Der Kurzreview-Thread

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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Dienstag 10. September 2024, 23:47

Oh, danke schön. Ich frage mich beim Schreiben von sowas oft, ob ich das nicht einfach wieder einstampfen soll, weil es vielleicht eh nur mein zu spezielles Kopfkino ist. Aber anscheinend ja nicht.
: D
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Dienstag 10. September 2024, 23:51

Ich finde es auch irgendwie krass, dass sich überhaupt noch wer an meine uralte Top 100 erinnert. Das ist ja ewig her. Ich hab, vor fünf Jahren oder so, mal angefangen, auf einem Zettel wieder Kandidaten für eine aktuellere Version zu sammeln, sozusagen als Vorauswahl. Da dürfte ich schon bei irgendwas zwischen 140 und knapp 200 angekommen gewesen sein, bis ich den Zettel dann irgendwo verlegt habe. Falls der wieder auftauchen sollte, führe ich das vielleicht mal weiter - also die Vorarbeiten, hahaha... (der ist wahrscheinlich aber eh vergilbt und nahezu unlesbar, und der Deibel weiß unter welchen Stapel Altpapier geraten).
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 11. September 2024, 22:59

Eike hat geschrieben:Oh, danke schön. Ich frage mich beim Schreiben von sowas oft, ob ich das nicht einfach wieder einstampfen soll, weil es vielleicht eh nur mein zu spezielles Kopfkino ist. Aber anscheinend ja nicht.
: D


Tun wir das nicht alle in irgendeiner Form?
Mir zumindest geht es oft auch so.

Eike hat geschrieben:Ich finde es auch irgendwie krass, dass sich überhaupt noch wer an meine uralte Top 100 erinnert. Das ist ja ewig her. Ich hab, vor fünf Jahren oder so, mal angefangen, auf einem Zettel wieder Kandidaten für eine aktuellere Version zu sammeln, sozusagen als Vorauswahl. Da dürfte ich schon bei irgendwas zwischen 140 und knapp 200 angekommen gewesen sein, bis ich den Zettel dann irgendwo verlegt habe. Falls der wieder auftauchen sollte, führe ich das vielleicht mal weiter - also die Vorarbeiten, hahaha... (der ist wahrscheinlich aber eh vergilbt und nahezu unlesbar, und der Deibel weiß unter welchen Stapel Altpapier geraten).


Ja ist es. Aber manchmal hat man das, dass da etwas hängenbleibt. Und nachdem ich deswegen "Antimatter" entdeckt habe, habe ich mich mit vielen anderen Bands und Künstlern aus der Liste beschäftigt und vieles zum ersten Mal gehört. Da ist es dann gar nicht so schwer, das behalten zu können.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Donnerstag 12. September 2024, 03:53

"Leaving Eden" habe ich selbst erst über Powermetal.de entdeckt.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Donnerstag 12. September 2024, 21:14

APOCALYPTICA - "Plays Metallica Vol. 2"
ist der Nachfolger des legendären Debütalbums "Plays METALLICA By Four Cellos", erschienen im 28. Jahr danach.

Puh, wie gehe ich da ran?

Zum einen überwiegt die freudige Überraschung und Erleichterung darüber, wie wirklich gut gelungen das Album als solches ist, wie eigen im Sound manche Stücke klingen, wie gut die meisten seiner transformieren Coverversionen die METALLICA-Energie einfangen, auch darüber, dass bloß eines der Stücke (ironischerweise 'The Four Horsemen', welches im Original eines der energetischsten ist, hier aber die Celli nicht richtig zur Höchstform aufblühen lässt,) nennenswert gegenüber den übrigen abfällt; zum anderen geistern allerdings auch ärgerlich hypemeierische PR-Verlängerungsfloskeln im Äther der Albumrezensionen herum, wie die hohle Floskel von einer dem Debüt vorgeblich vollumfänglich gerecht werdenden Fortsetzung oder gar Steigerung, Behauptungen, welche schlichtweg Humbug sind, insbesondere wenn man Volume 1 direkt davor gehört hat. Gerade dann fällt ein Durchlauf von Volume 2 nämlich sehr ernüchternd aus.


Klar, die Voraussetzungen ihrer jeweiligen Entstehung sind ja auch gänzlich andere, denn mittlerweile ist APOCALYPTICA einfach eine von vielen gestandenen Metal-Bands als Brotjob, anfangs jedoch hatte man es noch mit vier extremen Nerds zu tun, eifrigen Studenten klassischer Musik und zugleich glühend junger Metalfans, die aus innerer Leidenschaft heraus aber auch unter dem äußeren Druck stehend, sich und ihrer Musikakademie noch vor dem jeweiligen Abschluss und der Welt insgesamt noch vor dem Wissen um die (un-?) mögliche Existenz einer Zielgruppe (Jahre vor METALLICAs "S & M") etwas beweisen zu müssen, ihre perfektionistisch frickelnde Pionierarbeit leisteten im Transponieren und Umarrangieren von aus dem Thrashmetal stammenden Gitarren- und Rhythmus-Riffs auf vom Design her reine Streichinstrumente - von der selbst für junge Erwachsene in Hochform physisch schweißtreibenden Performance noch ganz abgesehen. Diesen Herausforderungen wurden die damaligen Studenten mehr als gerecht, und so entstand etwas, das über METALLICA weit hinaus ging.

Bild

Lassen wir nun kurz Kalenderblätter im Schnelldurchlauf flattern: "Inquisition Symphony" weitete die Einflusszone der Cover auf andere Bands aus, auch hier ging man über die Originale hinaus, ganz meisterlich bei 'Refuse/Resist'. Bei "Cult" ging es dann bereits mit Percussion los, das originelle Cello-Metal-Konzept wurde verwässert, doch die durchweg stimmungsvollen Eigenkompositionen überzeugten. Tournee um Tournee zog durch die Länder, immer erfolgreicher und größer. Aber darüber und danach entwickelte sich APOCALYPTICA vom Projekt mit Alleinstellungscharakter hin zur geläufigen Metalband mit eben auch Celli neben dem (anfangs noch Gast-) Gesang.


Und auch, wenn nun, auf Volume 2 der METALLICA-Cover die instrumentale Celloperformance APOCALYPTICAs wieder etwas stärker in den Mittelpunkt rückt, merkt man den meisten Arrangements eben doch an, dass sie sich stark auf Schlagzeug und E-Bass als tragende Elemente verlassen. Und vor allem bei 'The Four Horsemen' eben paradoxerweise auch schonmal zum Nachteil des jeweiligen Stücks. Die Herausforderung, ein METALLICA-Stück gerade der Frühphase derart umzuarrangieren, dass ein reines Cello-Quartett-Geshredde eine gleichwertige Energie und Nachdrücklichkeit und ein emotionales Höllenfeuer zu entwickeln vermag, wie eine junge Thrash-Kapelle in den frühen Neunzehnhundertachtzigern, ja, die mag derart immens sein, dass es eine gehörige Portion Chuzpe, Irrsinn, Megalomanie, Perfektionismus, Ungestüm adoleszenter Provenienz, Wahnwitz heimisch an akademischen Elitenbildungsinstituten, Zufälle der glücklichsten Art und weißderdeibelwasnochalles braucht, um daran nicht ganz, ganz schlimm zu scheitern - aber APOCALYPTICA anno 1996 wäre es, falls überhaupt irgendwem, eben doch irgendwie zuzutrauen gewesen, sich dem erfolgreich zu stellen. Nun aber geht man den (vermeintlich) einfacheren Weg und holt sich für Volume 2 Metalikonen wie Dave Lombardo am Schlagzeug und Robert Trujillo an der Bassgitarre und in einem Fall auch James Hetfield als Rezitator ins Studio oder samplet eine Einspielung von Cliff Burton. Die so entstehende Magie ist zum einen schwächer, und sie ist vor allem eine gänzlich andere. Die Celli kommen dabei einfach weniger stark zur Geltung, egal wie stark sie auch aufspielen mögen.

Bild

Stark aufspielen tun sie indes, und auch die neuen Arrangements können sich durchaus hören lassen, ohne zu langweilen. Das Material der "mittleren" Bandphase jedenfalls stellt APOCALYPTICA mit dem nunmehr zehnten Album locker in den Schatten. Vielleicht sollte ich auch "Cell-0" von vor vier Jahren dann doch nochmal eine Chance geben, denn bereits dort soll es ja wieder ein wenig zurück zu den Wurzeln gegangen sein.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Donnerstag 12. September 2024, 21:45

Das erinnert mich an früher...das fand manch einer immer cool und ließ das laufen...mich haben die immer übelst genervt. Dieses Metallica-Ding....keine eigenen Songs, kein Gesang und dann noch diese nervigen Cellos. :grins: Habe ich aber seit zig Jahren nicht mehr gehört.
Zuletzt geändert von Havoc am Donnerstag 12. September 2024, 21:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Loomis » Donnerstag 12. September 2024, 21:54

So wollte ich es jetzt nicht formulieren, aber mir haben Apocalyptica auch nie was gegeben... ;-)
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Eike » Donnerstag 12. September 2024, 22:00

Bin wieder ziemlich angetan. Für sich genommen schon stark die neue Scheibe, und macht vor allem nochmal richtig Lust auf den alten Kram. Ich finde Cello als Instrument aber eh cool. Habe irgendwo mal aufgeschnappt, dass sein Klangspektrum dicht an der menschlichen Stimme sei. Vielleicht ist es tatsächlich so einfach und ich einfach primitiv genug, dass mir das schon reicht.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Pillamyd » Freitag 13. September 2024, 09:27

Sehr schön geschrieben. Ich habe die Veröffentichung nur am Rande mitbekommen. Ich kenne auch das erste Album nur Stückweise. Ich hatte mal die "Cult", weil mich das interessiert hat. Aber die Begeisterung hielt sich damals in Grenzen. Weswegen ich die Band auch nie weiter verfolgt habe.

Ich habe jetzt mal in "The Four Horsemen" reingehört. Ich meine zu verstehen, was du daran zu kritisieren hast. In den schnellen Momenten kommt das Cello, wie ich finde, tatsächlich nicht so zur Geltung. Ich frage mich unsicher, ob da zwei konträre Verhältnisse gegeben sind. In den ruhigen, oder aber auch in den leicht abgewandelten Passagen finde ich das aber durchaus Ausdrucksstark und erfrischend. Sonst klingt es leider "nur" wie sehr gut nachgespielt. Allerdings ist das Handwerk natürlich sehr stark.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 18. Februar 2025, 03:11

GORKY PARK "Парк Горького" (1989, CD, PolyGram)

Bild

Auch so eine Platte, die ich vom sehr markanten Artwork und von einigen bekannten Hits her, eigentlich auf dem Schirm hatte, seit ich 1988/1989 Metal und Hardrock zu hören begann. Trotzdem hab ich erst jetzt, 35 Jahre später die Kurve gekriegt, mir wenigstens die ersten beiden Alben zu holen. Die Alben 3 und 4 sind nur in Russland erschienen. Und obgleich GORKY PARK international betrachtet, drei Jahre lang die erfolgreichste russische Band war, ist es nach kompletter einfuhr des Albums am Ende doch kein großes Wunder, dass aus der Truppe kein dauerhaftes Erfolgsmodell geworden ist.

Unterm Stich ist das in den USA von den Herren Bongiovi und Sambora koproduzierte Werk "Парк Горького" halt doch eher durchwachsen. Großspuriger Stadionrock, instrumental stark, und mit ein paar echt großen Hits wie eben den Klassikern "Bang!" und "Try To Find Me", einer wenigstens spannend russifizierten Coverversion zu "My Generation" gesegnet, bleibt am Ende aber auch ordnetlich viel durchschnittliches Hard-Rock-Material, das den Test of Time definitiv nicht bestanden hat. Als Zeitdokument der Perestroika-Ära und der großen Moskauer Metalfestivals natürlich trotzdem nice to have, und die Hits sind auch immer noch echt schöne Songs.

Dafür knappe 7/10 Punkten.
alias Hugin der Rabe.
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Háv. 38
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