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Diskografie-Check: SEPULTURA - Teil 2 | Platz 8 - 1

07.03.2021 | 09:01

Willkommen zurück zum zweiten Teil unserer Reise durch den SEPULTURA-Kosmos, in dem wir nun endgültig klären werden, welches in unseren Augen das beste Album der Brasilianer ist. Gleichzeitig wird dieser Teil vielleicht auch eingefleischten Anhängern der Cavalera-Jahre (zu denen auch ich einmal zählte) die Augen dahingehend öffnen, dass auch mit Derrick Green am Mikro einige grandiose Alben entstanden sind. Ob es vielleicht einer dieser Langspieler sogar aufs Treppchen schafft? Das lest ihr in den folgenden Zeilen.

8. Nation

Los geht der zweite Teil unseres Rankings zumindest mit einer kleinen Überraschung, denn für mich persönlich war "Nation" lange Jahre der einzig wirklich akzeptable Langspieler nach dem Ausstieg von Max Cavalera. Und auch wenn ich meine Meinung in dieser Hinsicht inzwischen etwas revidiert habe, macht das Album aus dem Jahr 2001 auch 20 Jahre nach dem ursprünglichen Release noch jede Menge Spaß. Auslöser dafür ist die radikale Kurskorrektur, die sich Kisser und seine Mitstreiter selbst verordneten, nachdem mit "Against" die "Roots"-Experimente auf die Spitze getrieben wurden und der kommerzielle Erfolg komplett ausblieb. So gehen die Songs des achten Langspielers wieder zurück zum Sound von "Chaos A.D.", ohne dabei komplett auf Weltmusik-Experimente zu verzichten, die sich in Songs wie 'Water' oder 'The Ways Of Faith' auch weiterhin wiederfinden. Der Großteil der Kompositionen ist aber wieder deutlich geradliniger und eingängiger, was Tracks wie 'Sepulnation', 'Border Wars' oder 'Who Must Die' zu echten Volltreffern macht. Noch besser gefallen mir persönlich sogar das abgedrehte 'Vox Populi' und das für SEPULTURA höchst ungewöhnliche 'One Man Army', die meine Favoriten auf "Nation" sind. In kommerzieller Hinsicht blieb das Album trotz des musikalischen Aufwärtstrends aber erneut weit hinter den Erwartungen zurück, was der Vierer an der mangelnden Unterstützung von Roadrunner Records festmachte. Folgerichtig kehrte man den Amerikanern nach dem Release dann auch den Rücken und suchte sein Glück in den kommenden Jahren bei SPV Records. Im Rückblick sind es insbesondere Chris (Platz 4) und Walter (Platz 3), die der ersten Veröffentlichung im neuen Jahrtausend in unserer Redaktion besonders viel abgewinnen können, während Marcel, Rüdiger und Jonathan mit ihrer Nennung in den letzten drei Plätzen schlussendlich eine bessere Platzierung für die Sepulnation verhindern. Bei den Dreien dürfte die Einschätzung mit der stilistischen Nähe zu "Chaos A.D." und insbesondere "Roots" zusammenhängen, das bei allen drei Kollegen ebenfalls eher schlecht weg kam. Doch dazu später mehr.

7. Kairos

Erst einmal geht es mit dem wohl perfekt betitelten Album "Kairos" weiter, das in unserer Endabrechnung auf dem siebten Platz landet. In Altgriechisch meint der titelgebende Begriff den perfekten Moment, um zu handeln. Und genau an diesem Punkt befand sich SEPULTURA nach den doch sehr durchwachsenen Vorgängern "A-Lex" und "Dante XXI" tatsächlich im Jahr 2011 und lieferte mit dem, von einem wunderschönen Artwork verzierten, zwölften Langspieler den dringend benötigten Befreiungsschlag. Angefangen beim groovigen Opener 'Spectrum' mit seiner feinen Gitarrenarbeit bis hin zur Thrash-Metal-Abreibung 'No One Will Stand' sucht man echte Ausfälle unter den vierzehn Kompositionen weitestgehend vergeblich, auch wenn wir hier großzügig über das misslungene Elektro-Experiment 'Structure Violence (Azzes)' hinwegsehen, das die Platte beendet. Dafür gibt es im vorderen Drittel der Scheibe mit dem monumentalen Titeltrack und dem Doppelschlag aus 'Dialog' und 'Mask', die sich beide auch wunderbar auf "Chaos A.D." gemacht hätten, drei absolute Höhepunkte zu vermelden, denen ich zumindest attestieren würde, dass sie problemlos mit der Cavalera-Ära mithalten können. Vielleicht wäre mit dem Album sogar noch mehr zu holen gewesen, hätte Igor Cavalera die Band nicht einige Jahre zuvor verlassen. Denn auch wenn Jean Dolabella, der übrigens hier zum letzten Mal hinterm Schlagzeug Platz nahm, durchaus solide Grooves abliefert, vermisse ich doch die Tribal-inspirierten Rhythmen von Igor, die so vielen SEPULTURA-Songs ein ganz eigenes Flair verliehen haben. Zusätzlich ist die Produktion überraschenderweise etwas dumpf und drucklos ausgefallen, was mich angesichts der Beteiligung von Roy Z (BRUCE DICKINSON) als Produzent durchaus verwundert, mag ich von ihm veredelte Platten doch üblicherweise sehr. Dennoch landet "Kairos" bei all unseren Redakteuren im oberen Mittelfeld, wobei extreme Ausreißer im negativen oder positiven Sinne ausbleiben. Soll heißen: SEPULTURA hat mit "Kairos" die richtige Entscheidung getroffen und musikalisch wieder in die Spur gefunden, die den Vierer seither wieder zurück in die metallische Weltspitze geführt hat.

6. Machine Messiah

Ihr glaubt meiner vorherigen Aussage nicht? Dann hört euch unbedingt "Machine Messiah" an, das ganz locker mit den Höhepunkten von CAVALERA CONSPIRACY oder SOULFLY mithalten kann, mit denen der ehemalige Frontmann Max Cavalera nach seinem Ausstieg weitermachte. Allein dieser Umstand sollte den ewigen Wunsch nach einer Rückkehr und die Ignoranz gegenüber den Green-Jahren bei einigen Fangruppen zum Verstummen bringen. Gleichzeitig gelingt es den Brasilianern nach der kleinen Detour auf dem sperrigen Vorgänger "The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart", den eigenen Bandsound in gewissem Maße neu zu erfinden, indem sehr sparsam eingesetzte symphonische Elemente Einzug halten und den Songs damit eine ganz neue melodische Dimension verleihen. Ihren Kern aus Hardcore und Thrash Metal verlieren die Herren dennoch nicht aus den Augen und liefern mit 'I Am The Enemy' oder 'Vandals Nest' absolute Abrissbirnen ab, die sie auch in ihrer Hochphase in den Neunzigern und frühen Zweitausendern nicht besser hinbekommen hätten. Die wirklich markanten Songs sind aber die, in denen das Quartett mehr auf Melodie und die neu gewonnene Liebe zu Orchestrationen setzt. Bestes Beispiel ist hier der großartige Titeltrack. Diese Entwicklung gipfelt dann schlussendlich im epischen 'Sworn Oath', das neben Orchestrationen und einem fast schon progressiven Mittelteil vor allem von der herausragenden Gitarrenarbeit Andreas Kissers lebt. Ebenso überzeugend wie der Bandkopf agiert auch Schlagzeuger Eloy Casagrande, der nicht versucht, seinen legendären Vorgänger Igor Cavalera nachzuahmen, der Platte mit unglaublichem Ideenreichtum erstmals seit Igors Abgang aber wieder rhythmisch den letzten Schliff verpasst. Schlussendlich werden die Soundprobleme von "Kairos" kurzerhand vermieden, indem mit Jens Bogren einer der Metal-Produzenten unserer heutigen Zeit verpflichtet wird, der das Material wie erwartet ins perfekte Licht rückt. Dass die Scheibe, die übrigens auch noch von einem wunderschönen Artwork geschmückt wird, auch bei unserer Redaktion durchgehend auf den vorderen Plätzen landet, dürfte niemanden verwundern. Einzig Jonathan vergibt mit Rang 12 eine schlechte Platzierung, kann sich aber selbst nicht so recht erklären, warum "Machine Messiah" bei ihm nicht zündet. Helfen kann ich dem Kollegen da auch nicht, denn spätestens dieses Album ließ mich meine sträfliche Vernachlässigung der Green-SEPULTURA bereuen.

5. Roots

Und jetzt ist es doch passiert, die Alben der Max-Phalanx wurden gesprengt und so landet "Roots" nur auf dem fünften Platz. Dass es gerade diesen Langspieler der SEPULTURA-Hochphase in den Neunzigern trifft, überrascht mich nach den angeregten Diskussionen während der Abgabe unserer Listen allerdings nicht. So war es insbesondere Kollege Jonathan, der bei jeder Gelegenheit betonte, wie sehr ihm der wilde Mix aus Nu Metal, Thrash und Tribal-Einflüssen gegen den schwermetallischen Strich geht. Seine Meinung teilen zu einem gewissen Grad auch Rüdiger und Marcel (jeweils Platz 12), auch wenn Jonathan mit dem vorletzten Platz den Tiefpunkt für "Roots" markiert. Ganz anders sieht das bei Stephan und mir aus, denn wir sehen die Ode an die Wurzeln der Band sogar auf dem zweiten Rang. Zugegebenermaßen kann ich aber auch die ablehnende Haltung der Kollegen verstehen, denn um mit den insgesamt 16 Tracks warm zu werden, muss eine Vorliebe für KORN oder DEFTONES schon vorhanden sein. Den damals so populären Sound dieser beiden Bands mischt das Quartett nämlich munter mit Thrash Metal und Hardcore, während die Einflüsse der brasilianischen Musik dem wilden Stilmix sogar noch die Krone aufsetzen. Daher will ich "Roots" auch an dieser Stelle nicht so sehr in musikalischer Hinsicht, sondern in Bezug auf seine Bedeutung für das Genre und die weitere Geschichte des Metals beleuchten. Lassen muss man der Scheibe nämlich eines: "Roots" ist ein musikalisches Einhorn, eine Singularität, die nur im Spannungsfeld zwischen den musikalischen Trends der Neunziger und den Wurzeln der SEPULTURA-Musiker entstehen konnte. Herausgekommen ist dabei ein Album, dessen Stilistik bis heute einzigartig ist, denn weder Max mit SOULFLY, noch die "neuen" SEPULTURA konnten diese Magie später wieder heraufbeschwören. Mit ihrem kommerziellen Erfolg ebnete die Platte gleichzeitig den Weg für viele andere Bands, die inzwischen Instrumente und Klänge aus ihren Heimatländern in ihrer Musik verarbeiten und die metallische Landschaft so um viele Farbtupfer bereichern. Darüber hinaus rückte das Album auch die Ureinwohner Brasiliens und insbesondere die Xavantes, deren Gesänge sich in 'Itsari' und dem abschließenden Hidden Track wiederfinden, in den Fokus und sorgte für ein deutlich gesteigertes Interesse an den indigenen Völkern und deren Kultur. Nur über sein kulturelles Erbe muss sich "Roots" aber nicht definieren, denn neben dem monumentalen quasi Titeltrack 'Roots Bloody Roots', den jeder Metaller schon einmal gehört hat und haben muss, liefert die Platte mit 'Cut-Throat', 'Breed Apart', 'Born Stubborn', 'Straighthate' und 'Attitude' noch eine ganze Stange von Hits ab. Wie gut die sechzehn Nummern auch als komplettes Album funktionieren, wird jeder bestätigen können, der wie ich vor einigen Jahren die "Return To Roots"-Tour von Max und Igor Cavalera besuchte, wo der Langspieler am Stück performt wurde. Ganz sicher eines der besten Konzerte, das ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe. Als Fazit bleibt also nur festzuhalten, dass "Roots" in jede metallische Sammlung gehört, denn selbst wenn ihr euch mit der musikalischen Gratwanderung nicht anfreunden könnt, ist der Platz im CD-Regal allein schon wegen der immensen Bedeutung der Scheibe als Meilenstein in der Metal-Geschichte gerechtfertigt.

4. Quadra

Als nächstes folgt mit "Quadra" dann wohl die Überraschung dieses Diskografie-Checks, denn dass es gerade dem aktuellen Album gelingen würde, die Wand der Klassiker zu durchbrechen, hätte ich vorab nicht geglaubt. Gleichzeitig sollte das auch der letzte Weckruf für alle erbitterten Max-Jünger sein, denn SEPULTURA ist anno 2020/2021 noch immer musikalisch relevant und liefert ganz klar das stärkste Album seit Mitte der Neunziger ab. Zu Gute kommt den Songs dabei, dass Kisser und Co. das zugrundeliegende Konzept rund um die Zahl Vier nicht nur als Basis für die Texte nutzen, sondern auch die musikalische Darbietung in Pakete von jeweils drei Songs aufteilen, die bestimmte Sparten des SEPULTURA-Sounds abdecken. So liefern die einzelnen Tracks Reminiszenzen an die frühen Thrash-Jahre oder die groovigen "Roots"-Tage, während auch die neu entdeckte Progressivität und die Vorliebe für Melodie vom Vorgänger "Machine Messiah" jeweils mit drei Kompositionen bedacht werden. Neben dem brachialen Riff-Fundament sind dabei vor allem die weiterhin sehr geschmackvoll und dezent platzierten Orchestrationen der große gemeinsame Nenner aller Tracks, wobei ich immer noch staunen muss, wie gut sich die von den Streichern verbreitete Epik in den Bandsound einfügt. Wenn dann noch Eloy Casagrande und Andreas Kisser in Sachen Songwriting in Hochform sind, dann dürfte es niemanden wundern, dass "Quadra" nur so vor Highlights strotzt. Los geht es da schon mit der Abrissbirne 'Isolation', die vor allem von treibenden Riffs lebt, während Casagrande mit atemberaubenden Drumming das folgende 'Means To An End' auf ein ganz neues Level hievt. 'Capital Enslavement' hätte auch wunderbar auf "Roots" passen können, während 'Raging Void' von einem gigantischen Refrain inklusive Chor-Arrangement getragen wird. Wo wir gerade von großen Hooklines sprechen, solch eingängige Gesangspassagen wie im grandiosen 'Autem' oder dem nicht minder überzeugenden 'Agony Of Defeat' gab es vielleicht noch nie in der Karriere der Brasilianer zu hören. Für mich persönlich bleibt die Krönung des Albums aber 'Guardians Of Earth', das erst mit einem Intro in bester 'Kaiowas'-Manier beginnt, nur um dann in Sachen Orchestrationen und Chören jegliche Zurückhaltung fallen zu lassen und schlussendlich mit einem wunderschönen Gitarren-Mittelteil aufzutrumpfen. Kein Wunder also, dass sämtliche Redakteure "Quadra" in den Top 6 platzieren und Chris und Jonathan sogar einen Platz auf dem Treppchen spendieren. Wenn ich ehrlich bin, hätte mich angesichts der schieren Qualität des Materials auch eine Platzierung unter den ersten Dreien in der Endabrechnung nicht wirklich überrascht, was eigentlich alles über dieses hervorragende Album sagen sollte.

3. Beneath The Remains

Weit weniger überraschend als die vorherige Platzierung kommt die Bronzemedaille für "Beneath The Remains" daher, da mit Rüdiger und Mahoni sogar zwei Redakteure die Platte aus dem Jahr 1989 als Krone des SEPULTURA-Katalogs ansehen. Einzig der Kollege Staubach liefert mit Platz 9 einen Ausreißer nach unten, während die Scheibe ansonsten nie außerhalb der ersten vier Plätze zu finden ist. Es ist aber auch wirklich schwer, am dritten Album der Brasilianer Kritikpunkte zu finden. Allein schon das eröffnende Doppel mit dem unsterblichen Titeltrack und dem stampfenden Thrasher 'Inner Self' ist unwiderstehlich und bringt die Entwicklung auf den Punkt, die der Vierer über die zwei etwas wirren und noch sehr wenig eigenständigen Vorgänger hinweg durchgemacht hat. Vor allem das Songwriter-Duo Cavalera/Kisser, das auf "Schizophrenia" schon erste Glanzmomente hat aufblitzen lassen, funktioniert auf dem zweiten gemeinsamen Album wie eine gut geölte Maschine und schüttelt einen schwermetallischen Volltreffer nach dem anderen aus dem Ärmel. Dabei gehört der angeschwärzte Thrash Metal der Anfangstage nun endgültig der Vergangenheit an und stattdessen zelebriert der Vierer einen explosiven Mix aus Thrash und Heavy Metal, der nicht nur die Nackenmuskeln bis zur Schmerzgrenze strapaziert, sondern dank einem guten Gespür für eingängige Riffs und der perfekten Balance zwischen halsbrecherischer Raserei und Mid-Tempo-Grooves auch noch direkt ins Ohr geht. Wer Ausfälle sucht, wird auf "Beneath The Remains" lange beschäftigt sein, denn von 'Stronger Than Hate' über 'Mass Hypnosis' bis hin zu 'Primitive Future' zündet einfach jeder Track. Einzig mit dem OS MUTANTES-Cover 'A Hora e a Vez do Cabelo Nascer', das in vielen späteren Neuauflagen das Album beendet, werde ich bis heute nicht so recht warm, doch das darf man angesichts der mit Highlights gespickten Trackliste sicher nicht als Kritikpunkt anführen. Kleiner Funfact am Rande: Das ikonische Albumcover war übrigens nicht die erste Wahl der Brasilianer. Ursprünglich hatten sie ein anderes Motiv von Michael Whelan im Auge, das sich Igor sogar in Teilen bereits auf den Arm tätowieren ließ, doch das Label überredete die Band schlussendlich mit dem "Nightmare In Red" betitelten Bild weiterzumachen, das wohl so inzwischen zu einem der bekanntesten Artworks der Metalgeschichte geworden sein dürfte.

2. Chaos A.D.

Ein weiteres Artwork aus der Feder Whelans dürfte wohl nicht minder bekannt sein und schmückt das Cover unseres zweiten Platzes "Chaos A.D.". Die Silbermedaille kam dabei durchaus überraschend zustande, denn während unserer Abstimmung war es vor allem Kollege Walzer, der Kritik am Album äußerte, weil es seiner Meinung nach für all das steht, was er am Metal der Neunziger nicht mag. Doch seine Platzierung an achter Stelle bleibt der einzige Ausreißer in der Bewertung dieses musikalischen Meilensteins, denn alle anderen Redakteure sehen die Scheibe aus dem Jahr 1993 in den Top 4 und bei Chris und mir geht "Chaos A.D." sogar als Sieger hervor. Es ist aber auch wirklich schwierig, Argumente gegen diese Scheibe zu finden, wenn diese direkt von einem Klassiker wie 'Refuse/Resist' und seinem wunderbar groovigen Riff eröffnet wird. Ruhe wird den strapazierten Nackenmuskeln danach nicht gegönnt, denn mit mächtigen Riffs und dem unglaublich vielschichtigen Drumming von Igor Cavalera legt 'Territory' direkt nach, bevor mit 'Slave New World' der dritte Klassiker in Serie die eröffnenden Minuten der Scheibe beschließt. Zugegeben, 'Amen' ist danach der vielleicht schwächste Song der Platte, dafür trifft 'Kaiowas' mit seinen akustischen Gitarren und großartigen Tribal-Drums wieder genau meinen Nerv. Und auch danach nimmt der Vierer keine Gefangenen, wenn 'Propaganda' mit seinen abgedrehten Riffs über den Hörer hinwegrauscht, bevor 'Biotech Is Godzilla' einem eine gehörige Hardcore-Abreibung verpasst. Der Highlight-Regen ist damit aber noch nicht beendet, denn hinten raus stampft 'Nomad' noch einmal alles in Grund und Boden, während 'Clenched Fist' mit seinen Riffs ganz deutlich in Richtung PANTERA schielt und damit schon einmal andeutet, wohin die Reise mit "Roots" später gehen wird. Über meinen persönlichen Lieblingssong 'We Who Are Not As Others', der als quasi Instrumental eine ungeahnt melodische Seite der Brasilianer zeigt, haben wir da noch gar nicht gesprochen. Gleichzeitig liefert der Song eigentlich auch das perfekte Motto für "Chaos A.D.", denn wie SEPULTURA klingt anno 1993 keine andere Band. Gepaart mit der Dichte an Klassikern und diesem unwiderstehlichen Dreierpack zur Eröffnung macht das diese Scheibe zum glasklaren Pflichtkauf im SEPULTURA-Katalog.

1. Arise

Doch bei all dem Lob für die vorherige Platzierung, ist es dennoch der direkte Vorgänger "Arise", der mit klarem Vorsprung schlussendlich in unserem Diskografie-Check den Sieg einfährt. Auf dem Weg dahin springen bei Walter, Marcel, Stephan und Jonathan gleich vier Nennungen auf Platz 1 heraus, während Rüdiger, Chris und Mahoni das vierte SEPULTURA-Album auf Platz 2 sehen. So bin ich schlussendlich mit meiner Nennung auf dem dritten Rang schon der Ausreißer nach unten - das sollte eigentlich schon alles sagen, was ihr zu dieser Scheibe wissen müsst. Parallelen lassen sich übrigens zu unserem SLAYER-Diskografie-Check ziehen, wo mit "Seasons In The Abyss" ebenfalls das Album auf Platz 1 landete, auf dem die Amerikaner erstmalig ihr halsbrecherisches Tempo drosselten und das fies stampfende Mid-Tempo für sich entdeckten. Die gleiche Entwicklung machte auch SEPULTURA zwischen "Beneath The Remains" und "Arise" durch, weshalb die neun Kompositionen aus dem Jahr 1991 öfter auf halsbrecherische Riff-Attacken verzichten und stattdessen auch dank Kissers Einflüssen fast eher in Richtung Heavy Metal schielen. Dieser Umstand sorgt dafür, dass alle Songs auf "Arise" ohne Umwege ihren Weg ins Langzeitgedächtnis finden. Einzelne Tracks als Glanzlichter herauszugreifen, grenzt damit eigentlich an Frevel. Dennoch dürfen der unsterbliche Titeltrack und natürlich auch das wunderbare 'Desperate Cry' nicht gänzlich unerwähnt bleiben, liefern sie doch in meinen Ohren die ganz großen Momente dieser Scheibe. Oft übersehen wird auch gerne das mit einer ganzen Vielzahl von feinen Riffs gesegnete 'Under Siege (Regnum Irae)', das gleichzeitig ein wenig die Richtung andeutete, die später "Chaos A.D." nehmen sollte. Ein weiterer, noch recht verhaltener Blick in die Zukunft ist 'Altered State', das erstmalig Tribal-Drums und Percussion in den SEPULTURA-Sound integriert. Schlussendlich wird dieses Monument von einem Album erneut von einem herrlich düsteren und abstrusen Artwork aus der Feder von Michael Whelan, der das visuelle Erscheinungsbild der Brasilianer in ihrer Hochphase entscheidend prägte. Unter dem Strich thront "Arise" damit vollkommen verdient an der Spitze unserer Zeitreise durch den SEPULTURA-Kosmos. Ein Metal-Meilenstein. Punkt. Aus. Ende.

Damit sind wir dann auch wieder am Ende dieser unterhaltsamen Reise durch den Kosmos der erfolgreichsten Metalband Brasiliens angekommen. Teilt ihr unsere Meinung? Liegen wir irgendwo komplett falsch? Wir freuen uns, mit euch in unserem Forum zu diskutieren. Und natürlich könnt ihr das Ganze auch noch einmal in unserer Podcast-Folge nachhören, wo Pia, Rüdiger, Marcel und meine Wenigkeit unsere ganz persönliche Sicht auf SEPULTURA darlegen.

 

Walter Scheurer:

1. Arise
2. Chaos A.D.
3. Nation
4. Beneath The Remains
5. Quadra
6. Roots
7. Machine Messiah
8. The Mediator Between ...
9. Kairos
10. Against
11. Roorback
12. A-Lex
13. Dante XXI
14. Schizophrenia
15. Bestial Devastation / Morbid Visions
Marcel Rapp:

1. Arise
2. Chaos A.D.
3. Beneath The Remains
4. Quadra
5. The Mediator Between ...
6. Machine Messiah
7. Kairos
8. A-Lex
9. Dante XXI
10. Schizophrenia
11. Bestial Devastation / Morbid Visions
12. Roots
13. Nation
14. Against
15. Roorback
Tobias Dahs:

1. Chaos A.D.
2. Roots
3. Arise
4. Beneath The Remains
5. Quadra
6. Machine Messiah
7. Kairos
8. Nation
9. The Mediator Between ...
10. Roorback
11. Schizophrenia
12. Bestial Devastation / Morbid Visions
13. Against
14. Dante XXI
15. A-Lex
Mahoni Ledl:

1. Beneath The Remains
2. Arise
3. Chaos A.D.
4. Roots
5. Quadra
6. Schizophrenia
7. Machine Messiah
8. Dante XXI
9. Roorback
10. Nation
11. Kairos
12. The Mediator Between ...
13. Bestial Devastation / Morbid Visions
14. Against
15. A-Lex
Chris Staubach:

1. Chaos A.D.
2. Arise
3. Quadra
4. Nation
5. Machine Messiah
6. Roots
7. A-Lex
8. Kairos
9. Beneath The Remains
10. Roorback
11. The Mediator Between ...
12. Dante XXI
13. Against
14. Schizophrenia
15. Bestial Devastation/ Morbid Visions
Stephan Voigtländer:

1. Arise
2. Roots
3. Beneath The Remains
4. Chaos A.D.
5. Quadra
6. Kairos
7. Nation
8. Machine Messiah
9. Dante XXI
10. Schizophrenia
11. The Mediator Between ...
12. Bestial Devastation / Morbid Visions
13. Roorback
14. Against
15. A-Lex
Jonathan Walzer:

1. Arise
2. Beneath The Remains
3. Quadra
4. Morbid Visions
5. Schizophrenia
6. Roorback
7. The Mediator Between ...
8. Chaos A.D.
9. Dante XXI
10. A-Lex
11. Kairos
12. Machine Messiah
13. Nation
14. Roots
15. Against
Rüdiger Stehle:

1. Beneath The Remains
2. Arise
3. Chaos A.D.
4. Dante XXI
5. Schizophrenia
6. Quadra
7. Machine Messiah
8. Morbid Visions / Bestial Devastation
9. Roorback
10. A-Lex
11. Kairos
12. Roots
13. The Mediator Between ...
14. Nation
15. Against

Redakteur:
Tobias Dahs
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