Perlen der Redaktion: Kevin Hungers Highlights 2025

21.01.2026 | 20:43

Die letzte Stunde von 2025 hat bereits geschlagen und ich blicke ebenfalls musikalisch zurück. Es war sehr viel Schönes dabei, viel Versäumtes und dennoch hat es alles seine Richtigkeit.

2025 ist nun ebenfalls in die ewigen Jagdgründe eingezogen und ich möchte mir auch nicht die Gelegenheit nehmen lassen, auf meine musikalischen Highlights zurückzublicken. Gerade auch deswegen, da 2025 mein erstes komplettes Jahr in der Redaktion von POWERMETAL.de seit meinem Einstieg im Oktober 2024 ist. Persönlich war das vergangene Jahr etwas, was man wohl als Übergangsjahr bezeichnen könnte. Vieles war gut, manches war sogar überragend und fast schon magisch, Tiefschläge gab es unweigerlich auch. Ein weiteres Highlight war es, einige Kollegen aus der Redaktion auf dem "Rockharz"-Festival und auf dem "Summer Breeze"-Festival persönlich getroffen zu haben. Aber weitere persönliche Eskapaden oder gar politische Ausschweifungen möchte ich euch hier ersparen. Gleiches trifft auf potenzielle musikalische Enttäuschungen zu. Lieber blicke ich auf das, was mich musikalisch bewegt und begeistert hat.

So eine Liste zu erstellen, ist irgendwie immer, als würde man vor einem großen Knäuel an unzähligen Alben stehen, die man dann zu einem Gebilde von so exorbitanter Schönheit zusammenzufügen muss. Alles nach Platz 15 habe ich nicht in Stein gemeißelt und es hat eher spontanen Charakter. Alle Alben, die dem einen oder anderen hier fehlen, sind mir dann schlicht durch die Lappen gegangen. Ja, HELLOWEEN, CORONER, BEHEMOTH etc., waren alle auf meinem Radar, aber letztlich habe ich sie aus dem Sichtfeld verloren oder zu selten gehört, um diese angemessen bewerten zu können. Und ja: Ich bin selber erschrocken. Mea culpa! Wenn das mal nicht ein guter Vorsatz für 2026 ist: Neue Alben auch wirklich direkt zum Release hören. Doch genug von persönlichen Versäumnissen, zäumen wir das tote Pferd 2025 von hinten auf.

Auf der Zehn ist der neuste Streich von AVATARIUM. Eine Band, die ich Jahre erst kritisch beäugt und dann mich langsam herangetastet habe. 'Lady In The Lamp' hat mich dann begeistert, bevor 'Long Black Waves' von "Between You, God, The Devil And The Dead" schließlich mein Schicksal besiegelt hat. Mit Jennie-Ann Smith hat diese Band so eine begnadete und grandiose Sängerin am Mikro mit einem Timbre, an dem ich mich nicht satt hören kann. Beim diesjährigen "Rockharz"-Festival wollte ich am Ende bei 'Moonhorse' vor Ehrfurcht auf die Knie gehen. Den wieder etwas Doom-orientierten Ansatz bei Songs wie 'Long Black Waves' und 'Until Forever And Again' begrüße ich dabei sehr, gleichzeitig vernachlässigt AVATARIUM ihre Rockeinflüsse mit 'I See You Better In The Dark' nicht und huldigt da hörbar den 70ern. Der abschließende Titeltrack ist dann nur die Krönung eines wunderbaren Albums einer wunderbaren Band.

DEAR DESOLATION! Weiter geht es mit "Scorched Earth" von HARAKIRI FOR THE SKY. Diese Musik funktioniert für mich wie kaum eine andere Band im Zusammenspiel mit den Texten. Die Österreicher gehen da komplett deprimierend zu Werke und in Kombination mit den ausufernden Kompositionen ergibt sich ein Mahlstrom der Emotionen, was beim Hören belohnend, aber auch völlig niederschmetternd ist. Wenn ich da an die einleitende Klavierpassage von 'Keep Me Longing' denke oder diese fast schon heroische Gitarrenmelodie… das trifft in vielen Momenten zu 100% meinen Geschmack und ich kann mich in den überlangen Stücken immer wieder verlieren und vergesse die Zeit. Trotz der fast ständigen Überlänge vergehen Songs wie 'Without You I'm Just A Sad Song' wie im Flug und man wird immer wieder von tollen Melodien geerdet, bevor der nächste Hammerschlag kommt. Im Vergleich zum letzten Album "Mære" von 2021 geht HARAKIRI FOR THE SKY wieder ein bisschen dynamischer zu Werke, wodurch der neuste Streich luftiger wirkt und es diesem wortwörtlich mehr Platz zum Atmen gibt. Verbrannte Erde wird hier ohne Zweifel hinterlassen. Nur selten war diese so schön anzusehen.

"March Of The Unheard" wäre noch vor einigen Monaten wesentlich weiter hinten auf meiner Liste gelandet. Zum Release begeisterten mich die Singles, aber abseits davon wollte nichts hängenbleiben und ich habe das Album dann für lange Zeit links liegen gelassen. Das Debüt wirkte im direkten Vergleich schlicht übermächtig. 'What We've Become' hat sich dann vor einigen Wochen in eine Playlist verirrt und das hat wie ein Streichholz den ganzen Schuppen in Brand gesteckt. Plötzlich zündeten die restlichen Songs. Wie geil ist eigentlich das Intro 'This Curse Of Silence' zum namensgebenden Song? 'Detonate' äh…detoniert fast vor Spielfreude und erzeugt einen Flächenbrand, der erst erlischt, wenn die letzten Töne von 'Coda' verklungen sind. 2025 spielt keiner den Oldschool-Göteborg-Sound besser als THE HALO EFFECT und lindert damit spürbar meinen Verdruss gegenüber dem, was IN FLAMES seit Jahren auf die schutzlose Hörerschaft loslässt.

KATATONIA ist seit Jahren einfach eine sichere Bank, wenn es um anspruchsvollen, melancholischen Metal geht. Und erneut war es auch bei "Nightmares As Extensions Of The Waking State" so, dass die ersten Durchläufe kaum Erkenntnisse brachten und das Album sehr verschlossen daher kam, ohne zu begeistern. Doch ab einem Punkt war man dann wie in diesem titelgebenden, wunderschönen Albtraum gefangen und konnte nur den Songs verfallen. "Nightmares…" hat so viele Stimmungen und Texturen zu bieten, die sich auch nicht wirklich abnutzen. 'Wind Of No Change' ist unterschwellig fast schon brutal, 'Warden' mit seinem Uptempo-Refrain ein absoluter Abräumer und das schwedisch gesungene 'Efter Solen'? Einfach wow. Auch ohne Anders Nyström liefern Jonas Renkse und KATATONIA ganz hochqualitative Musik ab, die sicherlich nicht in allen Momenten wirkt, aber wenn, dann gnadenlos effektiv.

AMORPHIS hat seit gefühlten Ewigkeiten einen ganz besonderen Platz unter meinen Lieblingsbands. Unter all den großartigen Bands aus Suomi sticht diese Truppe mit ihren einzigartigen Melodien heraus, keine andere Band schreibt solche originellen Melodien und webt daraus immer hochklassige, nicht selten magische Songs. Als ich im März mit Keyboarder Santeri über das kommende Album sprach, meinte er: "It will be even more melodic." Anfangs hat mir auch ein wenig der Punch gefehlt. Es war recht handzahm und hatte mit Metal nur eher beiläufig was zu tun. Sakrileg! Doch wenn man einen Song wie 'Fog To Fog' schreiben kann, der mir beim ersten Hören die Freudentränen in die Augen trieb… dann ist es mir völlig egal, ob das jetzt weniger Metal ist oder nicht. Es berührt mich weiterhin und darum geht es. "Borderland" hat dabei wieder so viel zu entdecken und absolut jeder Ton sitzt an der richtigen Stelle. Sänger Tomi Joutsen liefert dabei wieder eine Masterclass ab, sein Wechsel zwischen abgrundtiefen Growls und seinem schmeichelnden Klargesang ist auch nach fast 20 Jahren ein Gedicht. Das tanzbare 'Light And Shadow' ist dabei genau so wunderbar wie das sperrige 'The Lantern' oder das mitreißende 'The Strange'. Oder oder oder. Wirklich jeder Song ist ganz groß und ich habe meine anfänglichen Zweifel nur zu gerne über Bord geworfen und huldige diesen Herren aus Finnland weiterhin bedingungslos. Esa Holopainen ist eh ein absolutes Genie an der Gitarre.

Wenn Bands übermäßig gehyped werden, beäuge ich das immer mit einer gewissen Vorsicht. Don't believe the hype! Eben weil der Hype in nur wenigen Fällen tatsächlich gerechtfertigt ist. Im Fall von ORBIT CULTURE redet man oft von dem nächsten großen Ding. Das kann dann für eine Band eher eine Bürde sein. Ich mochte den Vorgänger "Descent" schon, allerdings kristallisierten sich die Brecher schnell heraus. Aber ORBIT CULTURE hat eine geheime Formel gefunden, die knallt wie nichts Gutes. Dass die Band dann noch ein paar Schippen Backpfeifen obendrauf packen kann, hat mir "Death Above Life" schlagartig klargemacht. So ein unbarmherziges Brett, was dir die gesamte Mundkeramik mit einem Dauerfeuer zertrümmert, habe ich lange nicht mehr gehört. Da ist so ein Durchlauf nicht nur anstrengend, es fordert wirklich alles ab. Eine Band muss für mich nicht immer brutaler, schneller, weiter werden. ORBIT CULTURE hat mir allerdings auch gezeigt: Das kann immer noch Spaß machen, selbst wenn man glaubt, jeden Brutalitätsgrad zu kennen. Ja, der Titelsong ist stumpf, aber Jesus und Maria, rasiert dieses Teil! Diese Truppe um Niklas Karlsson macht verdammt viel richtig, trifft damit auch einen Nerv und in dem Fall auch einen Nerv bei mir. Ich will die gesamte Wohnzimmereinrichtung zertrümmern und immer mehr Eskalation. Was "Death Above Life" mit einem fetten Grinsen auch liefert. Genau wie andere typische Hymnen wie 'The Tales Of War'. Während ich diese Zeilen schreibe, eskaliert 'Hydra' komplett und ich will da einfach nur HNNNNGHHHH. Sorry. Es ist einfach nur gnadenlos gut. Nur um dann auch Songs wie 'The Path I Walk' zu liefern. Der zeigt, dass ORBIT CULTURE keine eindimensionale Richtung verfolgt. Dazu präsentieren sich die Jungs so grundsympathisch, die muss man einfach mögen. Ist der Hype gerechtfertigt? Für mich schon, ORBIT CULTURE ist für mich die interessanteste neue Band der letzten Jahre, der ich jeden Erfolg komplett gönne.

Als Gitarrist David Andersson 2022 tragisch diese Welt verlassen hat, war meine erste Sorge, dass mit ihm auch THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA gehen würde, war es doch sein Herzensprojekt. Drei Jahre später sind wir jetzt doch wieder in den 80ern gelandet und THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA fordert, dass wir den Mond rausgeben. Immer wenn das Orchester um Björn "Speed" Strid einen neuen Nostalgietrip veröffentlicht, fand ich es nie fair, das in Konkurrenz zu den anderen Metal-Alben zu stellen, die im selben Jahr erschienen sind. Doch "Give Us The Moon" nimmt da eine Sonderstellung ein. Funktioniert diese Band überhaupt ohne ihren Hauptsongwriter? Ja, zum Glück. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich dieser Silberling hartnäckig in meinen Gehörgängen eingenistet. Da ich damals bei der Gruppentherapie nicht so amused über den Releasezeitpunkt war, wollte ich das Album bis zum Sommer einmotten und dann mit den passenden Umwelteinflüssen einen weiteren Versuch starten. Eigentlich. Das Teil kreiste dann auch in den dunkelsten Nächten munter im Player. Es gibt einfach wieder nur Hits. David Andersson steuerte mit 'Like The Beating Of A Heart' gänsehauterzeugend aus dem Jenseits vielleicht ein letztes Mal sein unglaubliches Talent für dieses Sub-Genre bei, daneben gibt es andere Kracher wie den Rocker 'Melbourne, May I?', das unbeschwerte 'Miraculous' oder den auschweifenden Abschluss 'Stewardess, Empress, Hot Mess (And The Captain Of Pain)'. Oder das saucoole 'Runaways' mit dem wohl käsigsten Intro seit dem fast schon legendären Telefonat aus 'Living For The Nighttime'. Am Ende steht für mich die Erkenntnis, dass dieses Orchester weiterhin seine Bahnen ziehen wird und das ganz im Sinne von Doktor David. Rest in peace, sweet Doctor!

GHOST ist einfach eine sichere Bank. Geliebt von den einen, verachtet von den anderen. Was man allerdings nicht verneinen kann: Tobias Forge hat ein untrügerisches Gespür für meisterhaftes Songwriting und schreibt Hits in so einer hohen Schlagzahl, dass es kaum zu fassen ist. Das dritte Werk "Meliora" ist für mich eines der Alben für die berühmte einsame Insel. Und was hatte ich mich vor "Prequelle" auf die Ankündigung gefreut, dass es wieder düsterer werden soll. Nur um dann am Ende etwas noch Poppigeres zu bekommen. Es war dann allerdings eine Lehrstunde, wie man eingängige Songs schreiben kann, die auch noch nach Jahren Substanz besitzen. Diesen Weg geht GHOST auch mit "Skelatá" konsequent weiter und es hat mich erneut von vorne bis hinten komplett überzeugt. Bei GHOST greift alles wie ein Schweizer Uhrwerk zusammen: die überragenden Songs, die Bandlore, die Bühnenshows. Keine andere Rockband schafft es, alles in Einklang zu setzen. 'Peacefield' zu Beginn ist ein einziger Wow-Effekt, 'Satanised' lässt mich aus voller Kehle mitgröhlen, 'Cenotaph' kommt so unscheinbar, so bieder daher und kurz darauf muss man einfach mitgrooven. 'Marks Of The Evil One' treibt mich jedes Mal in den Wahnsinn. Es stimmt einfach alles. Es gibt die großen Gesten, die Hits, den spitzbübischen Humor, kurz: den Spaß. "Skelatá" ist GHOST in Reinkultur, nah an der Perfektion und macht einfach nur große Laune. Obendrauf gibt es noch eins der schönsten Artworks des Jahres.

Dass PARADISE LOST so weit oben landen würde, das habe ich so gar nicht erwartet. Nicht, weil ich "Obsidian" nicht mochte. Aber dass "Ascension" einfach mal alles in den Schatten stellt, was die Band seit mindestens "The Plague Within" fabriziert hat, das ist der helle Wahnsinn. Die Entwicklung dieser Band fasziniert mich seit jeher, von Death-Doom über Gothic Metal hin zu fast ausschließlich elektronischen Klängen und dann den ganzen Weg wieder zurück. Und jetzt im Spätherbst der Karriere so ein Brett. Kein anderes Album habe ich dieses Jahr so oft am Stück gehört und mich immer wieder auf den nächsten Song gefreut, da "Ascension" so viel zu bieten hat. Schon der Beginn mit 'Serpents On The Cross' mit dieser einsamen Kinderstimme hat für mich sofort eine Magie erzeugt, die mich gepackt hat. 'Tyrants Serenade' im direkten Anschluss vereint so viele Stilelemente der gesamten Karriere von PARADISE LOST. Dann dieser Chorus! Der dann nur noch von dem monumentalen 'Salvation' getoppt wird. Dieser Song hat einfach alles, was diese Band groß gemacht hat. Der zähe Aufbau, die schleppenden Riffs. Der Höhepunkt in dem fast sakralen Refrain. Doch neben Sänger Nick Holmes thront vor allem Gitarrist Greg Macintosh über allem. Dieser Mann mit seinen flirrenden Melodien drückt "Ascension" seinen Stempel noch deutlicher als sonst auf und sorgt für einen einzigen Triumphzug. Das stimmungsvolle 'Lay A Wreath Upon The World' ist ein atmosphärisches Highlight, was ich so nicht mehr von PARADISE LOST erwartet habe. Es gibt hier auch einfach alles. Endlich auch wieder flottere Nummern wie 'Diluvium', die tatsächlich an "Icon" erinnern. Oder aus der "One Second"-Phase gesellen sich das eingängige 'Savage Days' oder 'Sirens' dazu. Nach Release hatte ich effektiv jeden Tag einen anderen Lieblingssong und das sagt viel aus, wie gut "Ascension" ist.

Lange musste ich nicht über mein Album des Jahres nachdenken. "Night Verses" von THE MAN-EATING TREE hat sich schlicht wie nach Hause kommen angefühlt. Dabei hatte ich diese Band bis dato nicht wirklich verfolgt. Doch als ich mitbekommen habe, dass Gitarrist Janne Markus eine neue Besetzung zusammengestellt hat und tatsächlich Manne Ikonen von GHOST BRIGADE seine Rückkehr feiert, konnte ich mein Glück kaum fassen und wollte fast im Anschluss Lotto spielen gehen. Seine Stimme, die er auf den vier GHOST BRIGADE-Alben hinterlassen hat, ist unheimlich prägend für mich. Egal, ob es die gurgelnden Growls oder seine markante klare Stimme sind, es erzeugt eine ganz eigene Stimmung, die sich auch zu THE MAN-EATING TREE gerettet hat. Klar, es ist da von meiner Seite ganz viel Nostalgie, da ich gerade "Isolation Songs" von GHOST BRIGADE für eines der besten Alben finnischer Herkunft halte. Wenn man nur in die Single 'To The Sinking' reinhört, bekommt man eine melancholische Vollbedienung, diese warme, fiebrige Atmosphäre, der kurz darauf folgende Ausbruch, die Melodien… das ist alles fast schon greifbar. Oder bei der ersten Single 'Seer' habe ich beim Einsetzen der klaren Stimme jubelnd die Hände in die Luft geworfen, da es sich einfach so richtig anfühlt, diese Stimme wieder hören zu können. Und auch der gesamte Umbau mit den schroffen Riffs trägt seinen weiteren Beitrag dazu bei, dass "Night Verses" mich von der ersten Sekunde gepackt hat und bis heute nicht losgelassen hat. Und das ist nicht nur an einzelnen Songs festzumachen. Der Opener 'Days Under The Dark' räumt direkt alles ab, selbst 'Abandoned' liefert alles, was ich mir gewünscht habe. Der herrlich doomige Abschluss 'Reflections' ist dabei nur die Krönung der Rückkehr einer Band, wo ich zu Beginn des Jahres dachte, dass ich sie so sehr gebraucht habe.

 

Bei den Songs des Jahres tummeln sich die meisten Songs von Alben aus meiner Liste. Was irgendwo auch Sinn ergibt, nech? Neben dem großartigen 'To The Sinking' von THE MAN-EATING TREE noch ein besonderer Shoutout an DIE APOKALYPTISCHEN REITER mit 'Der Freiheit Vaterland', die sich 2025 auch endlich wieder musikalisch zurückgemeldet haben. Und wie! Dieses fast elfminütige Ungetüm ist nicht nur der längste Song der Bandgeschichte, sondern auch das Konzentrat, was diese Band ausmacht. Ganz groß.

 

An der Livefront gab es 2025 für mich derartig viele Highlights, die es alle wert sind, erzählt zu werden. Das dickste Ding war ohne jeglichen Zweifel "The Moth", was DEVIN TOWSEND Ende März exklusiv in Groningen in den Niederlanden veranstaltet hat. Ein Orchester und Chor mit insgesamt etwa 180 Leuten auf der Bühne, damit hat dieser Kanadier akustisch wie visuell etwas derartig Beeindruckendes geschaffen, was ich so in der Form noch nie erlebt habe. Gerade weil ich von der Kombination Orchester + Metal eher weniger überzeugt bin. Aber "The Moth" war dann so gekonnt, so magisch, so überlebensgroß, das ist nicht in Worte zu fassen gewesen und ich habe hinterher noch nie so maßlose Begeisterung bei ALLEN Beteiligten vor und auf der Bühne gesehen. Diese Show war einer dieser "once in a lifetime"-Momente, der trotz reichlichen Vorschlusslorbeeren mir für immer im Gedächtnis bleiben wird.

Ich hatte mir seit Jahren vorgenommen, mal einer Band eine ganze Tour hinterher zu fahren. Klar, das ist in Zeiten der Inflation eine Investition, für die dann auch gerne mal ein Familienurlaub draufgeht. Doch wie das Leben nun mal so spielt, sollte ich das dann nicht in Deutschland umsetzen, sondern in Finnland. Seit dem ersten Ton hatte mich CEMETERY SKYLINE am Haken und als diese Band ebenfalls im März ganze vier Shows in Finnland angekündigt hatte, nahm der Wahnsinn seinen Lauf. Von Helsinki über Tampere nach Jyväskylä mit dem Abschluss in Lahti wurde es ein weiter, besonderer Trip. Die Band hatte bislang nur einmal live gespielt und das hat man im legendären Tavastia bei der ersten Show auch gespürt, da hat es überall noch ein wenig gezwickt. Doch mit jedem Stop wurde die Band besser, die Show routinierter, was dann in einer grandiosen Show in Jyväskylä gipfelte. Dazu gab es von mir auch einen Konzertbericht, was bis heute der einzige deutschsprachige Bericht über diese Tour sein dürfte. Fortsetzung folgt?

Dann gab es noch einem weiteren, für mich emotionalen Höhepunkt, als ich den großen BRUCE SPRINGSTEEN sowohl in Berlin als auch in Frankfurt erleben durfte. Dieser Mann atmet Rockmusik in jeder Pore, ist mit seinen 75 Jahren fitter als mancher, der nur halb so alt ist, und wie er beide Shows ohne auch nur einen Schluck zu trinken durchgezogen hat… ein absoluter Irrsinn. Die Setlist war ein Ritt durch über 40 Jahre, egal ob 'No Surrender', 'The River' oder neuere Lieder wie 'Wrecking Ball', es herrschte eine glücksgeschwängerte Stimmung und alle feierten miteinander und konnten den Alltag für 3,5 Stunden vergessen. Trotzdem hatte er auch immer die Zeit, alle anwesenden Fans auf die Gefahr hinzuweisen, die gerade in seinem Heimatland immer größer wird. Ich ziehe meinen Hut vor BRUCE SPRINGSTEEN, der für mich immer einen ganz besonderen Platz einnehmen wird.

Nicht zu vergessen auch die absolut geisteskranke Show von GOJIRA auf dem "Summer Breeze"-Festival. Das war oberstes Regal. Es war mir bislang nie gelungen, die Franzosen einmal live zu sehen. Sie entfesselten da einen Sturm, der das gesamte Infield umgeblasen hat. In all den Jahren habe ich in Dinkelsbühl einige denkwürdige Shows gesehen, GOJIRA hat sich sofort in meine Top 3 gespielt.

Mit Vesa Ranta nach der CEMETERY SKYLINE-Show in Helsinki

 

Zum Ende hin möchte ich noch schauen, was 2026 bringen könnte. Ich freue mich da auf neue Alben von EVERGREY, MASTODON, SOEN, SOILWORK, THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, vielleicht sogar GOJIRA und auch Tompas Vermächtnis mit AT THE GATES. Doch am meisten auf Bands und Alben, die ich bis dato nicht auf dem Zettel hatte. Am besten im Verbund mit mitreißenden Liveshows, von denen es 2026 ohne jeden Zweifel wieder einige geben wird.

 

Rang Band Album
1. THE MAN-EATING TREE Night Verses
2. PARADISE LOST Ascension
3. GHOST Skelatá
4. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA Give Us The Moon
5. ORBIT CULTURE Death Above Life
6. AMORPHIS Borderland
7. KATATONIA Nightmares As Extensions Of The Waking State
8. THE HALO EFFECT March Of The Unheard
9. HARAKIRI FOR THE SKY Scorched Earth
10. AVATARIUM Between You, God, The Devil And The Dead
11. STYGIAN BOUGH Volume 2
12. DAWN OF SOLACE Affliction Vortex
13. SIVERT HØYEM Dancing Headlights
14. OMNIUM GATHERUM May The Bridges We Burn Light The Way
15. MARCO HIETALA Roses From The Deep
16. WARDRUNA Birna
17. BEFORE THE DAWN Cold Flare Eternal
18. TESTAMENT Para Bellum
19. CERESIAN VALOT Uumen
20. LAST LEAF DOWN Weight Of Silence

Redakteur:
Kevin Hunger

Login

Neu registrieren