Listig: Wer hat den Längsten? Die besten Longtracks mit einer Spielzeit über 10 Minuten (Platz 6-10)

29.07.2023 | 22:14

Heute steigen wir in die Top Ten unserer Liste ein und buddeln uns bis Platz 6 durch. Außerdem gibt es am Ende noch einen Bonus. Lasst Euch überraschen! Wer die anderen Teile verpasst hat, darf hier oder hier oder hier hin klicken.

Kommen wir zu den Top Ten unserer Liste! Seid ihr auch schon gespannt, welche Songs unserer Redaktion so gut gefallen, dass sie es ganz nach oben in unserer Liste gebracht haben? Dann will ich Euch mal nicht länger auf die Folter spannen und Platz 10 enthüllen!

Schon wieder ist es eine deutsche Kapelle, die sich mit einem ihrer Longtracks in unsere Herzen spielen konnte. Dieses Mal handelt es sich allerdings um GAMMA RAY und den Titelsong von "Heading For Tomorrow". Bei dem Album handelt es sich um das Debütwerk der Band nachdem Kai Hansen sich von HELLOWEEN getrennt hat. Für Thommy Schmelz ist ""Heading For Tomorrow"  tatsächlich mein Lieblingsalbum von GAMMA RAY, und der Titeltrack ist das Beste was die Band jemals hervorgebracht hat" und Marius sieht in der Nummer "…ein dramatisches Epos mit einer Laufzeit von fast einer Viertelstunde über die Zukunft der Menschheit und den Sinn des Lebens…", welches für ihn "…ein leider viel zu oft übersehener Höhepunkt im vielfältigen Schaffen Kai Hansens…" darstellt. Ihr merkt es, die Superlative kommen schnell und flüssig. So auch aus den Fingern von Tobias: "Nach dem Abgang bei HELLOWEEN hat Kai Hansen seine Liebe zu Longtracks bei GAMMA RAY in zahlreichen Songs verewigt, doch 'Heading For Tomorrow' thront auch wegen Ralf Scheepers einmaliger Gesangsleistung und den absolut fantastischen Riffs von Kai mindestens einen Kopf über allen anderen Tracks des Bandkatalogs." Selbst Mister Rosenthal, der die Stärken der Band anderswo zu hören scheint, ist voller Euphorie: "Auch wenn die stärksten GAMMA RAY-Songs eher auf kürzerer Distanz punkten, zeigt auch diese Nummer eindrucksvoll ("High Five" für den Chorus), warum diese Spielwiese von Kai Hansen bei mir immer eine wichtigere Rolle spielen wird, als der vermeintlich größere Bruder HELLOWEEN." Da kann der auf den Punkt gebrachte Kommentar von unserem Hans-Rapp-In-Allen-Gassen die Begeisterung nur noch zum Überkochen bringen. "Was HELLOWEEN kann, kann auch GAMMA RAY: ein melodischer, progressiv-eingängiger Mammutsong, der den kreativen Fingerabdruck eines Kai Hansen mehr als eindrucksvoll zur Schau stellt." Okay, Essen ist fertig. Grevenbroich auch!

Für Platz 9 reisen wir nach Skandinavien. Nach Finnland, um genau zu sein. Im Jahr 2015 veröffentlicht die Band NIGHTWISH ein Album namens "Endless Forms Most Beautiful", auf welchem sich der knapp 25 Minuten lange Song 'The Greatest Show On Earth' befindet. Es ist das erste Album der Band mit Floor Jansen als Sängerin. Die Band landet in Deutschland mit der Scheibe auf Platz zwei der Media Control Charts und kann auch weltweit Top-Positionen in den Hitparaden verbuchen. Musikalisch ist dieser monumentale Longtrack eine Art Evolutionsgeschichte, orientiert er sich doch unter anderem an Dawkins Theorien. Das begeistert auch unseren Frank Jäger: "Eine metallische Dawkins-Interpretation mit Kitschfaktor, der man abnimmt, dass es dem Komponisten eine Herzensangelegenheit war und ist, und die sich Zeit nimmt, das Thema sowohl lyrisch als auch musikalisch umzusetzen." Und auch Tobias ist fasziniert von der gekonnten Verknüpfung der Musik mit dem Thema: "Dass man die Geschichte des Lebens auf unserem Planeten so eindringlich vertonen könnte, hätte ich nicht gedacht. Und der Gastauftritt von Professor Dawkins ist die Kirsche der Torte, die dieses symphonische Epos ist." Mit Himbeeren hättest du mich gehabt, Tobi. Andere Teilnehmer sind einfach nur tief bewegt von der Nummer, wie man den Worten von Marcel schnell anmerken kann: "Dieser im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Longtrack macht seinem hochgelobten Titel alle Ehre und treibt mir auch Jahre später noch die Tränen in die Augen." Verständlich, denn die Notenfolgen dringen tief in den Hörer ein und wirken durch die symphonische Instrumentierung doppelt gewaltig. Da versteht man, dass Frank Wilkens seit seiner ersten Begegnung mit der Nummer noch immer vollkommen begeistert ist. "Dieser Song begleitet mich, seit ich ihn bei der Listening Session zum Album das erste Mal gehört habe und wohin die Reise auch immer gehen mag, dieses Lied ist dabei." Additiv muss man feststellen, dass diese Mammutnummer auch in einer Livesituation komplett fesseln kann. Thommy Schmelz weiß dies zu bestätigen: "Der Song hat mich vor allem in der grandiosen Livedarbietung begeistert." Bei so viel Begeisterung in allen erdenklichen Lebenslagen ist es klar, dass 'The Greatest Show On Earth' so eine hohe Platzierung bei uns erhält. Well done!

Platz 8 wird von einem Dinosaurier besetzt, den ich tatsächlich noch etwas höher vermutet hatte. Immerhin sieben Kollegen haben diesen Song in ihren Listen und somit ist es keine Überraschung, dass das kanadische Trio RUSH sich unter den ersten 10 einnisten kann. Die gewählte Nummer hört auf den klangvollen Namen '2112' und ist der Titelsong des gleichnamigen Albums aus dem Jahr 1976. Obwohl am 01.04. erschienen, handelt es sich bei der Scheibe nicht um einen Aprilscherz. Vielmehr ging es der Band darum, ihren Plattenvertrag nicht zu verlieren, nachdem der Vorgänger "Caress Of Steel" weit unter der Erwartungshaltung ihres Vertragspartners zurück blieb. Anstatt nun aber auf Nummer sicher zu setzen, fabrizieren die Jungs einfach mal einen Song, der die komplette A-Seite des Albums umfasst und netterweise in sieben Kapitel unterteilt ist. 'Temples Of Syrinx' wird im Jahr danach sogar als einzelner Part als Single veröffentlicht. Das Erstaunliche an "2112" ist aber die Tatsache, dass die Scheibe quasi den kommerziellen Durchbruch für die Band in den Staaten darstellt. Mit mehr als drei Millionen verkauften Einheiten ist es bis heute nach "Moving Pictures" die bestverkaufte RUSH-Scheibe in den USA. Aber auch redaktionsintern sind sich viele über die Klasse des Materials einig. Während der Jäger-Frank folgendes in die Tasten tippt: "Das ist kein Song, das ist ein ganzes Science-Fiction-Buch, umgesetzt mit der typischen RUSH-Brillanz und der frühen, hardrockigen Wildheit der Siebziger", kommt Timo zu diesem Schluss: "Diese vertonte Science-Fiction-Story zeigt die heilige Dreifaltigkeit der progressiven Rockmusik Lee/Lifeson/Peart in unglaublicher Form." Religiöse Verehrung, wie man sie bei dieser  Band gern mal lesen darf. Aber auch die jüngeren Semester sind angetan. Tobias hat das Wort: "RUSH ist eine einmalige Band mit Klassikern ohne Ende, doch kein Song bringt den Spirit und die Kreativität des Trios so gut auf den Punkt wie '2112'. Allein die Tatsache, dass sich hier 20 Minuten wie fünf anfühlen, qualifiziert das Epos für diese Liste." Und auch Herr Rapp kann sich kaum zügeln: "Über 20 Minuten lang hält '2112' in sieben Abschnitten alles bereit, was den Prog Rock ausmacht: ein zeitloses Thema, Vielfalt in Hülle und Fülle und eine musikalische Achterbahnfahrt, die neben Spannung auch nie den roten Faden außer Acht lässt." Thommy Schmelz argumentiert erneut mit der livehaftigen Darbietung: "Durfte ich zumindest einmal live erleben, bei dem Stück hatte ich Pipi in den Augen", während Peter schlicht "70er-Prog geht nicht besser" schreibt. Stimmt.

Platz sieben ist eine Band, die bereits Erwähnung in einem Text zu einem anderen Song finden konnte und die man hier natürlich ebenfalls erwarten konnte. Die Rede ist natürlich von HELLOWEEN und ihrem Magnus Opus 'Keeper Of The Seven Keys'. Der Titelsong des zweiten Teils der gleichnamigen Alben aus den Jahren 1987 und 1988 ist eine 13:37 Minuten lange Achterbahnfahrt durch die Spielarten des frühen Power Metal. Da die Band an sich schon als einer der Urväter des melodischen Power Metals gezählt werden darf, ist eine Nennung dieses Songs in unserer Liste quasi unvermeidlich. Jhonny attestiert: "Was sich beim ersten Longtrack angedeutet hatte, wird hier voll ausgelebt, inklusive Taktwechsel und herausragendem Gesang." Und auch Herr Schmelz tutet in dieses Horn: "Finde ich tatsächlich etwas besser als 'Halloween' vom ersten "Keepers"-Album." Aber es gibt auch minimalen Widerspruch, denn Marcel schreibt: "Zwar hat 'Halloween' minimal die Nase vorn und trotzdem begegnen wir dem Wächter der sieben Schlüssel auf dramatische, geheimnisvolle und vor Kreativität nur so strotzende Art und Weise." Kenni ist einfach begeistert: "Episch, abwechslungsreich und immer packend. Der perfekte Abschlusstrack für ein perfektes Album!", während Fränky in Erinnerungen schwelgt: "Erinnerungen an meine wilde Hamburger Zeit." Möchtest du uns etwas mitteilen, Fränky? Wir sind hier ja unter uns. Anyway, lassen wir Rüdiger das Abschlusswort: "Sicherlich das Standardwerk schlechthin, in Sachen Fantasy-Epik im melodischen Heavy Metal." So viel Sachlichkeit in der Begeisterung, möchtest du in den Norden ziehen? Das Album selbst kann in Deutschland immerhin Platz 5 der Hitparaden erklimmen und erreicht damit sogar Gold-Status. Für den grantigen jungen Schreiber hier war das Album damals viel zu fröhlich und meine vormals liebgewonnenen Heimathelden waren uninteressant geworden. Unterschiedliche Ohren, unterschiedliche Empfindungen.

Nach so viel jungem Gemüse nun quasi das Gegenteil. Zumindest mit dem Attribut "jung" kann man die britischen Herrschaften heute kaum noch beschreiben, ob es zur betitelten Mahlzeit eventuell auch Grünzeug gab, weiß man heute nicht mehr. Der religiöse Bezug lässt dies eher unwahrscheinlich machen, denn da hatte man mampftechnisch ja zumeist eher alkoholischen Traubensaft und dröges Brot im Sinn. Jeder, wie er mag. Wer sich nun noch immer fragt, von welchem Song hier die Rede ist, dem gebe ich mal GENESIS und 'Suppers Ready' mit auf den Weg. Der auf dem 1972er Album "Foxtrot" stehende Song findet sieben Freunde in unseren Reihen. Ich bin keiner von ihnen, denn ich suche immer noch vergeblich die Widerhaken in der Musik von GENESIS. Daher halten die dummen Ohren jetzt den Mund und übergeben an die klugen Lauscher. Und diese überschlagen sich mit Sup(p)erlativen: Walter orientiert sich dabei gekonnt am Titel und attestiert den Briten "Ein Hauptbestandteil der Ursuppe des Prog Rock - Mahlzeit!" zu sein. Okay, bei Suppen stehe ich eher auf Kürbisse. Aber die hatten wir ja weiter oben schon. Da klingen Fränkys Wort beinahe etwas schroff: "Ein Meilenstein in Sachen progressiver Rockmusik, auch wenn das Album "Foxtrot" nicht der ganz große Wurf ist." Ah, bin ich doch nicht ganz alleine. Danke, Fränky! Aber der Namensvetter zerstört meine Hoffnung auf Verständnis: "Dies ist der Archetyp des Longtracks mit vertrackter Gabriel'scher Lyrik über die biblischen Offenbarungen und eine musikalische und spirituelle Reise, die den Hörer auf der gesamten Länge gefangen nimmt." Uff. Und Jhonny legt nach: "Vielleicht das Magnum Opus der Longtracks, mit Taktwechseln und faszinierender Erzählung." Uffuff. Tobi sieht "GENESIS auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität in der Gabriel-Ära. Ein verrückter, vertrackter und großteils einfach verzaubernder Track" und Thommy Schmelz sieht und hört "den besten Song der Peter Gabriel-Ära!" Um der ganzen Lobhudelei die Krone aufzusetzen, haut Stefan Rosenthal dann schlussendlich folgende Analyse raus: "Die  Referenzklasse für einen 1970er Progrock-Track und eine kreative Atombombe, welche auch noch heute, vollkommen zurecht, Legionen an Bands gleichermaßen beeinflusst und vor unlösbare Aufgaben stellt." Auch manche Zuhörer, Stefan. Aber lasst Euch nicht von altersschwachen Grau-Ohren beeinflussen, liebe Leser, die Nummer ist unbestritten ein Klassiker des Genres.

Und wo wir gerade schon bei den Dummheiten des Schreibers sind, muss ich hier ein Geständnis ablegen. Beim Zusammenstellen ist mir ein – freud'scher (?) – Fehler unterlaufen. Aus irgendeinem Grund ist mir ein Song beim Addieren durchgerutscht. Diesen Fehler möchte ich hier gern korrigieren und reiche diesen Song nun als Bonus nach. Auf Platz 21 stehen nämlich unsere fellbehosten Freunde von MANOWAR mit ihrem epochalen 'Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts' vom 92er Album "The Triumph Of Steel". Das Album landete insgesamt auf Platz sieben unseres kürzlich veröffentlichten Diskographie-Checks, in dessen schriftlichem Verlauf sich unsere beiden MANOWAR-Experten Rüdiger und Stefan eloquent mit fluffigen Wortgebilden duellieren. Prädikat: very lesenswert. Aber zurück zum eigentlichen Geschehen. Da ich im Jahr 1992 schon sehr weit von MANOWAR weg war und hier keinen unqualifizierten Buchstabengulasch schreiben möchte, gebe ich die Tastatur erst einmal an Marius: "Aus dieser Fülle an Ideen machen andere Bands mehrere Alben. Diesem halbstündigen Sturm aus packender Epik, bahnbrechender Progressivität und opulenter Angeberei kann nicht mal Excel seinen Ruhm verwehren. Ein Wahnsinn." Oha, vielleicht sollte ich mir das doch mal anhören?! Marcel toppt die Begeisterung mit "Anschnallen, hinsetzen und genießen! Ein Track, der von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt und dessen für mich stärkster Part als Grande Finale dieses Magnus Opus fulminant und wuchtig zum Abschluss bringt. Und das ist erst der Anfang eines ohnehin sehr starken Outputs, wow!" Würde ich meine Ohren nicht besser kennen, wäre dies ein 100%er Kaufimpuls. Aber Rüdiger bringt mich sachlich wortgewandt auf den Boden der Tatsachen zurück: "Ein Mammutwerk, das stets die Geister schied, ob seiner Länge, ob seiner ausufernden Instrumentalparts, doch am Ende war und ist es einer der progressivsten, mutigsten und kreativsten Songs der Band, der Homer auf sehr bewegende und dramatische Art in die Sprache des Heavy Metals übersetzt, und der Eric Adams viele Gefühlswelten der Protagonisten durchleben lässt, eben von der Ekstase bis zur Agonie." Da gehöre ich wohl zu den scheidenden Geistern, was aber auch am Kopfkino liegt, welches ich bei dieser Band leider nicht abstellen kann. Mein Fehler, ich weiß.

Redakteur:
Holger Andrae

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