänger Damien in die Menge gefeuert wird, darf man der Band einen kurzweiligen Auftritt attestieren - selbst wenn der Funke nicht so übergesprungen ist und der Gig von vielen als Rauch- und Einkaufspause genutzt wurde.
[Frank Jäger]

Setlist:
Pestiferes
Indifference
L'Invincible Force De La Mort
Resurrection
L'Orgie Des Damnes
Seek & Destroy (METALLICA-Cover)
L'Ermite
Demon Eyes
Les Deux Maudites
Antisocial (TRUST-Cover)

Nicht wenige sind gespannt, ob CRESCENT SHIELD das halten werden, was sie auf ihrem ersten und einzigen Rundling "The Last Of My Kind" versprochen haben: verspielt-epischen US Metal, der verzaubert. Als die Band um Ex-ONWARD-Sänger Michael Grant die Bühne mit dem Album-Opener 'Above Mere Mortals' entert, wird sofort klar, dass uns eine knappe Stunde erstklassige Unterhaltung bevorsteht. Klampfer Dan DeLucie (ex-NEW EDEN) drückt mit einem breiten Grinsen sowohl grandiose Riffs als auch filigrane Melodien ins willige Publikum, welches schnell mitgeht. Kein Wunder, wenn man Wundertüten der Marke 'Rise Of The Crescent Moon' oder 'The Path Once Chosen' im Gepäck hat. Da kann man nicht mehr viel falsch machen. Außer man klebt sich einen Fuchsschwanz an seinen Bass. Aber dieses prollige Utensil verzeiht man der charmanten Melanie Sisneros fix, da sie einfach cool rüberkommt. Und wie viele Damen hat die wahre Metalwelt denn noch? Eben. Da muss man mal ein paar Augen zudrücken.

Michael unterlegt seine Texte mit gekonnt theatralischen Gesten und beweist vor allem beim A-cappella-Intro zu 'The Passing', welche Qualitäten in ihm stecken. Herrlich! Während die Menge bei den epischen Nummern verzückt zuhört, werden vor allem beim finalen Nackenschlag 'Burn With Life' mächtig Rüben geschädelt. Exzellenter Ausklang eines viel zu kurzen Auftrittes, in dessen Verlauf mit 'Lifespan' auch eine sehr viel versprechende neue Nummer präsentiert wird. Die Menge ist sich einig: CRESCENT SHIELD dürfen ganz schnell wiederkommen.
[Holger Andrae]

Setlist:
Above Mere Mortals
Slaves to the Metal Horde
Rise of the Red Crescent Moon
The Path Once Chosen
The Passing
Lifespan
The Last of my Kind
Burn with Life

Fast noch gespannter als auf CRESCENT SHIELD bin ich allerdings auf ihre Labelgenossen PHARAOH, die mit "The Longest Night" den wohl besten Rundling in Sachen Heavy Metal der letzten Jahre veröffentlicht haben, soll der KIT-Auftritt doch das Bühnendebüt der Band um den ehemaligen CONTROL DENIED-Sänger Tim Aymar werden. Etwas ganz Besonderes also, aber die Vorzeichen stehen ungünstig: Tim selbst ist mächtig erkältet, und der hauptamtliche Basser Chris Kerns konnte die Reise nach Deutschland nicht antreten. Tiefschläge, bei denen andere Bands wahrscheinlich abgesagt hätten. Nicht so PHARAOH, die in die Offensive gehen. Drummer Chris Black übernimmt mal eben den Tieftöner, und mit Scott Haskitt agiert ein erstklassiger Ersatz hinter der Taktmaschine. Wer sich nun noch fragt, wie PHARAOH ihre zweistimmigen Gänsehaut-Melodien mit nur einem Gitarristen – namentlich Matt Johnson – im Line-up umsetzen werden, darf sich über Matt Crooks (ex-DIVISION) an der zweiten Axt freuen. Also doch alles gut?

Gleich beim eröffnenden Titelsong des Debütalbums "After The Fire" reiben sich nicht wenige Anwesende die Augen. Tim hat ein paar Pfunde zugelegt und sich obendrein von seiner Matte getrennt. Außerdem merkt man ihm die Unsicherheit an, die die oben beschriebene Situation mit sich bringt. Spätestens beim fulminanten 'I Am The Hammer' kreiseln aber diverse Fönfrisuren um mich herum, und man kann sich entspannt einen sehr guten, wenn auch nicht grandiosen Auftritt ansehen, dessen absoluter Höhepunkt – natürlich (!) – 'By The Night Sky' markiert. Dieser Song wird im Publikum aus lauten Kehlen abgefeiert. Ein Umstand, der der Band offensichtlich Rückenwind gibt, denn danach geht sie etwas mehr aus sich heraus.

Auch wenn Tim bis zum Ende hin beinahe schüchtern und etwas hüftsteif wirkt, macht die sympathische Ausstrahlung der gesamten Truppe dies wieder wett. Man merkt, wie sehr sich die Jungs über den Zuspruch aus der Menge freuen. Vor allem Chris Black macht an seinem Urlaubsinstrument eine sehr gute Figur, und über die Qualitäten der Klampfer muss ich wohl keine Worte verlieren, oder? Danke.

Ich kann nur hoffen, dass PHARAOH mit ihrem aktuellen Werk "Be Gone" im Schlepptau bald irgendwo im Vorprogramm bei uns auftauchen und dann unter optimalen Bedingungen beweisen, wie gut sie wirklich sind.
[Holger Andrae]

Setlist:
After The Fire
I Am The Hammer
Telepath
By The Night Sky
Solar Flight
No Remains
Up The Gates
Now Is The Time

Nach dem zumindest für mich etwas enttäuschenden PHARAOH-Gig - vielleicht waren ja auch einfach nur meine Erwartungen zu hoch - bin ich gespannt, wie sich CAGE an diesem frühen Abend präsentieren werden. Ich hatte bislang zweimal das Vergnügen mit der Band aus San Diego, und beide Male war ich von den Auftritten sehr angetan. Das Gleiche gilt auch für das letztjährige Album "Hell Destroyer", das es leicht und locker in meine Jahres-Bestenliste geschafft hat. Und damit sind wir auch schon beim Thema, denn natürlich konzentrieren sich CAGE bei der Songauswahl vor allem auf diese Scheibe. Nach einer kurzen Ansage durch Sänger Sean Peck ("Are you ready for a power metal explosion?") legen die Kalifornier mit 'Fire And Metal' gleich sehr kräftig los, direkt von dem nicht minder energischen 'Rise Of The Beast'. Der Sound von CAGE ist zwar etwas doublebass-lastig, aber insgesamt doch sehr druckvoll, und man wird von dem Riff-Gewitter geradezu weggeblasen.

Sean Peck begrüßt dann noch einmal die zahlreichen Fans vor der Bühne (zunächst auf Englisch und dann sogar auf Spanisch), bevor es mit einem dritten Song vom aktuellen Album, dem hammermäßigen 'I Am The King' weitergeht. Zwischendurch streuen die "schweren Jungs" - insbesondere bei Gitarrist Dave Garcia fragt man sich, ob er mehr Zeit im Proberaum oder im Fitnessstudio verbringt - auch mal einen älteren Song ein, wie beispielsweise 'Kill The Devil' (vom dritten Album "Darker Than Black"). Aber schon danach folgen wieder neue Stücke ('Hell Destroyer', 'Metal Devil'). Dem weithin begeisterten Publikum ist das auch ganz egal. Sie feiern Song um Song lautstark ab, und in den vorderen Reihen ist geradezu exzessives Headbangen angesagt. Es gibt mit 'Final Solution' dann sogar noch eine Nummer vom zweiten Album "Astrology" zu hören, und sogar 'King Diamond', den Bonus-Song vom aktuellen Album geben CAGE zum Besten. (Ob sie damit wohl andeuten wollen, dass der Däne auch eine Option für ein zukünftiges Keep It True ist? ;-))

Langsam, aber sicher neigt sich die vorgesehene Spielzeit von CAGE dem Ende zu, und so bleibt der Band lediglich Zeit für einen letzten Song, nämlich 'Wings Of Destruction'. Zuvor weist Sean Peck aber noch einmal auf den Merchandising-Stand hin und legt den Fans den Kauf eines T-Shirts oder einer CD nahe. Und nach diesem wirklich guten Auftritt kommen dieser Aufforderung auch nicht wenige Leute nach. Gut gemacht, CAGE!
[Martin Schaich]

Setlist:
Fire And Metal
Rise Of The Beast
I Am The King
Kill The Devil
Hell Destroyer
Metal Devil
Final Solution
King Diamond
Wings Of Destruction

Man mag es für unfair halten, dass die Italiener als Rezensenten gerade einen derjenigen zugeteilt bekommen, die sich mit der Band mangels entsprechender Scheiben-Ausstattung eigentlich gar nicht so gut auskennen. Doch ich glaube, dass das gar nicht so schlimm ist, weil ich die Band trotz der bisherigen Kaufabstinenz sehr schätze und auch bisher bei ihren Live-Auftritten immer jede Menge Spaß gehabt habe.

Mein dritter DOOMSWORD-Gig sollte nun ein ganz besonderer werden, haben sich die Italiener doch entschieden, neben Bandleader Deathmaster auch den alten Sänger Nightcomer aufzubieten, der seinerzeit das Debütalbum eingesungen hatte. So folgt dem intensiven und klassischen Einstiegsdreier aus 'Onward Into Battle', 'Heathen Assault' und 'The DoomSword' ein sehr tolles Medley mit Stücken der ersten Scheibe, bei welchem Nightcomer sehr eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er nicht minder originell ist als Deathmaster und sich mit diesem sehr gut ergänzt. Auch wenn in Sachen Bühnenpräsenz und Ausstrahlung Deathmaster natürlich in einer anderen Liga ist. Der Italo-Wikinger hat seine Fans eben zu jeder Zeit voll im Griff und kann sich der Gegenliebe sicher sein, wenn er den Heerscharen mit dem Methorn zuprostet.

Wer mit dem Songmaterial nicht vertraut ist, wird vielleicht hier und da ein paar Längen wahrnehmen und sich unsicher sein, ob er die Passage nicht schon eine viertel Stunde vorher gehört hat, doch das ist bei den Reprisen und wiederkehrenden Motiven nicht wirklich verwunderlich. So oder so: Ein schöner Auftritt der Italiener, der durch Nightcomers Gastauftritt auch deutlich kurzweiliger war, als es ein DOOMSWORD-Gig sonst gelegentlich ist.
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
Onward Into Battle
Heathen Assault
The DoomSword
Debüt-Medley mit Nightcomer:
- Helm's Deep
- Warbringers
- One Eyed God
- Return To Imrryr
- Helm's Deep (reprise)
Days of High Adventure
For Those Who Died with Sword in Hand
Death of Ferdia
Odin's Hail (mit 'Sacred Metal'-Chorus)

HEATHEN sind irgendwie cool. Mal abgesehen von einem Demo, welches vor einigen Jahren über ihre Homepage legal zu haben war, hat der Frisco-Fünfer seit 1992 kein neues Material am Start. Trotzdem ist die Band anscheinend trotzdem immer irgendwie aktiv und schafft es auch, zu begeistern. Zuletzt auf dem HOA im Jahr 2005. Seither sind zwei neue Kraftspender in den Altherren-Thrash-Club eingetreten, nämlich Kragen Lum (g.; ex-PROTOTYPE) und Mark Hernandez (dr.; ex-DEFIANCE, TORQUE, VIO-LENCE). So viel zu den Fakten, kommen wir zum Massaker.

Denn anders kann man das, was da sowohl auf als auch vor der Bühne abgeht, nicht nennen. Bereits beim Opener 'Hypnotized' wird klar, wo der Hammer hängt. Nämlich hinterm Popo, welchen die Bay-Area-Ikonen dem Publikum mächtig versohlen. Unterstützt von einem sehr druckvollen Sound, zeigen die Herrschaften den ganzen Jungspunden, wie man Thrash spielen muss: präzise, zackig, auf den Punkt. Lee Altus hackt unbeirrt gnadenlose Riffattacken aus seiner Handwaffe und stachelt die Meute permanent an, nun doch endlich mal einen Moshpit zu bilden. Völlig unnötig, dreht die Halle doch eh schon völlig am Rad. David Godfrey turnt über die Bretter, als würde er tagtäglich nichts anderes machen, und Jon Torres wummert fies grinsend tiefe Basssalven ins Publikum. Aber auch das neue Doppel fügt sich in die Riffmaschinerie perfekt ein. Da spürt man nicht ein Fünkchen Unsicherheit, hier regiert eine souveräne Selbstsicherheit.

Und die ist bei dem Material auch nachvollziehbar. Völlig schnuppe, ob altbekannte Kracher der Marke 'Opiate The Masses' oder neues Material gespielt werden, Lauda-Königshofen steht komplett Kopf. Bei 'Heathen Song' singt die ganze Halle mit, und als man sich nach über 30 Minuten endlich bequemt, mit 'Open The Grave' auch mal etwas vom Debüt zu spielen, muss man in den ersten Reihen ernstlich Angst um die eigene Gesundheit haben. Da fällt es auch kaum auf, dass man die Nummer etwas verkürzt. Um die letzten Hirnzellen zu zermatschen, klöppelt das Quintett 'Death By Hanging' aus den Boxen, welches man hier gern in 'Death By Banging' umbenennen könnte.

Um es kurz zu machen: HEATHEN müssen endlich ein neues Album veröffentlichen, denn auch mit der neuen Besetzung sind sie die wohl beste aktive Thrash-Band, die man sich momentan geben kann.
[Holger Andrae]

Setlist:
Hypnotized
Opiate The Masses
Arrows Of Agony
Mercy Is No Virtue
Heathen Song
Dying Season
Open The Grave
Death By Hanging

Nach der mächtig intensiven HEATHEN-Performance kommt nun auch die Epic-Metal-Fraktion gehörig auf ihre Kosten. Vier Jahre nach dem triumphalen Auftritt auf dem zweiten Keep-It-True-Festival im April 2004 stehen MANILLA ROAD endlich wieder livehaftig vor uns. Bandboss Mark "The Shark" Shelton (der nahezu permanent seinen Haarschnitt und seine Bartlänge zu variieren scheint) kommt heuer mit Rudi-Völler-Gedächtnis-Frisur (minus Schnäuzer) auf die Bühne, und er wird erwartungsgemäß frenetisch von den Fans empfangen - allen voran von der großen Fraktion an griechischen Fans.

Mit dem Doppelschlag 'Mask Of The Red Death' und 'Death By The Hammer' vom "Mystification"-Album brettern die Herrschaften aus Wichita gewaltig los. Sehr tight klingt dabei insbesondere das knallharte Drumming von Cory Christner, der bereits vor vier Jahren als Band-Neuling auf dem zweiten KIT zu beeindrucken wusste. Neu in der Band ist Bassist Vince Goleman, der Harvey Patrick ausgezeichnet ersetzt und ihm spielerisch eine Nasenlänge voraus ist. Von einem coolen Gitarrensolo in bester Hendrix-Manier (der Shark bearbeitet seine Sechssaitige hinter beziehungsweise über seinem Kopf hängend) wird das göttliche 'Flaming Metal System' eingeleitet, das hervorragend beim Publikum einschlägt. Bryan "Hellroadie" Patrick, der die meisten der Titel des heutigen Abends intoniert, ist gut gelaunt und prächtig bei Stimme. Dennoch: Tracks wie 'Witches Brew' oder das wundervoll gediegene 'Mystification' schreien danach, vom stimmlich mittlerweile arg limitierten, aber zugleich ungemein charismatisch klingenden Meister Mark Shelton dargeboten zu werden - was ihm ohne Umschweife gut gelingt.

Mit 'Blood Eagle' folgt das erste neue Stück vom Album "Voyager", das kürzlich erschien. Es zeigt all die typischen MANILLA ROAD-Trademarks, und so wird 'Blood Eagle' dankbar von den weit über tausend Anwesenden in der Halle aufgenommen. Nach dem stampfenden Klassiker 'The Riddle Master' geht beim Highspeed-Track 'Up From The Crypt' (was für ein Brett!) noch einmal gehörig die Post ab, ehe das mächtige Titelstück von "Voyager" - nicht zuletzt dank der prima Gesangsleistung von Bryan Patrick – das bei bester Laune befindliche KIT-Publikum erfreuen darf.

Am Ende des MANILLA ROAD-Sets folgt dann eine handfeste Überraschung. Die Band spielt das uralte 'Avatar' vom ehemals verschollen geglaubten zweiten MANILLA ROAD-Album, das unter dem Titel "Mark Of The Beast" im Jahr 2002 erschien. Was soll ich sagen: Ich bin verdammt noch mal aus dem H-Ä-U-S-C-H-E-N, als die genialen Klänge dieses epischen, tief in den Siebzigern verwurzelten Titels meine Lauscher erfreuen. Perfekt intoniert und mit Gänsehautfeeling ausgestattet setzt dieses Stück den Schlussstrich unter einen hervorragenden MANILLA ROAD-Set mit klasse Songauswahl. Für mich persönlich haben MANILLA ROAD ohne jeden Zweifel eine der besten Performances der Keep-It-True-Jubiläumsausgabe hingelegt!
[Martin Loga]

Setlist:
Mask Of Red Death
Death By The Hammer
Hammer Of The Witches
Witches Brew
Flaming Metal System
Divine Victim
The Road Of Kings
Mystification
Blood Eagle
The Riddle Master
Up From The Crypt
Voyager
Necropolis
Avatar

Was soll ich dazu sagen? Nach dem phänomenalen Gig von MANILLA ROAD und nach siebzehn weiteren Bands bin ich eigentlich fertig mit der Welt und will gerne ins Bett. Doch da steht noch der Headliner aus. Immerhin eine meiner liebsten Bands überhaupt. Und dann noch bei einem Festival, das unter dem Motto steht, dass der Tyrann herrschen möge. Also werden die letzten Kräfte, die allerletzten Kräfte mobilisiert. Der Rezensent schleppt sich vor die Bühne, um dem Jagdpanzer zu huldigen, und - wen mag es wundern - es gelingt JAG PANZER doch relativ mühelos, müde Knochen munter zu machen, den schlaffen Geist anzukurbeln und das Publikum mitzureißen, obwohl ich sicher nicht der Einzige bin, der hundemüde ist.

Chris Lasegue ersetzt den zu MEGADETH abgewanderten Leadgitarristen Chris Broderick zwar nicht absolut ebenbürtig, doch er macht eine wirklich gute Figur und fügt sich hervorragend in die Band ein, in welcher er schon gegen Ende der Achtziger ein Gastspiel gegeben hatte. Mit einem Dreifachschlag von "Ample Destruction" steigen die Jungs aus Colorado sehr zur Freude der Old-School-Anhänger richtig traditionell ein und lassen mit den folgenden vier Post-Reunion-Highlights auch die jüngeren Fans ausflippen, wobei sich vor allem das mächtige 'Iron Eagle' einmal mehr als die JAG PANZER-Hymne der Neuzeit entpuppt. Mitsingfaktor 100.

Bis zum Einstieg in das Uralt-Stück 'Battlezones' präsentiert sich die Band auch ziemlich tight und professionell, doch hier schlägt nun doch der Fehlerteufel zu. Konkret: Die Leadgitarre fällt aus, und auch mit getauschtem Amp wird der Sound nicht mehr so klar und differenziert, wie er bis dahin gewesen ist, was dann auch gewisse Auswirkungen auf das Timing und das Zusammenspiel hat, die sich aber wegen der Euphorie und des sympathischen Auftretens der Band locker verschmerzen lassen. So ergehen sich die Musiker noch eine Weile in einem tollen Mix aus alten und neuen Klassikern, bevor nach einer kurzen Unterbrechung im ersten Zugabenblock ein ganz besonderes Schmankerl dargeboten wird. So zelebriert das originale "Chain Of Command"-Line-up, das heißt JAG PANZER minus Harry Conklin, dafür plus Bob Parduba am Mikro, erstmals nach gut zwanzig Jahren einige Überklassiker von eben diesem Jahrhundertalbum, wobei natürlich das Titelstück alles abräumt und durch das Halford-artige Stageacting Pardubas eine ganz neue (alte?) Note bekommt. 'Shadow Thief' geben die beiden Sänger dann im Duett, bevor dieser Block mit den neueren Highlights 'Take To The Sky' und 'Legion Immortal' sowie dem JAG PANZER-Epos schlechthin, namentlich 'The Crucifix' endet.

Da das Publikum hernach immer noch hungrig ist, folgt ein weiterer Zugabenblock mit drei sehr coolen Coverversionen dreier Klassiker aus den Häusern MERCYFUL FATE (Harry goes King Diamond), JUDAS PRIEST (natürlich mit Bob am Mikro) und IRON MAIDEN (nochmal alle miteinander), bevor der Triumphzug des Tyrannen samt Gefolge nach gut zweieinhalb Stunden ein Ende nimmt und eine weitgehend begeisterte und glückliche, aber in jedem Falle todmüde Halle hinterlässt.
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
Generally Hostile
Licensed To Kill
Symphony Of Terror
Black
King At A Price
Iron Eagle
Fates Triumph
Lustfull And Free
Tyranny
Battlezones
Future Shock
The Moors
Reign Of The Tyrants
Warfare
The Mission
----
Chain Of Command (Bob Parduba)
Never Surrender (Bob Parduba)
Shadow Thief (Bob Parduba & Harry Conklin)
Take To The Sky
Legion Immortal
The Crucifix
----
Gypsy (MERCYFUL FATE-Cover)
Electric Eye (JUDAS PRIEST-Cover, Bob Parduba)
Where Eagles Dare (IRON MAIDEN-Cover)

Redakteur:
Martin Loga

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