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BLACK MIRRORS: Interview mit der Band

08.02.2019 | 22:06

Darum lieben die BLACK MIRRORS indigene Kulturen und den FC Bayern.

Die Belgier BLACK MIRRORS rund um Frontdame Marcella di Troia haben nach zwei EPs im späten Sommer 2018 mit "Look Into The Black Mirror" ein beachtliches Debüt hingelegt, das alle Fans von energischem Rock zwischen BLUES PILLS und QUEENS OF THE STONE AGE ansprechen sollte. Und vor allem live weiß die Band mit enormer Bühnenpower und Ausstrahlung zu überzeugen. Grund genug, im Rahmen des Gigs im Vorprogramm von THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA etwas mehr über diese Truppe zu erfahren.

Zum Interview findet sich dann auch die gesamte Band (Marcella, Pierre, Loïc und Paul) ein. Marcella und Pierre entpuppen sich aber schnell als die Wortführer. Marcella erzählt, dass sie die Band vor fünf Jahren als reine Frauenband gründen wollte, "weil ich bislang die Erfahrung gemacht habe, dass das Musizieren mit Mädels intuitiver ist als mit Jungs. Jedenfalls war das bis dorthin meine Erfahrung. Allerdings konnten wir leider keine Gitarristin finden, die die Musik so auffasst wie wir es wollten. Da ich mit Pierre schon in einer anderen Band spielte, fragte ich dann eben ihn, ob er in die Band einsteigen möchte. Zudem hat er ja auch lange Haare, und wenn er einen Rock auf der Bühne trägt, würde das keiner merken", witzelt Marcella. Die beiden Mädels (Bass und Drums) hatten dann aber doch andere Ziele, wollten eher nur jammen und so stießen dann eben Gino und Edouard dazu (Anm. T.B.: Die Band hat die Rhythmus-Sektion später noch einmal ausgetauscht; die beidem Neuen hören auf die Namen Loïc Videtta und Paul Moreau).

Die Anzahl der Frauen in der Rockmusik hat in den letzten Jahren für mich jedenfalls gefühlt enorm zugenommen und auch aus dem Underground können Bands mit weiblichen Vocals immer mal wieder zum Erfolg kommen (Stichwort BLUES PILLS). "Das ist aber ein Phänomen, das die gesamte Musikindustrie betrifft", erklärt Pierre. "Auf dieser und der letzten Tour sind uns im gesamten Bereich mehr Frauen begegnet, sei es in der Organisation, sei es als Backliner, aber natürlich auch als Musiker. Und ich denke, das ist etwas sehr Gutes, denn noch vor 2-3 Jahren war es glaube ich noch schwerer, als Frau in diesem Business zu bestehen."

Tja, offenbar gibt es mittlerweile so viele Frauenbands, dass ich sie gar nicht mehr richtig auseinanderhalten kann. Wir klären zusammen auf, dass ich BLACK MIRRORS offenbar mit BLACK WIZARDS aus Portugal verwechselt habe, als ich Marcella auf die Tour mit MAIDAVALE anspreche. Vielleicht kann ich den Namen ja besser einsortieren, wenn ich die Intention hinter dem Namen verstehe. Ich frage also, was man denn in dem schwarzen Spiegel sehen soll. "Der Titel "Look Into The Black Mirror" ist eine Einladung, eine anderen Bewusstseinsebene (state of mind) zu erreichen. Das ist auch auf dem Artwork zu sehen, die alte Dame ist gerade im Begriff sich zu spalten." Es ist also zur Abwechslung mal nichts Pessimistisches. Pierre und Marcella erklären mir, dass der "Black Mirror" für sie Bedeutung auf mehreren Ebenen hat. Zum Beispiel einen Rechner, der gerade runtergefahren wurde, einen schwarzen Bildschirm also. In diesem Kontext soll BLACK MIRRORS die Leute bewegen, auch einmal abzuschalten, wegzukommen von Laptop, Smartphone und TV, womit die Leute heutzutage viel zu viel Zeit verbringen. "Black Mirror" ist aber auch eine TV-Serie, die sich mit eben diesem Thema - dem Einfluss der Technologie auf unsere Zivilisation - beschäftigt. "BLACK MIRRORS symbolisiert aber auch so etwas wie unseren Stamm, unsere Inspirationsquelle." Gerade hier werden für Marcella Themen wie Schamanismus und indigene Kultur wichtig, "denn ich denke, unsere Gesellschaft kann sehr viel von der Denkweise dieser Leute lernen." Indianische Kultur und Schamanismus inspirieren dementsprechend auch Marcellas spirituelles Bühnenoutfit und ihr Acting als Frontfrau.

Wer einmal einen Blick auf die Trackliste von "Look Into The Black Mirror" geworfen hat, wird sofort auf den Titel 'Günther Kimmich' stoßen. "Zunächst war das nur ein Arbeitstitel, weil wir sehr oft die Musik und dann erst die Lyrics schreiben", erläutert Pierre. "Ich hatte den Namen einfach im Kopf, ich bin ja auch Fußball-Fan und Joshua Kimmich ist ein Spieler des FC Bayern. Wir haben den Titel aber erhalten, denn für uns steht er für ein Dankeschön an die deutschen Fans. Sie waren die ersten außerhalb Belgiens, die uns akzeptiert haben und die deutsche Musiklandschaft ist so blühend und kraftvoll. Die Leute wollen hier noch neue Bands entdecken, gehen zu ihren Konzerten, und wir wurden überall so warm und herzlich aufgenommen."

Ich frage die Band, ob sie ihre Musik als "Retro-Rock" bezeichnen würde. Marcella widerspricht hier vehement. "Klar sind wir inspiriert von alter Musik wie Jimi Hendrix und Janis Joplin, aber wir haben definitiv einen modernen Sound." Pierre hingegen kann durchaus verstehen, wenn die Leute bei den BLACK MIRRORS einen Vintage-Einfluss hören. "Ein Song wie 'The Mess' auf der "Funky Queen"-EP oder 'Til The Land Wind Blows' hat schon bluesige Vibes aus den 60ern." - "Wir haben die alte Musik in uns, interpretieren sie aber auf moderne Art zu spielen", relativiert Marcella. "Ich sage immer gerne, wenn es um die Beschreibung unserer Musik geht, "JANIS JOPLIN making love with QUEENS OF THE STONE AGE". Das ist ein schönes Bild für mich."

Black Mirror - München 2018Ob nun modern oder retro, für mich hat BLACK MIRRORS einen ganz eigenen Charme. Man legt es auf und weiß nach fünf Sekunden: Das ist BLACK MIRRORS! "Das ist das beste Kompliment, das du uns machen kannst", bedankt sich Marcella. Und Pierre führt aus, dass es "wichtig ist, dass man seinen eigenen Weg findet, dass man sich wohl fühlt mit dem Klang, den man erzeugt. Ich habe den Weg für mich gefunden, ich fange so langsam an zu wissen, welche Ausrüstung zu mir passt, wie ich die Gitarre anfassen muss, was ich spielen muss, damit ich mich wohl fühle. Und wenn ich mit fremdem Equipment spiele, merke ich immer, dass das nicht ich bin, dass es nicht passt und dann klingt es auch nicht gut." Ich kann das bestätigen. Gerade auf der Bühne strahlt die Band ein ungemeines Selbstbewusstsein aus, eine Sicherheit, die sie über ihre Grenzen bringt, oder wie oben erläutert, eine andere Bewusstseinsebene erreichen lässt. Wo soll es noch hin gehen mit den BLACK MIRRORS? "Nun, unsere Karriere ist noch jung", sagt Marcella. "Wir müssen wohl noch etwas warten, bis wir mit der Band Geld verdienen können. Ich und Pierre sind Musiklehrer, Loïc hat gerade seinen Job als Barkeeper aufgegeben und Paul studiert noch. Unser Ziel ist es, einfach so viel wie möglich zu touren und dann werden wir mal sehen."

Dann, Leute, schaut doch mal in den schwarzen Spiegel und schaut euch die Band an. Vom Publikum von NIGHT FLIGHT ORCHESTRA zeigt sich Marcella bislang begeistert, sowohl bei den Reaktionen am Merch-Stand als auch in den sozialen Medien. Mit Napalm Records im Rücken wird sich sicher bald wieder eine lukrative Tour ausgehen, haltet also Ausschau!

Live-Fotos: Nives Ivic

Redakteur:
Thomas Becker

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