Perlen der Redaktion: Jonathan Walzers Highlights 2020

23.01.2021 | 14:40

Wer behauptet, 2020 wäre musikalisch schlecht gewesen?

2020 war für Deutschland und die Welt ein sehr herausforderndes Jahr. Persönlich habe ich es aber, zugegebenermaßen, als eher entspannt empfunden. Ich hatte viel Zeit im Homeoffice, viel Zeit mit meiner Familie, und etliche entspannte Abende (oft online) mit Freunden. Dazu habe ich viel Musik gehört. Trotzdem habe ich meine Plattensammlung radikal um fast 60% verkleinert. Und ich lebe ganz gut damit. Und eine dreistellige Zahl an neuen CDs ist trotzdem wieder ins Regal gewandert. Viele 2020er Alben, die ich gut fand, finden damit in diesem Text und meiner persönlichen Top 20 keine Berücksichtigung.

Das Album des Jahres stand im Grunde fest, als WYTCH HAZEL den dritten Longplayer ankündigte. Rockiger als auf dem Vorgänger, aber weiter ähnlich mystisch und absolut eigenständig sind die Briten um Obersympath Colin Hendra unterwegs. Und das ist gut so.

Auf Platz zwei folgt das Sommeralbum von TAYLOR SWIFT, der größten Popmusikerin der Welt. "Folklore" ist der brutale Stilbruch, den man sich vielleicht erträumt, aber nicht erwartet hatte. Jedes ihrer Alben der letzten zehn Jahre erreichte meine Jahres-Top-10, aber keines war dabei so überragend wie dieses. Die Hater in der Metalszene können gerne abhaten, es ist mir egal. Die Songwriting-Königin hat zugeschlagen, diesmal zwischen Folk, Country und Indie-Rock.

Auch die Briten DARK FOREST, die quasi die metallische Variante von WYTCH HAZEL abbilden, konnten mich wieder vollends in ihren Bann ziehen. Dieser mystisch angehauchte, mittelalterlich-folkloristisch gespielte Metal mit HELLOWEEN-Gedächtnis-Melodien geht eigentlich immer.

Und natürlich gab es viele weitere Highlights. Ich fange mal außerhalb des Metal an. Edelpop pur gab es auf dem perfekt produzierten zweiten DUA LIPA-Album. BRUCE SPRINGSTEEN kehrte mit der E STREET BAND in der Form seines Lebens zurück. Die IDLES zeigten, dass Punk auch 2020 noch relevant und revolutionär sein kann. MYRKUR entführte mich in die Welt des nordischen Folk - mit einer Amerikanerin als kreativer Hauptenergie! Und TAYLOR SWIFT zeigte auch mit ihrem zweiten (!) Album nach dem Lockdown, dass sie die Königin der weltweiten Popszene ist. Überzeugt hat mich zudem das neueste Studioalbum der Grunge-Könige PEARL JAM. Und NEAL MORSE gelang ein weiteres Prog-Juwel in gewohnter Form.

Im AOR waren es vor allem PRIDE OF LIONS und THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, die mein Herz begeisterten - aber auch SHAFT OF STEELE, AUTUMN'S CHILD, MAGNUM, HORISONT, WAITING FOR MONDAY, TOTO oder KANSAS zeigten, dass dieses Genre nicht zum alten Eisen gehört. Nicht vergessen werden sollte AXEL RUDI PELL, der stärker denn je auf Melodic Metal verzichtete und echte AOR-Hymnen präsentierte.

Im extremeren Metal waren die eigenständigen Finnen HAVUKRUUNU sowie UADA ganz vorne mit dabei. Auch HORN aus Deutschland konnte mich hier überzeugen. Und VADER brachte uns das absolute Polen-Death-Metal-Brett. Für mich das beste Stück Todesstahl aus 2020.

DEAD LORD sogte für die nötige Portion großartigen Retro-Rock. Zwar wird die Form der ersten beiden Alben wahrscheinlich nie wieder erreicht, aber großartige gute Laune bleibt garantiert. Als letztes aus der Liste ist das großartige AC/DC-Comeback geflogen, das Hard Rocker natürlich ebenso lieben sollten. Und fast genauso knapp wurde es für DEEP PURPLE, das mir vielleicht doch zu sehr business as usual auf höchstem Niveau war. Sphärisch ging es zu bei SPELL, am Rande zwischen Retro Rock und Metal.

Und dann, das Kernelement: der klassische Metal. Nichts läuft bei mir öfter, auch ohne meine geliebten "Keep It True"- oder "Trveheim"-Festivals, die ich 2020 am meisten vermisst habe. ETERNAL CHAMPION kehrte mit unfassbarer Wucht zurück, völlig überrascht wurde ich zudem von der Qualitätssteigerung bei COMMUNIC. CIRITH UNGOL brachte uns das Bilderbuch-Comeback des Jahres (dicht gefolgt von PSYCHOTIC WALTZ oder HITTMAN... was für ein Jahr für alte Helden!). Und IRONSWORD zeigte, dass wir uns nach dem Ende von MANILLA ROAD keine Sorge um die schönste Spielart des klassischen Metals (den Epic Metal) machen müssen. Wer auf Power steht, der muss natürlich ARMORED SAINT lieben. Kaum eine Band würde ich lieber endlich wieder live sehen. Meine Attention Span würde das aushalten. LORD VIGO zeigte, dass guter Epic Metal auch aus deutschen Landen kommt. Und STALLION brachte uns das bisher beste Album der Bandgeschichte. Ebenfalls groß und nicht mehr ganz in der Top 20 waren zum Beispiel STRYPER, FALCONER, AMBUSH, CARDINALS FOLLY, BÜTCHER und OLD MOTHER HELL. Stark war auch die Debüt-EP von VIPER QUEEN.

Meine Güte, was für ein hammergutes Jahr in musikalischer Hinsicht! Dazu die FER DE LANCE-EP, und ganz feine Re-Releases von MASTEDON, IRONSWORD, SANCTUM, BARREN CROSS, HALO, MARE und VARATHRON.

Was wünsche ich mir für 2021? Endlich wieder Live-Konzerte (mein letztes war im Spätsommer 2019)! Festival-Feeling im Sommer... gute neue Alben: Am liebsten wäre mir neuer Stoff von IRON MAIDEN, BLIND GUARDIAN, HAMMERFALL und SAVATAGE (OK, das letzte ist unrealistisch). Natürlich, dass genügend Leute sich impfen lassen und wir weitestgehend in eine angenehme Post-Covid-Zeit vorrücken können, in der zum Beispiel dem Umweltschutz ein angemessener Rang auch vonseiten der deutschen Politik eingeräumt wird. Und vor allem viele Begegnungen mit sympathischen metallischen Freunden aus allerlei Ländern.

 

Die besten Alben des Jahres:

Rang Band Album
1. Wytch Hazel III: Pentecost
2. Taylor Swift Folklore
3. Dark Forest Oak, Ash & Thorn
4. Eternal Champion Ravening Iron
5. Dua Lipa Future Nostalgia
6. Bruce Springsteen Letter To You
7. Communic Hiding From The World
8. Cirith Ungol Forever Black
9. Idles Ultra Mono
10. Dead Lord Surrender
11. Ironsword Servants Of Steel
12. Myrkur Folkesang
13. The Night Flight Orchestra Aeromantic
14. Havukruunu Uinuos Syömein Sota
15. Armored Saint Punching The Sky
16. Taylor Swift Evermore
17. Lord Vigo Danse De Noir
18. Uada Djinn
19. Pride Of Lions Lion Heart
20. Stallion Slaves Of Time

Redakteur:
Jonathan Walzer

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